Charlotte Link – Die Betrogene

Die Betrogene BuchcoverRichard Linville wird ermordet. Linville war, wie seine Tochter Kate, bei der Polizei. Selbst Monate nach seinem Tod treten die Ermittler am Fleck – bis Kate beginnt, selbst Ermittlungen zu starten und den eigentlichen Ermittlern dabei immer in die Quere kommt, was Caleb Hale – der Ermittlungsleiter – naturgemäß nicht schmeckt, weil Kate seinem Team immer einen Schritt voraus ist.
Ein ganz anderes Problem hat Jonas Crane. Der Drehbuchautor ist völlig überarbeitet und bekommt von einem Arzt die Anweisung, sich für einige Wochen von seinem Alltag zurückzuziehen. Also beschließt Jonas, mit seiner Frau Stella und seinem Adoptivsohn Sammy, in eine abgelegene Farm in den Hochmooren Englands zu fahren. Ein Haus ohne Fernseh-, Internet- und Handyempfang. Eine scheinbare Idylle. Tage vor der Abreise bekommt die Familie Besuch von der leiblichen Mutter Sammys – und ihrem Freund, der für die Polizei kein unbeschriebenes Blatt ist …

Das schöne an Links Büchern ist, dass man von außen nicht erkennt, dass es sich um einen Krimi handelt. Die meisten Verlage legen es darauf an, die Covers und Titel möglichst martialisch zu gestalten; mit Titel wie “Der Todesbringer”, “Todesschaukel” oder irgendetwas anderes mit”Tod” – Hauptsache man erkennt auf den ersten Blick, dass es sich um einen Krimi oder Thriller handelt. In Kombination dazu beauftragt man dann den Grafiker, ein möglichst blutiges Cover zu gestalten. Der wirft dann Photoshop an, landet sich irgendwelche Blutbrushes herunter und kleckst sie auf eine neue Datei – und fünf Minuten später ist das Buchcover fertig.
Je martialischer die Aufmachung, desto eher sollen sich die Bücher verkaufen . Der Inhalt tritt dann in den Hintergrund.

Bei Link ist genau das Gegenteil der Fall: ihre Bücher sind wie Menschen, von außen erkennt man das Innere nicht, und das kann mitunter ziemlich grausam sein.

So ist es auch bei „Die Betrogene“, eines der blutigsten und mordreichsten Link-Bücher, die ich je gelesen habe. Mit dabei eine Spannung, die die ganzen 640 Seiten, die dieses Buch umfasst, durchhält. Mit einem Mörder, mit dem wohl bis einige Seiten vor dem Ende niemand rechnet – wenn doch, sollte er oder sie dringend bei der Polizei anheuern.

Wie in jedem Buch von Charlotte Link erfährt man auch in diesem einiges über die Charaktere. Von ihrer Geschichte, ihrem Leben, ihrer Vergangenheit und ihrer Gefühlswelt – von Letzterem manchmal etwas zu viel. Dennoch kann man sich in die Personen als Außenstehender gut hineinversetzen und so manche Entscheidung nachvollziehen, die sie treffen.

Was auffällt, ist, dass Link ständig von DEM Mörder schreibt und an keiner Stelle des Buches das Ermittlerteam eine Frau als Täter in Erwägung zieht – auch Kate, die alleine etwas in Erfahrung bringen möchte, schlägt keinen solchen Weg ein. Gerade als weiblicher Autor möchte man meinen, dass sie ihr Geschlecht auch bei Morden zumindest gleichberechtigt behandelt. Das ist aber – „leider“ möchte man fast sagen – nicht der Fall.

Dennoch ist „Die Betrogene“ ein grandioses Buch, das mich zu jeder Zeit, in der ich es gelesen habe, vortrefflich unterhalten hat.

Autor: Charlotte Link
Titel: Die Betrogene
Seiten: 640
Sonstiges: —
Erscheinungsjahr: 2015
ISBN: 978-3734100857
Verlag: Blanvalet

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