[REZENSION] Bielefeld & Hartlieb – Auf der Strecke

adsDer streitbare Autor Xaver Pucher wird auf seiner Reise von Wien nach Berlin umgebracht. Eine Passage in seinem Buch könnte die islamische Welt erzürnt haben. Oder ist es doch das noch gar nicht erschiene zweite Buch, in dem die Lüge die Wahrheit spricht? Mit dem Manuskript wollte der Exzentriker zu seinem Agenten nach Berlin reisen. Diesen Fragen stellen sich Anna Habel in Wien und Thomas Bernhardt in Berlin.

Das ist der erste Teil der Wien-Berlin-Reihe, geschrieben von Petra Hartlieb und Claus-Ulrich Bielefeld. Ein solider und – vor allem – klischeebehafteter Krimi. Tatsächlich bewerfen sich die zwei Protagonisten mit so ziemlich allen Klischees, die es von Österreichern über Deutsche und vice versa gibt. Das kann einem schon zu viel sein, aber irgendwie schaffen es die zwei Autoren, recht schnell wieder von den Spitzen zur Sache zu kommen.

Und die Sache ist eine ziemlich spannende, denn man beginnt nicht nur, die zwei Streithähne zu mögen, man ist auch fasziniert davon, wie sie – gemeinsam oder getrennt – den Fall bearbeiten. Das Buch hat 360 Seiten und der flotte Schreibstil erlaubt es, dass man recht schnell durch ist.

Wobei man schon einen Unterschied zwischen den beiden Schreibstilen merkt: Die Berlin-Kapitel sind durchaus schwerer, was vor allem daran liegt, dass relativ detailliert über die DDR-Vergangenheit von Thomas Bernhardt, dem Berlin-Ermittler, erzählt wird. Das muss man nicht mögen, ist für den Fall auch nicht weiter relevant, aber man lernt Bernhardt dadurch besser kennen und verstehen. Sowas fehlt beim Wien-Teil doch etwas: zwar erfährt man, wie Habel aussieht und wie sie lebt, aber von ihrer Vergangenheit erfährt man recht wenig. Dafür sind ihre Kapitel wesentlich lebendiger und man hat – zumindest zu Beginn – wesentlich mehr Spaß an ihren Kapiteln.

Was den Berlin-Teil ebenfalls auszeichnet, ist der Berliner Dialekt, der punktgenau getroffen ist – und das sage ich als einer, der den Dialekt nur aus dem Fernseher kenne…Viel besser kann ich den Wiener Dialekt beurteilen: Der kommt nicht so authentisch rüber. Beispielsweise wird man von einer 40-jährigen Wienerin, wie Anna Habel eine ist, nie das Wort „Gesülze“ (S. 202) hören. Diesen Begriff gibt es in Wien einfach  nicht.

Bis auf ein paar kleine Schwächen ist „Auf der Strecke“ ein guter Krimi, vor allem weil er in zwei Hauptstädten spielt, was es in der Form noch nicht gibt – zumindest ist mir noch kein solcher Krimi untergekommen. Auch wenn man sich auf viele Klischees einstellen muss und damit einhergehende Sticheleien, stehen die weiteren Teile dieser Serie bereits auf meiner to-read-list.

Autor: Bielefeld & Hartlieb
Titel: Auf der Strecke
Seiten: 368
Erscheinungsjahr: 2011
Sonstiges: —
ISBN: 978-3257240689
Verlag: Diogenes

 

 

 

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