[REZENSION] Oliver Harris – London Killing

lkDer russische Oligarch Alexei Devereux wird vermisst. Tage darauf wird die 18-jährige Jessica Ward auf dem Weg zur Schule in einem Starbucks erschossen – besteht ein Zusammenhang?
Nick Belsey, der den Fall übernimmt, steckt selbst Knietief in Problemen: Kein Geld, kein Daheim, und ein Disziplinarverfahren am Hals. Kurzerhand leiht er sich Devereux‘ Identität und gerät damit in sonderbare Kreise voller Korruption und Intrigen.

Es ist ein komplizierter Thriller, mit einem noch komplizierteren Protagonisten. Wer auf Machtspiele und Politik fernab von den Repräsentantenhäuser steht, wird mit „London Killing“ seine helle Freude haben. Wer obendrein eine Freude mit Geschichten voller unsympathischer Charaktere hat, noch mehr.

Ich persönlich hege ambivalente Gefühle gegenüber Oliver Harris‘ Schreibstil. Wann immer ich geglaubt habe, in der Geschichte drin zu seien, war ich es bei der nächsten Lesesession nicht mehr – und dennoch hat die Story irgendwo seinen Reiz, so dass man trotzdem immer weiter lesen möchte. Ob ich weitere Teile lese, weiß ich allerdings noch nicht – ich hoffe ja, dass man mehr über Belsey erfährt, einfach weil ich eine gewisse Beziehung zu ihm aufbauen möchte – immerhin verbringe ich ja einige Stunden mit ihm. Aber Belsey scheint dem Leser zu sagen: „Du darfst mich begleiten, aber bitte frag mich nichts – und halte bitte zehn Meter Abstand“. Was ich schade finde.

Was auffällt, ist, dass Harris offenbar nicht mit so einem Erfolg seines Buches gerechnet hat (aber wer tut das schon bei seinem Debut): es finden sich einige Erwähnungen in der Geschichte, mit denen man als nicht-Brite nichts anfangen kann, wie etwa Londons Bezirksbezeichnungen, Fernsehshows oder deren Moderatoren. Da muss man drüberlesen, oder recherchieren.

Das Zeit-Zitat auf dem Cover – „Rasantes Debüt“ halte ich überdies für irreführend, da die Geschichte nichts rasantes an sich hat. Man sollte sich, ob seiner Komplexität, wirklich Zeit zum Lesen nehmen, sonst verpasst man möglicherweise Dinge, die für den Verlauf wichtig sind.

Das Buch hat definitiv Eindruck bei mir hinterlassen – einen, wie oben beschrieben, sehr ambivalenten. Bei der Bewertung schwanke ich zwischen drei und vier von fünf Händen. Ich vergebe vier, mit leichten Vorschusslorbeeren für den zweiten Teil, den ich wahrscheinlich doch irgendwann lesen werde.

Autor: Oliver Harris
Titel: London Killing
Originaltitel:: The hollow man
Seiten: 480
Erscheinungsjahr: 2012
Sonstiges: —
ISBN: 978-3453437173
Verlag: Heyne

 

 

 

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