[REZENSION] Rainer Nikowitz – Volksfest

vfDer Suchanek kehrt nach 15 Jahren zurück nach Wulzendorf in seine alte Heimat. Zum Glück nur für ein paar Tage, denn die Anonymität, die er in Wien kennen und lieben gelernt hat, findet in der dörflichen Idylle so gar nicht statt und reden ist dem Suchanek wirklich nicht seines. Aber kaum macht er es sich am ersten Abend mit einem Joint, den ihm der Grasel spendiert hat, gemütlich, fängt es auf einmal an zu brennen. Also nicht bei ihm – das hätte ihm noch gefehlt – sondern beim Fünfer-Mantler, ausgerechnet beim Feuerwehrhauptkommandanten, bei dem es schon vor 20 Jahren gebrannt hat. Wie beim Palenak oder dem Neuner-Ranreiter. Der Fünfer-Mantler ist gerade aber gar nicht da, sondern in Polen; und seine Frau, die heilige Johanna, ist hoffentlich auch mitgefahren, weil sonst …

Ich war bis jetzt nicht wirklich ein Nikowitz-Fan, habe nur wenige seiner Kolumnen gelesen, aber Volksfest ist genial. Der Schreibstil, der Humor, die Satire, die eher subtil daherkommt (manchmal aber auch ganz offen), die Charaktere, die Geschichte an sich.
Es ist – glücklicherweise will man sagen – kein typisches Räuber-und-Gendarm-Spiel, das würde auch nicht zum Rest der Geschichte passen. Es ist eher so, dass Suchanek irgendwann selber zu ermitteln beginnt, ohne es darauf anzulegen, den Fall, in den er mehr oder minder hineingerutscht ist, zu lösen.

Denn eigentlich ist Suchanek ein Nichtsnutz, so wird er zumindest von Nikowitz rübergebracht. Ein verdammt sympathischer Mensch zwar, aber eben ein Nichtsnutz, der zwar Willen zeigt, aber dann doch nichts erreicht in seinem Leben – zumindest nichts nennenswertes. Dennoch lernt man als Leser seine Art zu schätzen und man mag den Mann ohne Vornamen irgendwann einfach.

Nikowitz schafft es auch, das typische Dorfleben zu skizzieren und karikieren und lässt dabei wirklich kein Klischee aus. Sei es das verhasste Nachbardorf Bernhardsau, Nachbarschaftsfeindschaften, Konkurrenzkampf zwischen Bauern, Traditionen wie etwa das titelgebende Volksfest, das in den Tagen, in denen die Geschichte spielt, oder das alljährliche Fußball-Gedenkspiel.

Verwirrend sind die ganzen Namen mit den Nummern vorne, wie oben geschrieben etwa der Fünfer-Mantler. Daran muss man sich gewöhnen. Und wenn nicht, gibt es vorne im Buch ein Namensverzeichnis. Die meisten Namen haben allerdings ohnehin keine Nummer vorne (oder hinten).

Am Ende bleibt zu sagen, dass Volksfest ein ausgeklügelter Krimi ist, der sowohl stilistisch als auch rheinisch zu überzeugen weiß. Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Teil.

Und noch ein Funfact: Wulzendorf gab bzw. gibt es tatsächlich, nämlich wie im Buch in Niederösterreich. Heute gehört es zum 22. Wiener Gemeindebezirk.

Autor: Rainer Nikowitz
Titel: Volksfest
Seiten: 319
Erscheinungsjahr: 2012
Sonstiges: —
ISBN: 978-3499259111
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag

 

 

 

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