Michael Robotham – Um Leben und Tod

ulutAudie Palmer hat einst einen Geldtransporter mit sieben Millionen Dollar ausgeraubt. Er war einer aus einer Gruppe von vieren – die anderen drei sind tot, und er hat selbst nur knapp überlebt. Nun soll er nach zehn Jahren Haft morgen entlassen werden – stattdessen bricht er aus. Aber wieso? Das fragt sich nicht nur sein Zellengenosse Moss, der überraschend und vorzeitig entlassen wird und ihn suchen soll, sondern auch Desiree Furness vom FBI, die den Fall neu aufdröselt. Audie weiß wieso: Er hat ein Versprechen zu halten, das er einst gegeben hat.

Es ist kein klassischer Robotham, weder findet man hier einen Vincent Ruiz, noch einen Joe O’Loughlin, und doch ist es einer der besten Robothams aller Zeiten. Es ist kein konventioneller Krimi, kein richtiger Thriller, es ist eine Abenteuer-, Ganoven-, eine Liebesgeschichte; ohne zu abenteuerlich, ganovenhaft oder schnulzig zu sein. Es ist eine Geschichte ohne und gleichzeitig mit so vielen Genres und doch erkennt man die Handschrift von Robotham, mit seiner Bildsprache, seinen treffenden Vergleichen und dem unnachahmlichen Humor, der immer wieder aufblitzt. Dieses Buch benötigt keine Spannung und keine Cliffhanger am Ende der Kapitel, diese Geschichte lebt von sich selbst, von den vortrefflich gezeichneten Charakteren und von dem roten Faden, den man nicht festhalten muss, weil er einen festhält und durch den Plot zieht.

Anders als die anderen Robothams, spielt diese Geschichte nicht in England, sondern in den USA, und ebenfalls anders als in seinen anderen Werken nimmt man hier an der Seite des vermeintlich bösen Protagonisten platz. Robotham zeigt allerdings auf, dass es in Krimis nicht nur Schwarz und Weiß gibt, dass die Bösen nicht immer böse und die Guten nicht immer gut sind, sondern dass es auch Grautöne gibt, dass es mehr als Klischees gibt. Wie in allen anderen Robothams spielt aber auch hier eine Behinderung eine Rolle, wiewohl es keine richtige Behinderung ist, aber ein Charakter wird durch den Umstand, dass er sehr klein ist, durchgehend von anderen Leuten behindert, kommt allerdings – wie O’Loughlin – sehr gut damit zurecht und besitzt einen hervorragenden Sinn für Selbstironie.

Von mir eine absolute Leseempfehlung, weil die Story gut durchdacht ist und man am Ende mit Gänsehaut und Tränen in die Augen dasitzt. Eines der besten Bücher, die ich in den mindestens letzten sechs Monaten gelesen habe.

Autor: Michael Robotham
Titel: Um Leben und Tod
Originaltitel:Life Or Death.
Seiten: 480
Erscheinungsjahr: 2015
Sonstiges: —
ISBN: 978-3442482818
Verlag: Goldmann

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