Rainer Nikowitz – Nachtmahl

nmKaum ist der Suchanek mit seiner Susi nach seiner heldenhaften Tat in Wulzendorf im wohlverdienten und von der niederösterreichischen Regierung gesponserten Urlaub im benachbarten Feuchtkirchen, wird schon wieder wer umgebracht. Ausgerechnet der Abentheuer, bei dem das traute Paar residiert – es scheint wirklich so, als ob der Suchanek die Mörder anzieht wie das Licht die Motten.
Nun ist der Suchanek ja seit seiner Heldentat nicht nur stadt-, sondern sogar regional bekannt. Das hat auch der Graf Manteuffel-Praslin erkannt und lässt den jungen Mann zu sich zitieren – und jetzt soll der Suchanek … was? Den Mord aufklären? Das wird der Susi aber gar nicht gefallen.

In Feuchtkirchen also diesmal, einer Ortschaft, deren einzige Sehenswürdigkeit eine Kurve ist – die dafür aber voll scharf ist. Schon kurz nach dem Mord hat der Neo-Detektv auch seine erste Theorie zur Lösung des Falles: die Ceausescu-Methode, benannt nach dem rumänischen Diktator aus der Zeit des Eisernen Vorhangs.

Und hier erkennt man auch schon die Wandlung des Suchanek. Aber dabei bleibt es nicht; in späterer Folge zeigt er sogar Gefühle, wird emotional, etwas, das es im ersten Teil gar nicht gab.
Aber auch den anderen Charakteren hat Nikowitz ein schärferes Profil verpasst als denen des Vorgängers, bei dem die Figuren durch Ziffern vor oder nach ihren Namen brillierten, was durchaus für Verwirrung sorgte, weil man sie nur schwer auseinanderhalten konnte. So tritt diesmal ein Mann auf, der ständig vor einem Schachbrett sitzt – dieser trägt, in Anspielung auf den ehemaligen Schachweltmeisters, den Beinamen Kasparow (in Wirklichkeit heißt er Vidic), oder ein Lehrer, der nebenberuflich als Journalist arbeitet, scheint meistens als „der Chronist“ auf, ein Mann, der Führungen durch die örtliche Natur macht, ist der Ranger. Das ist gut durchdacht und wesentlich übersichtlicher als im ersten Teil.

Was Nikowitz ebenso gut macht wie in „Volksfest“, ist, die politische Landschaft, sowohl regional, als auch überregional, zu skizzieren. Nach meinem Wissensstand dürfte hier alles seine Richtigkeit haben. Auch nimmt er Bezug zu mehr oder weniger aktuellen politischen Themen wie den Tierschützerprozess, der vor einigen Jahren in Österreich stattfand und für Aufsehen gesorgt hat; oder der Lehrerdiskussion, bei der Nikowitz so ziemlich jedes Stammtisch-Argument erwähnt.

Was allerdings dann doch irritiert ist Folgendes: Wieso fährt der Suchanek aus Recherchegründen extra nach Wien und darf mit Erlaubnis der örtlichen Polizei sogar einen Verdächtigen befragen? Das wirkt dann doch sehr an den Haaren herbei- und überzogen und passt so gar nicht zu diesen undynamischen Suchanek, den wir in Teil eins kennengelernt haben. Tatsächlich sind das aber die einzigen Unstimmigkeiten in dem Buch – der Rest und vor allem der Showdown ist à la bonne heure. Auch wenn man den Showdown ebenfalls als zu aufgesetzt und zu dick aufgetragen sehen kann.

Insgesamt macht auch der zweite Suchanek Spaß, wenngleich ich den ersten dann doch besser fand, da der Protagonist eher zufällig in den Fall hineingerutscht ist, was meiner Meinung auch besser zur Charakteristik des Suchanek passt – „Nachtmahl“ wirkt teilweise doch sehr konstruiert.

Autor: Rainer Nikowitz
Titel: Nachtmahl
Seiten: 420
Erscheinungsjahr: 2014
Sonstiges: —
ISBN: 978-978-3499267666
Verlag: Rowohlt

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