Steve Mosby – Der 50/50-Killer

50-50Es ist ein grausames Spiel, das der Täter mit seinen Opfern spielt. Eine von zwei Personen wird überleben – wer, das entscheidet sie selbst. Zwei Jahre hat er vergehen lassen, doch jetzt schlägt der 50/50-Killer wieder zu. Er hat gewartet, gewartet auf John Mercer, der vor genau zwei Jahren einen Nervenzusammenbruch wegen ihm hatte . Er will ihn erneut herausfordern und diesmal brechen.
Indessen hat Mark Nelson seinen ersten Arbeitstag beim Team Mercer, der nicht nur schrecklich beginnt, weil er zu spät kommt, er schlittert auch mitten in den Fall hinein und muss dabei nicht nur den ganzen Fall aufarbeiten, sondern auch seine eigene Vergangenheit bewältigen…

Fangen wir von vorne an: Der Titel wurde auf diversen Plattformen kritisiert, ich halte von Zahlen im Allgemeinen jetzt auch nicht so viel, aber der Titel ist schon in Ordnung, zumal er direkt vom englischen ins deutsche übersetzt wurde – und das kommt ohnehin selten genug vor. Das Buchcover der aktuellen Version hat mich fasziniert, weil mich Farbverläufe immer faszinieren. Dieses vom Dunklen ins Helle hat etwas Beruhigendes-

Kommen wir zum Inhalt: Tatsächlich schlüpft der Leser im Buch in die Rolle von Mark Nelson, der als promovierter Psychologe seinen ersten Arbeitstag im Team von John Mercer hat und zunächst mit einer gewissen Euphorie in den Tag startet. Mercer hat einen guten Ruf, er ist Buchautor und offenbar einer der besten Ermittler der Stadt, deren Namen man im Buch nie erfährt. Es bleibt aber nicht nur bei der Ego-Sicht von Mark, man darf nebenbei auch noch Mercers Frau Eileen, die zwei Opfer, Jodie und Scott, sowie ein paar andere Charaktere aus der dritten Person  begleiten.

Mark repräsentiert anfangs gewissermaßen den Leser, weil er zunächst natürlich selbst noch nicht genau weiß, was ihn erwartet, wie das Team funktioniert, ob es harmoniert und welchen Einfluss Mercers vorangegangener Zusammenbruch, der ihn immerhin zwei Jahre außer Gefecht gesetzt hat, hat. Nelsons Hauptaufgabe ist es, Tür-zu-Tür-Befragungen durchzuführen, aber auch etwaige Opfer zu befragen. Dabei hat er seine eigene tragische Vergangenheit noch nicht verarbeitet, was dazu führt, dass er bei der Arbeit immer wieder kleinere Fehler begeht. Dazu kommt, dass er mit Ende 20 noch sehr jung ist und vor zwei Jahren erst promovierte – was für mich ein kleiner Haken ist, denn normalerweise macht man seinen Doktor eher selten mit Mitte 20, wenn man nicht ein außerordentlich begabter Mensch, und ein solcher scheint er nicht zu sein, zumindest macht er beim Leser nicht den Eindruck.

Auch wenn die Hauptperson Mark Nelson ist, merkt man gerade bis zur Hälfte des Buches, dass John Mercer eine zentrale Rolle in der Geschichte einnimmt und gerade auf der Metaebene spielt sich eine Story ab, die zunächst viel wichtiger ist als der Fall, den das Team bearbeitet. Hier steht zunächst John Mercers Nervenzusammenbruch im Zentrum, und Nelson beobachtet seinen Chef sehr genau und will sein Tun immer mit dem Zusammenbruch in Verbindung bringen – zumindest hat man als Leser das Gefühl, dass die Person Mercer nur auf den Vorfall reduziert wird, als ob es kein Davor gäbe. Das finde ich irgendwie schade, denn man lernt Mercer nur von dieser einen Seite kennen. Selbst in den Eileen-Kapiteln. Man weiß weder, ob er Kinder oder Enkel hat, wie er Eileen kennengelernt hat, noch sonst irgendwelche trivialen Sachen. Das trifft übrigens auf nahezu alle Charaktere zu.

Zirka 100 Seiten vor Ende nimmt das Tempo rasant zu und es gibt dermaßen viele Plot-Twists, dass einem fast schwindelig wird – daran hätte man vielleicht etwas sparen können. Dafür ist der Showdown grandios, so dass man mehr über Mark Nelson lesen möchte, aber Buchserien scheinen nicht Mosbys Ding zu sein. Schade.

Alles in allem kann ich aber nachvollziehen, wieso „Der 50/50-Killer“ ein Bestseller wurde. Es ist ein gut durchdachter und strukturierter Thriller, in dem es eigentlich um Liebe geht, aber gut verpackt als teilweise wirklich brutale Geschichte rüberkommt, die teilweise an „Die Blutlinie“ von Cody McFadyen erinnert. Kleinen Schwächen kann man nicht von der Hand weisen, aber  aufgrund des Gesamtwerkes kann man sie Mosby nachsehen.

Autor: Steve Mosby
Titel: Der 50/50-Killer
Originaltitel: The 50/50-Killer
Seiten: 496
Erscheinungsjahr: 2007
Sonstiges: —
ISBN: 978-3426638255
Verlag: Droemer/Knaur TB

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