Michael Robotham – Der Schlafmacher

schlfmchrEine Uhr ist eine Uhr. Ein Messer ist ein Messer. Und ein Leben ist ein Leben. Nach dieser Prämisse lebt und tötet er. Zuerst umarmt er dich, und dann bist du tot. Er muss es tun, es ist seine Berufung. Als Joe O’Loughlin zu einem Tatort gerufen wird, findet er eine Mutter und ihre Tochter tot auf – O’Loughlin soll den Fall untersuchen, doch ohne  Vincent Ruiz kann und will er nicht arbeiten.
Indessen bittet ihn Julianne, den Sommer bei ihr und seinen Töchtern zu verbringen; er hofft auf eine Wiedervereinigung mit seiner Familie, aber der Grund ist ein gänzlich anderer ..

Bei Robotham muss man die Klappentexte nicht lesen, man weiß, was man bekommt und dass es gut ist. Vor allem, wenn der Protagonist Joe O’Loughlin heißt. „Dein Wille geschehe“ war mein erster Robotham, und „Der Schlafmacher“, der übrigens kein Ratgeber gegen Schlafstörungen, sondern das genaue Gegenteil ist, ist in gewisser Weise die Fortsetzung davon. Natürlich ist jeder Robotham, mit Ausnahme von „Um Leben und Tod“, die Fortsetzung dessen Vorgänger, aber beim Schlafmacher geht es tiefer. Das merkt man insbesondere bei einer Auseinandersetzung zwischen O’Loughlin und Charlie, bei der man Charlies Standpunkt so gut nachempfinden kann, dass es fast schon psychisch wehtut. Überhaupt sind die Teile, bei denen O’Loughlin im Mittelpunkt steht, wesentlich intensiver und ruhiger.

Aber ohne Ruiz geht es natürlich nicht und deshalb steigt er nach etwa einem Drittel auch ins Geschehen ein, und da merkt man dann doch, dass dem Buch bis dahin eine gewisse Härte und Schärfe fehlt, die eine Charlie oder Ronny Cray nicht kompensieren können. Allerdings bleibt der ehemalige Detectiv eher im Hintergrund.

Ironie, und das ist mir erst bei diesem Buch aufgefallen, wird, wie von anderen Autoren, bei Robotham fast nie gekennzeichnet – man erkennt sie aber instinktiv. Für Menschen, die Ironie nicht verstehen (die soll es ja geben), könnte es zeitweise also schwer werden. Eben so ein Stilmittel wie Ironie sind bei dem Briten Fußballvergleiche, die ziemlich oft vorkommen. Man muss allerdings kein Fußballversteher oder gar -fan sein, denn auch hier versteht man instinktiv, was gemeint ist.

Eine Stelle in dem Buch hat mich aber dann doch sehr irritiert: Robotham ist dafür bekannt, dass er immer wieder vulgäre Sprache nutzt, das ist auch gut so, weil es die Stimmung zwischendurch immer wieder auflockert. Allerdings fand ich es während einer Befragung, bei der offensichtlich Kinder anwesend sind und übers „blasen“ (die vulgäre Form davon) gesprochen wird, dann doch eher unpassend. Das hätte der Autor anders lösen können und vielleicht sogar müssen – gerade weil O’Loughlin eine eher sensible Person ist und zudem selber Kinder hat.

An mehreren Stellen des Buches werden die Namen Crowe (Opfer) und Cray (Ermittlerin) verwechselt, das ist vermutlich ein Fehler des Übersetzers Kristian Lutze. Zwar irritiert es anfangs, aber nach wenigen Seiten kommt man auf die Verwechslung. Was leider etwas schade ist, ist, dass Teile des Buches leicht vorherzusehen sind. Zwar nicht en detail, aber zumindest in Grundzügen. Auch das Handeln mancher Charaktere ist, vor allem beim Showdown, nicht immer nachvollziehbar.

Was ich dem Autor allerdings hoch anrechne, ist die Interaktivität, die er für den Leser bereithält. Denn man lernt so viele Menschen kennen, dass man selbst irgendwann zu ermitteln anfängt . Das kennt man zwar auch von einigen anderen Autoren, aber es macht doch jedes Mal aufs neue Spaß.

„Der Schlafmacher“ macht definitiv  Spaß und es macht Spaß, wiedermal Joe O’Loughlin zu sein und mehr oder weniger in andere Köpfe und vor allem in den des Psychologen zu schauen, auch wenn kleine Schwächen nicht von der Hand zu weisen sind. Es wird definitiv nicht der letzte Thriller dieser Art sein, und ich kann jeden verstehen, der Michael Robotham nach dem Ende – zumindest kurzfristig – hasst.

 

Autor: Michael Robotham
Titel: Der Schlafmacher
Originaltitel: Close Your Eyes
Seiten: 416
Erscheinungsjahr: 2015
Sonstiges: —
ISBN: 978-3442314089
Verlag: Goldmann

 

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