[REZENSION] Symone Hengy – Ekstase

exsGloria Siegel ist eine der wenigen Profilerinnen Deutschlands, sie will bei der Lösung des Falles eine wütenden Serienmörders mithelfen, aber dabei einen komplett neuen Weg einschlagen: mit einer Kooperation zwischen Landeskriminalamt und Universität – ob das gutgeht?
Und dann ist da noch Alexander Buschbeck, der eine bewegende Vergangenheit hat und scheinbar in die Seelen der Menschen blicken kann … 



Wenn in Dresden ein Serienmörder Arbeit sucht und zu metzeln und schnetzeln beginnt, verkommen die Abendspaziergänge der PEGIDA plötzlich zur örtlichen Folklore. Die Stadt hat Angst, aber nicht vor einer bevorstehenden Islamisierung, sondern vor einem Serienmörder, der durch die Stadt zieht und wahllos Menschen tötet und kleine Kinder entführt – je jünger, desto besser. Er braucht sie als Frischzellenkur und deshalb … den Rest erfährt man im Buch. „Ekstase“ st der Auftakt zur Gloria Siegel Trilogie und fängt zumindest vielversprechend an.

Das Positive zuerst: Das Buch ist gut zu lesen, sehr flüssig geschrieben und es gibt keinerlei Leerläufe. „Ekstase“ dürfte Hengys erster Kriminalroman sein und erschien im Selbstverlag bei Books on Demand, er ist außerdem gut recherchiert und kann mit interessanten Fakten punkten. Und Hengy kann sehr gut Charaktere zeichnen, wie der folgende Absatz zeigt.

In der Welt, in der sich „Ekstase“ abspielt, sind offenbar alle Menschen bildhübsch – solange man auf der Seite der Guten ist: Gloria Siegel – bildhübsch, erfolgreich, unnahbar. Alexander Buschbeck – bildhübsch, wahnsinns Anziehungskraft; Charisma, das die Welt zum stehenbleiben zwingt. Der Staatsanwalt Uebigau – bildhübsch, extravagant und offenbar auch erfolgreich. Und der Täter? Abgemagert, trockene Haut, aber – immerhin – ein wunderschönes und stattliches Geschlechtsteil. Aber vielleicht ist das auch eine merkwürdige Art von Gesellschaftskritik. Und dann ist da noch das Quartett, das aus Psychologiestudenten und Polizisten besteht und beim lösen des Falles mithelfen soll, wovon bis auf Dominik, der sowohl kleidungstechnisch als auch vom Auftreten an Barney Stinson erinnert, alle farblos bleiben – die Vier sind offenbar weder  besonders hübsch, noch auffallend hässlich. Dafür aber als Team so gar nicht harmonieren und nahezu durchgehend streiten, was für den Leser ziemlich nervig sein kann, weil sie sich dabei wie 16-jährige benehmen und nicht wie Menschen, die zwischen 20 und 25 sein sollen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie die Situation zwischen Studenten und Polizisten in Deutschland aussieht – hier in Österreich gibt es so eine Konkurrenz aus politischen Gründen tatsächlich. Aber immerhin geht es hier um einen Serienmörder, da sind solche Verhaltensweisen fehl am Platz.

Was mich ratlos zurück gelassen hat, war das Verhältnis zwischen Siegel und dem Universitätsprofessor Simmering – er duzt sie, sie aber siezt ihn. Was ist er? Ihr ehemaliger Professor, ihr Mentor? Bei einem intimen Gespräch zwischen den Zweien erfährt man zwar mehr, aber zweifelsfrei aufgeklärt wird es im ersten Teil der Trilogie nicht – möglicherweise in einem der Folgenden.

Nach zirka der Hälfte des Buches habe ich mich gefragt, wer eigentlich die Hauptperson in diesem Buch ist, denn eigentlich habe ich damit gerechnet, dass diesen Platz Siegel einnimmt – das tut sie aber nur im ersten Drittel, danach könnte genau so gut Buschbeck oder das Quartett der Hauptcharakter sein, denn Siegel tritt irgendwann mehr in den Hintergrund. Besonders Buschbeck bekommt mit seiner Art einen sehr prominenten Platz: Er mimt anfangs eine Art Sherlock Holmes, was ja noch relativ sympathisch ist – im letzten Drittel stehen wir allerdings am Rande eines anderen Genres, das mehr zu Stephen King passt als in die Welt der Kriminalliteratur und mich für meinen Teil nicht angesprochen, sondern eher abgestoßen hat.

Kurz sei noch auf den Titel des Buches eingegangen: Wikipedia beschreibt das Wort „Ekstase“ folgendermaßen:

Ekstase (griechisch ἔκστασις ékstasis „das Außersichgeraten“, „die Verzückung“ von ἐξ-ίστασθαι ex-histasthai „aus sich heraustreten“, „außer sich sein“) ist ein Begriff der Religionswissenschaft, der auch in der Psychologie verwendet wird. Es handelt sich um eine Sammelbezeichnung für besonders intensive trance-ähnliche oder durch Trance entfesselte psychische Ausnahme-Zustände, die von den Betroffenen als dramatische Zustandsveränderungen des Bewusstseins beschrieben werden.[1][2] Das Bewusstsein wird ihren Angaben zufolge während der Ekstase als „erweitert“ oder „erhöht“ erlebt. Durch diese Erweiterung oder Erhöhung erhält der Betroffene (oder auch ein ihn Beobachtender) den Eindruck, er sei „außer sich“ oder „nicht bei sich“. Damit ist gemeint, er sei aus dem Bereich seiner vertrauten Umwelt und des normalen Wahrnehmungsvermögens herausgetreten und in einen Bereich andersartiger Wahrnehmungsmöglichkeiten eingetreten.

Man könnte meinen, dass der Mörder in eine Art Rausch bzw. Trance kommt, wenn er am Werkeln ist – oder etwa Buschbeck mit seiner scheinbar übersinnlichen Fähigkeit. Aber als Leser bekommt man zu keiner Zeit das Gefühl, dass das so ist.

Fazit: Der Roman hebt sich definitiv von anderen ab, er weist Akteure auf, die im Gedächtnis bleiben – die meisten davon allerdings nicht auf eine positive Art. Gloria Siegel hätte in ihrer Trilogie einen prominenteren Platz verdient – Buschbeck stiehlt ihr quasi von Anfang an die Show, und ich habe das Gefühl, dass das auch in den beiden anderen Teilen so sein wird. „Ekstase“ ist ein Roman, der zu viel will, aber am Ende relativ wenig davon erreicht.

Daten zum Buch

Autor: Symone Hengy
Titel: Ekstase
Seiten: 308
Erscheinungsjahr: 2013
Verlag: Books on Demand
ISBN: 978-3734765148

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