[REZENSION] Jenny Blackhurst – Die stille Kammer

dskDrei Jahre verbrachte Susan in der Psychiatrie, weil sie ihren Sohn Dylan ermordet hat. Als sie eines Tages ein Foto zugeschickt bekommt, holt sie die Vergangenheit wieder ein – auf dem Bild ist Dylan, drei Jahre alt. Völlig überfordert damit sucht sie Hilfe und vertraut sich dem Journalisten Nick Whitely an, der sie bereitwillig unterstützt. Gemeinsam wirbeln sie Staub auf und stoßen dabei auf die beunruhigende Vergangenheit von Susans Ex-Mann Mark …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Idee: 3/5
Umsetzung: 2/5
Charaktere: 2/5
Spannung: 2/5
Showdown: 2/5

Kinder sind allseits beliebt, und sie werden genau deshalb nur allzu gerne in Werbespots verwendet, um diverseste Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen. Kinder emotionalisieren – weil jeder von uns eines war, eines kennt, eines hat, oder alles gleichzeitig. Deshalb kaufen wir die angepriesenen Produkte auch nur allzu gerne. Jenny Blackhurst dürfte sich das zu Herzen genommen haben, und stellt in ihrem Erstlingswerk ein Kind in zentrale Position.

Die Kleinstadt Ludlow im westlichen England nahe Wales hat eine prominente Mitbewohnerin bekommen; dass Susan ihren Namen auf Emma geändert hat, nützt dabei nicht wirklich etwas, sie hätte schon einen Schönheitschirurgen beauftragen müssen, damit man die in allen Medien als Kindsmörderin verschriene Person nicht mehr erkennt. Der Name Emma spielt überhaupt eine unwesentliche Rolle in dem Buch – nahezu keiner, noch seltener Susan selbst, nennt sie so. Susan ist auch abgesehen davon eine sehr ambivalente Person. Eine die sich Nick, dem Journalisten, den sie keine 24 Stunden kennt, fast an den Hals wirft, und sich damit zum ersten, aber bei weitem nicht zum letzten Mal selbst widerspricht. Abgesehen davon handelt sie zeitweise irrational und macht generell nur selten einen sympathischen Eindruck – was interessanterweise fast nie der Fall ist, wenn eine Geschichte in der ersten Person erzählt wird.

Die erste Hälfte von „Die stille Kammer“ liest sich wie ein Thriller vom Reißbrett, als hätte Blackhurst strikt die Regeln eines „Wie ich einen guten Thriller schreibe“-Ratgebers befolgt, den ich selbst nie gelesen habe, ihn mir aber so vorstelle. Regel eins: Nimm den Leser irgendwie für die Geschichte ein, baue zum Beispiel Kinder ein, oder irgendwas mit Sex, oder beides (nur nicht gleichzeitig, um Himmels willen). Regel zwei: Halte den Leser irgendwie an der Stange, zum Beispiel mit Cliffhangern am Ende eines jeden Kapitels – völlig egal, ob du ihn am Anfang des nächsten Kapitels wieder relativierst.

Tatsächlich ist speziell die erste Hälfte etwas zu sehr aufgesetzt und zu sehr gewollt, denn irgendwann wird das Buch richtig gut und wesentlich ungezwungener und natürlicher. Irgendwann braucht Blackhurst keine Cliffhanger mehr, weil der Plot von sich selbst lebt. Ich gestehe ihr diese Schönheitsfehler durchaus zu, gerade weil es ihr erstes Buch ist – allzu oft darf ihr das allerdings nicht passieren, denn sonst wird ihre Stammleserschaft überschaubar. Der Showdown plus der Epilog dauert, trotz der besseren zweiten Hälfte, etwas zu lange und hält sich viel zu sehr mit erklären auf. Blackhurst hat die Geschichte zwar schön aufgebaut, dabei aber offenbar nicht bedacht, dass sie dieses komplizierte Konstrukt auch wieder auflösen muss. Die letzten 20 bis 30 Seiten ziehen sich daher ziemlich, und man weiß dann ohnehin schon länger vorher, was zum Schluss kommt.

Der Titel „Die stille Kammer“ ist übrigens, wie öfter bei deutschen Übersetzungen, nur allzu irreführend. Aber vielleicht ist es auch eine Metapher, die man nicht sofort versteht. Besser wäre es gewesen, den Originaltitel „How I lost you“ (der Originaltitel auf Amazon ist übrigens falsch, und der Alterswarnhinweis mit Sicherheit auch) direkt zu übersetzen.

Fazit: „Die stille Kammer“ ist ein ambivalenter Thriller, dessen zweite Hälfte wesentlich natürlicher ist als die erste und erst dann so richtig überzeugt. Für ein Erstlingswerk ist das Buch allerdings alles in allem okay.

Daten zum Buch

Autor: Jenny Blackhurst
Titel: Die stille Kammer
Originaltitel: How I lost you
Seiten: 448
Erscheinungsjahr: 2015
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404172191

2 Gedanken zu “[REZENSION] Jenny Blackhurst – Die stille Kammer

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