Felix Leibrock – Todesblau

3426516160-01-_sx142_sy224_sclzzzzzzz_Sascha Woltmann lässt sich von Berlin nach Weimar versetzen. Noch ist er Streifenpolizist, aber er will mehr sehen als falsch geparkte Autos oder lärmende Nachbarn – er will zu Kripo. Ein Mord an einer 83-jährigen, über den Woltmann mehr oder weniger stolpert, könnte dabei als Sprungbrett dienen, denn prompt wird er – zumindest temporär – zur Kriminalpolizei einberufen – doch er ist nicht der einzige mit Ambitionen …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Idee: 3/5
Umsetzung: 3/5
Charaktere: 5/5
Spannung: 2/5
Showdown: 2/5

Weimar ist ein geschichtsträchtiges Pflaster im Osten Deutschlands. Goethe, Schiller und nicht zuletzt die Weimarer Republik lassen uns an die Stadt denken – wo, wenn nicht dort, lässt man eine Geschichte wie die von „Todesblau“ spielen, denn Geschichten kann man zu der knapp 65.000 Einwohner-Stadt genug erzählen. Und wem das nicht genügt, der lässt sich vom Autor zu den Schauplätzen des Buches führen. Aber genug zur Stadt, das hier soll schließlich kein Bericht für den Tourismusverband werden.

Sascha Woltmannn verbrachte seine Kindheit bereits in der damals noch tief im Kommunismus steckenden DDR, bevor er in den Westen ging und dort mehrere Berufe, von Haustürvertreter bis zum Gebrauchtwagenhändler, ausübte, bis er zur Polizei ging. Jetzt ist er Streifenpolizist, will aber höher hinaus. Gut, dass er Mandy Hoppe, eine Bekannte aus seiner Kindheit, die ihn unkreativerweise oft nur „Alter“ nennt und bereits bei der Kripo ist, in Weimar wiedersieht – an Vitamin B mangelt es also nicht. Aber die trägt es ihm nach, dass er damals nach der Wende in den Westen ging, was Woltmann nicht unbedingt zum Vorteil gereicht.

Was dem Autor ausgezeichnet gelingt, ist, den Figuren Ecken und Kanten zu geben. Da gibt es den selbstverliebten Kripochef, den reimenden Bäcker, den zerstreuten Universitätsprofessor und viele mehr. Woltmann selbst ist nicht gerade der Sympathieträger schlechthin, aber Antiheld trifft es ebenfalls nicht – euphemistisch gesprochen könnte man sagen, dass er seine Karriereziele mit Nachdruck verfolgt und dabei für den Leser nicht immer ganz nachvollziehbar handelt.

Das ganze Buch wird ständig von einem leicht „ostalgischen“ Touch begleitet, der nicht nur realitätsnah ist, sondern dem Buch auch etwas Charme verleiht, wenngleich er doch etwas deutsch-typisch ist. Leider ist die Geschichte aber nur mäßig spannend, obwohl Leibrock versucht, Spannungselemente einzubauen – leider zu offensichtlich. Zwischendurch gibt es immer wieder Rückblenden ins Nazideutschland, die allerdings nur peripher mit dem Fall, den Woltmann und Co. bearbeiten, zu tun hat. Der Showdown ist kurz und – zumindest für den Leser – schmerzlos, aber auch nicht wirklich der Rede wert, weil nicht viel passiert.

Fazit: „Todesblau“ ist nichts wirklich Außergewöhnliches und kann unter der Überschrift „more of the same“ abgehandelt werden. Kein schlechter, aber auch kein überragend guter Krimi, der es meiner Meinung nach leider versäumt, aus dem typisch deutschen Krimi-Korsett (Nazis, Ost-West-Konflikt) auszubrechen.

Daten zum Buch

Autor: Felix Leibrock
Titel: Todesblau
Seiten: 352
Erscheinungsjahr: 2015
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-51616-4

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