[Rezension] Ezekiel Boone: Die Brut – Sie sind da

In Peru wird eine Wandergruppe von etwas Schwarzem angefallen, das aussieht, wie Erdöl; in Indien geht es den Menschen ähnlich, nachdem die Erde bebt; China wirft deshalb gleich eine Atombombe. Was ist es, das die Erde bedroht? Sind es Aliens, Zombies oder andere Wesen, die man sonst nur aus Computerspielen und Filmen kennt? Oder schlägt die Natur zurück und holt sich nun gnadenlos das, was ihr genommen wurde? Klar ist, die Menschen müssen schleunigst reagieren, um zu überleben …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 3/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 2/5
Spannung: 3/5

Es gibt so einiges, wovor sich der Mensch fürchtet: Jobverlust, Krieg, Krankheit, Tod; oder Tiere wie Löwen, Bären, Schlangen, Spinnen. Einer dieser Dinge behandelt „Die Brut“ von Ezekiel Boone – und es sind nicht Bären.

Ezekiel Boone ist ein Pseudonym, von wem, weiß man nicht, allzu bekannt dürfte er aber nicht sein, denn selbst, wenn man sein Foto, das man auf seiner Webseite findet, googelt, erfährt man nichts. Sein Debütroman im deutschsprachigen Raum – in den USA gibt es bereits den Nachfolger der „Brut“, der bei uns voraussichtlich im August erscheint – ist allerdings das ekelhafteste, das ist seit langem gelesen habe. Es geht nämlich tatsächlich um Spinnen, und mit diesem Thema schlägt Boone eine ähnliche Richtung wie Linwood Barclay in seinen ersten Büchern ein – nämlich menschliche Alltagsängste. Nur, dass ich mir bei Boone schwer tue, dieses Buch im Thriller-Genre zu verorten, denn es sind nicht nur Spinnen, sondern Horden von Spinnen, die einfach alles fressen, was ihnen in die Quere kommt. Das würde eher ins Dystopie- oder Apokalypse-Genre passen – so wie die Geschichte allerdings erzählt wird, passt es am besten in die Horror-Schublade. Auf Bones Website werden beide Teile als „An apocalyptic extravaganza“ beschrieben, was meine These zumindest nicht ausschließt, vielleicht sogar bestätigt. Um sicher zu gehen habe ich Boone kurzerhand via Facebook gefragt, welchem Genre er selbst „Die Brut“ zuordnen würde und bekam folgende mehr oder weniger erhellende Antwort:

„I think of the series as thrillers, but many people have labeled them horror novels. It wasn’t until the I sold the book and was talking with editors that I even considered them horror. I thought of the novels to be more like big thrillers like Stephen King’s THE STAND or Michael Crichton’s JURASSIC PARK, or even the movie INDEPENDENCE DAY. I don’t think there is a wrong answer, however.“

Vor allem in den ersten hundert Seiten wird es dem Leser nicht leicht gemacht, denn mit jedem Kapitel eröffnet sich ein neuer Erzählstrang auf einem neuen Standort; man weiß nicht, was wichtig ist und was nicht, welche Charaktere wichtig sind und welche nicht. Manchmal vergehen hundert Seiten, bis man wieder zu einem Strang zurückkehrt und man kann sich nur noch vage an die Charaktere erinnern. Aber gerade bei den Charakteren selbst macht es uns Boone leicht – sie sind nämlich alle gleich oder ähnlich, zumindest von ihren Charakterzügen, was vielleicht einfach zu lesen ist, weil man sich nicht alle paar Seiten umstellen muss, aber wenig für Boones Kreativität bei der Charakterzeichnung spricht. Wir haben zum Beispiel Melanie Guyer – die sich irgendwann als Hauptcharakter herauskristallisiert –, die Spinnenforscherin ist; wir haben Mike Rich, der Cop in Minnesota ist; wir haben Manny, der Stabschef im Weißen Haus ist; wir haben Gordo, der Survivalist in Desperation, Kalifornien ist; wir haben Kim, die Lance Corporal bei den Marines ist; und das waren bei weitem nicht alle, aber bei allen wird zumindest suggeriert, dass sie wichtig sein könnten – das trifft aber zumindest beim ersten von mindestens zwei Teilen der „Brut“-Reihe nicht zu, denn hier sind es nicht einmal eine Handvoll Charaktere und Stränge, die Relevanz für die Geschichte haben. Alle anderen wirken ohne dem Wissen, dass bald ein zweiter Teil kommt, wie Füllmaterial, um die Story aufzupeppen.

Die Sprache ist einfach gehalten und die Geschichte ist in einem flotten und packenden Stil geschrieben; Kraftausdrücke sind weit gesät, alleine das Wort „Fuck“ kommt geschätzte 50-mal im Buch vor und wird von so gut jedem Charakter mindestens einmal benutzt. Ein Subthema ist Sex, ohne, dass der Sex wirklich stattfindet, aber fast jeder Charakter denkt darüber nach, mit wem er schläft oder gerne würde. Abgesehen davon bietet „Die Brut“ aber Stoff für eine ganze Serie von Albträumen, da die Szenen mit den Spinnen-Angriffen sehr authentisch beschrieben sind und das Kopfkino dabei auf Hochtouren läuft. Mich würde es nicht wundern, wenn der ein oder andere  Leser diese Szenen überspringt, weil das Abendessen in seinem Magen einen anderen Weg als den üblichen nimmt. Showdown gibt es im ersten Teilen von „Die Brut“ keinen, weshalb die Wertung dafür wegfällt.

Fazit: Ich bin mir nicht sicher, ob sich Ezekiel Boone mit der Thematik in „Die Brut“ bei seinem Debüt einen Gefallen bereitet, denn in Teilen ist das Buch wirklich abschreckend und ich kann mir vorstellen, dass es einige Leute deshalb abbrechen. Andererseits setzt Boone damit eine Duftmarke und man kann sich vorstellen, was in seinen nächsten Büchern (abgesehen von der „Brut“-Reihe) noch kommen könnte. Jedenfalls ist „Die Brut“ nichts für schwache Nerven.

Danke an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar.


Daten zum Buch:

Autor: Ezekiel Boone
Titel: Die Brut – Sie sind da
Originaltitel: The Hatching
Seiten: 400
Erscheinungsjahr: 2017
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3596035533

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