[Rezension] Richard Laymon: Die Tür

Mark ist 16 Jahre alt und steht auf Alison. Als Alison auf dem Gang der Schule, auf die beide gehen, von einem Rollstuhlfahrer über den Haufen gefahren wird, hilft ihr Mark ihre Bücher vom Boden aufzusammeln – das sollte sich lohnen. Denn als Mark sie später anruft, um sich nach ihrem verletzten Knie zu erkundigen, bietet Alison sich ihm an; er hatte also ein Date mit dem schönsten Mädchen der Schule. Aber der Preis dafür ist hoch, denn er muss mit ihr eine Nacht im sagenumwobenen Horrorhaus verbringen – dort, wo früher Bestien ein Blutbad angerichtet haben …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 5/5
Charaktere: 3/5
Spannung: 3/5
Showdown: 5/5

„Der Keller“ ist wohl Richard Laymons größtes Werk gewesen, eine Trilogie rund um ein Horrorhaus, in dem mehrere Bestien wüteten. Die Bestien, so sagt man sich, sind heute tot, aber der Mythos um sie lebt weiter; es gibt Bücher über sie, Filme und Führungen durch das Horrorhaus, der einen Tunnel beherbergt, der ins Kutch-Haus führt – dem Haus, in dem sie mit einer Frau gelebt haben sollen, die ihnen mehr als gut gesonnen war. „Die Tür“ ist der Nachfolger der Trilogie und jetzt erstmals auf Deutsch erschienen.

Mark ist 16 und Musterschüler, Alison drängt ihn gewissermaßen zu einem Date; sie dürfte die Bitch der Schule sein, so kommt sie zumindest rüber – hübsch, selbstbewusst und ein bisschen krank. Wer Laymons Bücher kennt, weiß, dass es zwischen Männern und Frauen recht schnell geht – so auch hier, denn innerhalb von fünf Seiten hat Mark das lang ersehnte Date mit Alison in der Tasche. Er muss sie „nur“ am nächsten Tag um Mitternacht vor dem Horrorhaus erwarten; passiert das nicht, gibt es kein Date.

Man muss die Keller-Trilogie nicht gelesen haben, um sich in „Die Tür“ zurechtzufinden. Jack Ketchum, selber Horror-Autor,  führt einem im Vorwort ausreichend in die Vorgeschichte ein, und auch in der Geschichte wird öfter zurückgeblickt – und wem das nicht genügt, der hat hinten noch eine Leseprobe des Kellers. Allerdings empfehle ich es trotzdem, die Trilogie zu lesen, weil sie ein irres Leseerlebnis ist – aber selbst bei mir ist es Jahre her, dass ich den „Keller“ gelesen habe, so dass ich mich auch nur mehr schemenhaft erinnern kann.„Die Tür“ selbst hat man schnell durch, denn mit 128 Seiten (inklusive Vorwort) ist es eher eine ausführlichere Kurzgeschichte, denn es passiert auch nicht wesentlich mehr als oben beschrieben steht; und wenn man dann noch Laymons unnachahmlich schnellen Schreibstil mit den knackigen Dialogen bedenkt, ist man innerhalb weniger Stunden durch – ob man dafür zehn Euro verlangen muss, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Nicht fehlen dürfen natürlich bei Laymon auch die Sexszenen, für die er bekannt war und die ihn auszeichneten. Auch wenn sie noch so krank erscheinen mögen, hier erkennt man Laymons wahren Genie, denn diese durchaus detailliert beschriebenen Szenen waren und sind auch heute noch das Alleinstellungsmerkmal vom leider viel zu früh verstorbenen Künstler – und als Kunst kann man es durchaus bezeichnen, was Laymon da geschaffen hat. Auch wenn seine Romane plump und billig erscheinen mögen, und es noch so leicht erscheinen mag, so etwas zu Papier zu bringen, ist es schwerer als man denkt. Ich bin wirklich froh, dass der deutsche Markt – spät aber doch – erkannt hat, dass Richard Laymon auch hierzulande seinen Absatz findet.

Nach der eigentlichen Geschichte findet man noch eine exklusive Geschichte, die angesprochene „Keller“-Leseprobe und Laymons Bibliographie. Bereits im September erscheint der nächste Laymon auf Deutsch.

Tl,dr: „Die Tür“ ist der Nachfolger der „Keller“-Trilogie und ebenso rasant geschrieben, wie Richard Laymons restliche Bücher; gespickt mit Sexszenen, die man in diesem Umfeld nicht mögen muss, aber Laymons Bücher eben einzigartig machen.

Danke an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar.


Daten zum Buch

Autor: Richard Laymon
Originaltitel: Friday Night in Beast House
Titel: Die Tür
Seiten: 256
Erscheinungsjahr: 2017
Verlag: Heyne
ISBN: 3453676734

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