[Rezension] Nikolas Stoltz: DREAM ON – Tödliche Träume

Nick Quentin hat nicht gerade den beeindruckendsten Lebenslauf. Er war von Psychologie-Student bis Taxifahrer schon nahezu alles; dennoch bekommt er eine Stelle als Traumdesigner beim Milliardenunternehmen DREAM ON. DREAM ON bietet eine Erfahrung der besonderen Art an, man kann nämlich träumen – aber nicht einfach nur träumen, man kann die Träume beeinflussen und bekommt alles hautnah mit. So hautnah, dass man im Traum sterben kann. Wie Nicks Freund Jack, der nur wenige Tage nachdem Nick seine Stelle antritt, tot aufgefunden wird. Das FBI ermittelt den Fall und hat schnell einen Hauptverdächtigen – nämlich Nick …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 45
Charaktere: 3/5
Spannung: 4/5
Showdown: 4/5

Träume sind Schäume. Sobald wir aufwachen, zerplatzen sie wie eine Seifenblase und haben keine Konsequenzen. Was aber, wenn wer eine Technologie entwickelt, um in unser Gehirn und damit ins Unterbewusstsein zu kommen – dann sind Träume genau so wenig Schäume wie unsere Gedanken. Dann wird alles manifest, nicht nur für uns, sondern auch für den Markt, der uns dann noch stärker beeinflussen kann als er es ohnehin schon tut. Natürlich müssen wir so etwas nicht verwenden, denn wir haben immer noch einen freien Willen; aber Facebook muss man auch nicht verwenden und trotzdem tun es die meisten von uns. Nikolas Stoltz startet mit DREAM ON ein Gedankenexperiment, das offenbart, wie leichtfertig der Mensch manchmal mit seinen Daten umgeht.

DREAM ON hat seinen Sitz mitten in der Mojavewüste bei Las Vegas. Es ist ein Milliardenunternehmen, das in unmittelbarer Zukunft die Welt revolutionieren will, indem sie den Menschen Träume real erscheinen lassen will. Dazu benötigt man lediglich einen Communicator und einen speziellen Spray. Der Comunicator ist einer Virtual-Reality-Brille ähnlich, den man sich über den Kopf zieht – Augen und Ohren werden verschlossen, so dass man nichts mehr von der Außenwelt mitbekommt und nur mehr den Traum erlebt. Der Spray versetzt einen in eine Art Hypnosezustand und produziert verstärkt Träume. Das klingt alles ziemlich komplex und ist es auch. Nick Quentin ist bei DREAM ON, um als Traumdesigner zu arbeiten und die Traumwelt, also jene Welt, in die man mit dem Communicator eintaucht, zu gestalten. Was genau er dabei macht, bekommt man als Leser nicht mit, auch erfährt man nicht das genaue Alter von Nick, aber er ist noch relativ jung. Generell ist mir Nick die ganze Zeit über ziemlich fremd gewesen, denn man erfährt nur Bruchstücke seiner Vergangenheit.

Wesentlich mehr konnte ich mit Lena Delago, der FBI-Agentin, die später in die Geschichte einsteigt, anfangen. Man erfährt ihr Alter, man bekommt etwas von ihrer (jüngeren) Vergangenheit mit und man spürt fast, wie sie tickt, denn sie hat im Gegensatz zu Nick eine klare Agenda und weiß, was sie will. Man merkt generell sehr schnell, dass die Geschichte im Vordergrund steht und die Charaktere mehr oder weniger nur Mittel zum Zweck sind, denn über die anderen Charaktere erfährt man noch weniger als über Nick. Lena Delago stellt bei der Charakterzeichnung eine absolute Ausnahme dar. Die Geschichte hingegen ist rasant und es passiert sehr viel – zu viel für meinen Geschmack. Kaum passiert etwas, passiert im nächsten Kapitel noch etwas Größeres, das im nächsten Kapitel von etwas noch Größerem getoppt wird; es wirkt wie eine Schlacht der Superlative. Zwischendurch hätte der Geschichte etwas Entschleunigung gut getan, damit man die Eindrücke, die man von der ohnehin recht abstrakten Traumwelt bekommt, verarbeiten kann. Wobei es auch eine normale Welt gibt und sich die zwei Welten prima ergänzen, die Aufteilung der zwei Welten ist etwa Fifty-fifty, also fünfzig Prozent der Geschichte spielen in der realen Welt, wie wir sie kennen und fünfzig in der Traumwelt. In der realen Welt passiert aber eben auch sehr viel. Mir ist es dadurch öfter passiert, dass ich manche Ereignisse, die später nochmal zur Sprache kamen, gar nicht mehr wusste und mir gedacht habe „Was? Wann ist das passiert?“

Insgesamt ist die Geschichte aber alles andere als schlecht; sie ist spannend, gut durchdacht, hat Hand und Fuß und weiß von Anfang an, wo sie hinwill. Wenn ich sie mit anderen vergleichen müsste, dann am ehesten mit „ZERO“ von Marc Elsberg, wobei ich in manchen Sequenzen auch etwas von Dan Browns „Inferno“ und der Serie „Black Mirror“ entdeckt habe. Ob das der Wahrheit entspricht, weiß natürlich nur der Autor.

Tl;dr: „DREAM ON“ ist ein gut durchdachter Thriller, der von Anfang an weiß, wo er hinwill, der aber für meine Begriffe etwas zu überladen ist und in dem mir zu viel passiert – etwas Entschleunigung hätte der Geschichte durchaus gut getan. Insgesamt ist es aber ein guter Auftakt zu einer Serie.

Danke an Nikolas Stoltz und den FeuerWerke Verlag für das Rezensionsexemplar.


Daten zum Buch

Autor: Nikolas Stoltz
Titel: DREAM ON – Tödliche Träume
Seiten: 380
Erscheinungsjahr: 2017
Verlag: FeuerWerke Verlag
ISBN: 3651025578

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