[Rezension] Val McDermid: Der Sinn des Todes

Als vier Rowdys nach einem Fußballspiel feiern und ein Auto stehlen, passiert ein folgenschwerer Unfall. Drei der vier sterben, einer liegt im Koma. Als das Blut des Überlebenden einer routinemäßigen DNA-Analyse unterzogen wird, schlägt der Computer Alarm, denn die DNA führt zu einem nicht aufgeklärten Mord vor 20 Jahren. Damals war der verunfallte Komapatient noch nicht am Leben, was bedeutet, dass ein naher Verwandter den Mord verübt haben muss. DCI Karen Pirie arbeitet bei der Historic Cases Unit, die Abteilung der schottischen Polizei, die sich mit Altfällen befasst. Sie dachte, dass der Fall schnell geklärt sein wird, doch diesen aufzuklären erweist sich als äußerst kompliziert …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 3/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 3/5

Eigentlich wollte ich es mir abgewöhnen, Bücher nur wegen des Covers oder des Titels zu ordern, weil ich davon schon viel zu oft enttäuscht wurde. Aber der Titel „Der Sinn des Todes“ hatte etwas, das mich ansprach – und das Cover sieht obendrein atemberaubend gut aus. Die Marketingabteilung des Verlags hatte also wieder herausragende Arbeit geleistet, um das aktuelle Buch von Val McDermid – eine mir, trotz über 30 publizierter Bücher, davor völlig unbekannte Autorin – zu bewerben. Und es klappte, denn der Inhalt riss mich anfangs so gar nicht vom Hocker. Es sei noch dazugesagt, dass dies der vierte Teil der Karen-Pirie-Reihe ist; es ist aber völlig unerheblich, ob man die drei davor gelesen hat.

Karen Pirie ist Detective Chief Inspector in der Historic Cases Unit der Schottland Polizei. Sie bearbeitet, ähnlich ihrem dänischen Kollegen Carl Mørck aus der Reihe von Jussi Adler-Olsen, Fälle, die nie aufgeklärt wurden, aber durch neue Erkenntnisse wieder tagesaktuell werden. Karen Pirie ist ein ziemlich tougher Charakter, der sich vor allem von ihrem Chef nicht unterkriegen lässt und ihm stets in eindrucksvoller Manier Paroli bietet. Seit dem Tod ihres Lebensgefährten und Kollegen Phil leidet sie an Schlafstörungen, weshalb sie gerne mitten in der Nacht spazieren geht bis sie müde wird und ins Bett fällt. Durch den Tod von Phil ist nur noch Jason in der Historic Cases Unit übrig, mit dem Karen die Fälle bearbeitet. Jason ist zwar nicht die hellste Kerze auf der Torte, aber dafür sehr liebenswürdig. Er ist Anfang 20 und damit weit über zehn Jahre jünger als Karen – und er ist verdammt unsicher, was sein Auftreten betrifft.

Wie oben geschrieben, hat mich „Der Sinn des Todes“ anfangs nicht vom Hocker gerissen, weil der Aufbau der Geschichte ziemlich träge ist und der Erzählstil ähnlich langsam – für Leute, die auf rasante Pageturner stehen, ist das hier vermutlich das Falsche. Für Leute, die auf Tiefgang stehen, ist „Der Sinn des Todes“ dafür umso mehr etwas, denn Karens Stimmung, die immer noch vom Tod ihres Lebensgefährten geprägt ist, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und verleiht ihr eine düstere, ja fast schwermütige Atmosphäre, die etwas hat, was den Leser mitnimmt. Ich muss sagen, dass ich innerhalb der ersten hundert Seiten auch an einen Abbruch des Buches gedacht habe, weil ich ebenfalls lieber rasantere Bücher lese. Aber dann habe ich mir gesagt „Du kennst diese Autorin nicht, lass dich darauf ein“ – und danach wurde es tatsächlich besser, spannender und vielschichtiger; und ich bereute nicht, weitergelesen zu haben, denn später untersucht Pirie nicht nur einen Fall, sondern gleich drei; und handelt bei zwei von dreien oft nicht ganz legal, sondern eher mit dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“ – was auch den Originaltitel „Out of Bounds“ erklärt.

Außerdem wird McDermid auch politisch und damit sogar tagesaktuell, denn sie behandelt die Flüchtlingskrise und das Asylthema ziemlich realitätsnah mit praktischen Beispielen, was mir in diesem Kontext außerordentlich gut gefallen hat. Gerade bei diesen Szenen hatte ich oft Gänsehaut, weil sie sehr rührend und menschlich erzählt werden – eine Menschlichkeit, die man in der Realität im Alltag oft vermisst.

„Der Sinn des Todes“ ist sicher nicht mein Buchhighlight des Jahres, weil es vom Plot her einfach nur more of the same ist, aber der Erzählstil, diese ruhige Erzählweise hat etwas außergewöhnliches.. Etwas, das auch zum Nachdenken anregt. Übers Leben, über Nächstenliebe und über ein gutes Miteinander. Und letzten Endes bin ich wirklich heilfroh, es (zu Ende) gelesen zu haben.

Bewertung für den Showdown entfällt mangels Showdown.

Tl;dr: „Der Sinn des Todes“ ist ein Krimi, dessen Handlung sich langsam aufbaut und ein gemächliches Tempo hat, gleichzeitig aber nie langweilig wird und wichtige gesellschaftliche und politische Themen anspricht. Ein Buch mit dem gewissen Etwas.

Danke an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar.


Daten zum Buch

Autor: Val McDermid
Titel: Der Sinn des Todes
Originaltitel: Out of Bounds
Seiten: 496
Erscheinungsjahr: 2017
Verlag: Droemer HC
ISBN: 3426281821

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