[Rezension] Sebastian Fitzek: Flugangst 7a

Nele ist hochschwanger und wartet auf ihren Termin zum Kaiserschnitt, denn eine normale Geburt kommt nicht infrage, weil sie sonst ihr Baby mit Aids anstecken würde – den Vater des Kindes hat sie irgendwann hinausgeworfen, seitdem stalkt er sie. Neles Vater hingegen, der vor vier Jahren nach Buenos Aires ausgewandert ist und jetzt auf dem Weg nach Berlin ist, hat sie bereits einige Jahre davor im Stich gelassen – doch jetzt zur Geburt macht er sich auf zu ihr. Mats muss trotz seiner Flugangst in ein Flugzeug steigen, weil eine Schiffsreise zu lange dauern würde – seine Flugangst löst sich allerdings schnell in Luft auf, denn er muss das Flugzeug zum Absturz bringen. Andererseits stirbt seine Tochter …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 3/5
Atmosphäre: 5/5
Charaktere: 2/5
Spannung: 5/5
Showdown: 3/5

Was ist schlimmer als Flugangst? Eine Flugzeugentführung. Aber wenn man diese auch noch selbst initieren muss und dafür einen ehemaligen Patienten wieder „umdrehen“, also zum Ursprung seines Traumas bringen muss, ist der Gipfel der Grausamkeit erreicht, oder? Mitnichten, denn wenn man das nicht macht, wird die schwangere Tochter getötet. Damit ist das Dilemma perfekt. Mats widerfährt genau das. Mats ist Psychiater mit Flugangst. Er hat nicht nur einen, sondern gleich vier Sitze gebucht, weil er vor seinem Flug akribisch zum Thema Flugrisiken recherchiert hat und genau weiß, welcher Sitz in einem Flugzeug zu welcher Flugphase am sichersten ist. Mit ihm an Bord ist seine ehemalige Patientin Kaja, die einst ein traumatisches Erlebnis hatte und kurz vor dem Suizid stand; heute ist sie Purserin, also die ranghöchste Flugbegleiterin. Sie war einer von Mats‘ größten Erfolgen, denn er hat sie erfolgreich geheilt – was er jetzt wieder rückgängig machen soll. Wie es der Zufall will ist sie mit an Bord des Fluges.

Mit der Idee zu „Flugangst 7a“ hat sich Fitzek wiedermal selbst übertroffen, denn dieses Gedankenspiel, das Fitzek zu Papier gebracht hat und über fünf Ecken geht, ist brillant. Es hat mich sehr stark an Cody McFadyens „Todeskünstler“ erinnert, welches mindestens genau so sadistisch ist, nur dass Fitzek es wesentlich perfider anlegt – und ja, „Flugangst 7a“ ist für meine Begriffe noch härter als „AchtNacht“ und „Die Blutschule“, was für einige Fitzek-Fans ein Problem sein könnte. Ich hingegen finde die Entwicklung, die Fitzek genommen hat, enorm, und spätestens seit „AchtNacht“ kann ich mich sehr für Fitzek begeistern.

Die Fakten, die man im Buch findet, sollen übrigens alle wahr sein. Anfangs jene zu den Flugrisiken, die Flugangst de facto lächerlich machen und später jene Fakten zur Rinderhaltung, die mich kurz mal schlucken ließen, weil sie ziemlich heftig sind.

Trotzdem ist nicht alles an „Flugangst 7a“ gut, auch wenn die Geschichte durch und durch unterhaltsam ist. Denn leider lassen die Charaktere jegliche Tiefe vermissen. Bei Nele weiß man zwar, dass sie sehr jung ist, Aids hat, ihrem Vater einiges vorwirft und von ihrem Ex gestalkt wird – das war es dann aber auch schon. Und bei den restlichen Charakteren ist es nicht viel besser. Dazu kommt, dass die Auflösung am Ende eine geradezu wissenschaftliche Komplexität an den Tag legt, so dass ich sie nicht zweifelsfrei wiedergeben könnte; abgesehen davon, dass mir in der Geschichte viel zu viele Zufälle passieren und am Ende nicht erklärt wird, wie sich Dieses und Jenes in die Geschichte fügt. Nachträgliche Anmerkung: Das Ende bezieht sich auf den Prolog. Also vielleicht nach dem Ende den Prolog nochmal lesen. Ich bin dem damals nicht nachgekommen, weil ich ohnehin kein Freund von Prologen bin. Mir wurde das danach per Facebook gesagt.

Tl;dr: „Flugangst 7a“ ist ein durch und durch unterhaltsamer Psychothriller, der vermutlich eines von Sebastian Fitzeks härtesten Büchern ist; mit einer brillanten Idee, aber einigen Defiziten bei den Charakteren, der Auflösung und der Plausibilität.

Danke an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar.


Daten zum Buch

Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Flugangst 7a
Seiten: 400
Erscheinungsjahr: 2017
Verlag: Droemer HC
ISBN: 3426199211

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