[Q&A] Interview mit Beate Maxian

Beate Maxian wurde in München geboren und verbrachte abwechselnd in Bayern und im arabischen Raum ihre Kindheit – bis es sie in den 1990ern nach Österreich zog. Sie ist gelernte Journalistin und Moderatorin – heute verdient sie ihre Brötchen mit der Schriftstellerei. Seit 2005 schreibt sie Kriminalromane, seit 2011 existiert die Sarah-Pauli-Reihe und 2017 hat sie sich erstmals in ein anderes Genre gewagt. Jetzt hat sie sich aufs Krimisofa gesetzt und über ihre Bücher, ihr Leben und Aberglaube geplaudert. 

Krimisofa: Hallo, Frau Maxian. Zum Einstieg: Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Beate Maxian: Claudia Rossbacher „Steirerquell“ und Mary Higgins Clark „Einsam bist du und allein“ (manchmal lese ich parallel)

Krimisofa: Wer hat Sie bei Ihren Büchern am meisten inspiriert?

Beate Maxian: Joy Fielding, Minette Walters … denn mich interessieren in einem Krimi der psychologische Hintergrund und die Figuren, mehr als die Lösung eines Falls.

Krimisofa: Sie schreiben seit 2005 Kriminalromane, seit 2011 existiert mit der Sarah-Pauli-Reihe ihre bisher erfolgreichste Krimiserie. 2017 kam dann mit „Die Frau im hellblauen Kleid“ ein Roman abseits des Krimi-Genres heraus – entstand dieser außerhalb ihrer Komfortzone oder war es eine Herzensangelegenheit?

Beate Maxian: Die Frau im hellblauen Kleid war tatsächlich eine Herzensangelegenheit. Aber so wie ich Bücher aller Genres lese, so schreibe ich auch genreübergreifend. Ich will als Autorin nicht in eine Schublade geschoben werden. Ich überlege mir bei jeder Geschichte, welche „Bühne“ sie braucht, und so wie ich mir das ausdenke, so erzähle ich die Geschichte dann auch. Manchmal kriminell, manchmal mit viel Herz, dramatisch oder humorvoll. Einfach bunt, wie das wirkliche Leben.

Krimisofa: Sie schreiben bis heute Kurzgeschichten, die in Sammelbänden erscheinen – entstehen daraus manchmal auch vollwertige Krimis? Ich denke etwa an „A Fremde unterm Steffl“, was vom Titel her sehr nah an „Die Tote unterm Stephansdom“ liegt.

Beate Maxian: Ich plotte zwar jede Kurzgeschichte so, dass sie der Beginn eines Krimis sein könnte. Doch bis jetzt ist noch aus keiner Kurzgeschichte ein Roman entstanden. Wobei es einen ganz bestimmten Kurzkrimi gibt, aus dem ich unbedingt einmal einen Thriller konzipieren möchte.

Krimisofa: Sie haben in den letzten acht Monaten gleich drei Bücher veröffentlicht – warum diese hohe Frequenz? Sonst war man gewohnt, dass einmal im Jahr ein Buch von Ihnen erscheint.

Beate Maxian: Das hat sich zufällig ergeben, weil es von der Idee zu „Die Frau im hellblauen Kleid“ bis zur Veröffentlichung sechs Jahre dauerte, und die Wien-Krimis mit Sarah Pauli so konzipiert sind, dass jedes Jahr ein Buch erscheint. D.h. wenn eine Geschichte mit Sarah Pauli zu Ende erzählt ist und ich das Manuskript meinem Verlag schicke, mache ich mir bereits Gedanken über den nächsten Fall. Zwischen Abgabe des Manuskripts und der Veröffentlichung liegen ja einige Monate, da schreibe ich zumeist schon am nächsten Buch. Ich mach mir auch keine Gedanken über die Frequenz, ich schreibe eine Geschichte, wenn die Idee in meinem Kopf ist bzw. wenn die Idee entsteht, schreibe ich sie in Kurzform nieder und beginne zu plotten. Die Veröffentlichungstermine meiner Bücher legen meine Verlage fest.

Krimisofa: Aberglaube und damit verbundene Bräuche und Symbolik sind so etwas wie der Unique Selling Point der Sarah-Pauli-Reihe – warum haben Sie in „Die Prater-Morde“ auf diese Häppchen unnützes Wissen verzichtet?

Beate Maxian: Sarah hat in „Die Prater-Morde“ in das Chronik-Ressort gewechselt, kümmert sich seitdem neben ihrer Kolumne auch um gesellschaftliche Themen. Ich wollte sie in der Abteilung erst einmal ankommen lassen. Zudem war es mir wichtig, die vielen Facetten des Praters zu zeigen, also so, wie er wirklich ist (Drogen, Obdachlosigkeit, Prostitution, Vergnügungspark, Naturschutzgebiet …). Deshalb habe ich ausnahmsweise darauf verzichtet.

Krimisofa: Sind Sie selber abergläubisch?

Beate Maxian: Ein bisschen und ich behaupte, wir sind alle ein bisschen abergläubisch. Wer hat nicht schon einmal auf Holz geklopft oder jemandem toi toi toi gewünscht oder die Daumen gedrückt? Alles alltäglichen Handlungen, deren Wurzeln im Aberglaube zu finden sind. Auch, beim Gähnen die Hand vor den Mund zu halten. Heute ein Zeichen guten Benehmens, war es ursprünglich ein Schutz vor dem Teufel, der durch den weit geöffneten Mund in den Körper eindringen konnte. Ich habe mich jahrlange aus reinem Interesse und Spaß mit dem Thema Aberglaube/Symbolik beschäftigt und mein Wissen an Sarah Pauli weitergegeben.

Krimisofa: Sarah Pauli ist mit Mitte 30 ja eher ein Digital Native, aber sie verwendet weder Whatsapp, noch Facebook, und sie rennt immer noch mit Block und Stift statt einem Tablet o.ä. herum – wieso?

Beate Maxian: Vielleicht deshalb, weil ihre Erfinderin Block und Stift charmanter findet, als ein Tablet. 😊 Facebook und WhatsApp waren für sie bisher nicht wichtig. Ich habe Facebook & Co in Sarahs Welt bisher lediglich als Zeiträuber verstanden, die für den Verlauf einer Handlung nicht notwendig waren. Aber in „Tod in der Kaisergruft“ ändert sich das ja bereits ein wenig.

Krimisofa: Mit welcher realen (Tages)Zeitung würden Sie den Wiener Boten, bei dem Sarah Pauli arbeitet, am ehesten verglichen?

Beate Maxian: Ich habe keine bestimmte im Kopf, es ist eher ein Mix aus mehreren österreichischen Tagezeitungen mit Qualität.

Krimisofa: Sie bringen den Amoklauf in „Tod in der Kaisergruft“ öfter mit Killerspielen in Zusammenhang, und tatsächlich ist diese Diskussion wenige Wochen nach Erscheinen ihres Buches in den deutschen Medien wieder kurz aufgeflammt – warum diese Gedankenspiele in Ihrem Buch?

Beate Maxian: Weil diese Diskussion generell regelmäßig aufflammt und ich mich ebenfalls damit beschäftigt habe. Generell setzte ich mich immer sehr intensiv mit den Themen auseinander, welche ich in meinen Büchern behandle und beobachte in welchem Zusammenhang diese in den Zeitungen auftauchen. Immerhin ist Sarah Journalistin. Ich habe selbst jahrelang als Journalistin gearbeitet, daher ist es mir in meinen Büchern wichtig, diesbezüglich nahe an der Realität zu sein. Was passiert? Wie und worüber berichten die Medien? Und welche Zeitung/Sender berichtet auf welche Art (Blickwinkel, politisch motiviert …) und in welchem Umfang über welche Themen?

Krimisofa: In Ihrem aktuellen Buch wird relativ detailliert beschrieben, wie man sich eine illegale Waffe besorgen kann – wie haben Sie diesbezüglich recherchiert?

Beate Maxian: Ich habe ein anonymisiertes Interview mit einem Waffenhändler gelesen und mich danach detailliert bei einem Ermittler erkundigt und dieses dann miteinander verknüpft.

Krimisofa: Im Dezember erscheint Ihr zweiter Roman im Heyne Verlag – um was wird es darin gehen?

Beate Maxian: Eine kurze Zeit wird das wohl noch ein kleines Geheimnis bleiben. Aber so viel kann ich schon verraten. Der Titel des Romans lautet: Das Geheimnis der letzten Schäferin. Es dreht sich viel um gutes Essen, eine erfolgreiche junge Frau, deren Großmutter die letzte Schäferin der Familie war und natürlich ein Familiengeheimnis, das vor langer Zeit mit ins Grab genommen wurde und auf das meine Hauptfigur dennoch stößt. Der Roman spielt in Österreich (Salzburg, Wien) und Deutschland (München, fiktives Dorf im Landkreis Eichstätt), ist natürlich fiktiv. Doch inspiriert zu der Geschichte hat mich mein eigener Großvater, der ebenfalls der letzte Schäfer in meiner Familie mütterlicherseits war.  

Zum Schluss noch ein kleiner Wordrap:

Twitter oder Instagram?

Instagram

Wenn Sie ein Buch lesen: gedruckt oder auf dem eReader?

Das gedruckte Buch!

Lieber Bücher schreiben oder lesen?

Beides gleich gerne!

Wenn Sie eine Woche in einer Wiener Sehenswürdigkeit verbringen müssten/dürften, welche würden Sie wählen?

Das Schloss Belvedere

Mops Sissi oder Halbangora Marie?

Halbangora Marie (privat bin ich eine Katzen- und Hundefreundin, aber eher große Hunde)

Vielen Dank für das Interview 


Bibliographi Beate Maxian

Roman
„Die Frau im hellblauen Kleid“, Heyne Verlag, München 2017 

Wien-Krimi mit Sarah Pauli 
Tödliches Rendezvous“, Goldmann Verlag, München 2011
„Die Tote vom Naschmarkt“, Goldmann Verlag, München 2012
„Tod hinter dem Stephansdom“, Goldmann Verlag, München 2013
„Der Tote vom Zentralfriedhof“, Goldmann Verlag, München 2014
„Tod in der Hofburg“, Goldmann Verlag, München 2015 
„Mord in Schönbrunn“, Goldmann Verlag, München 2016 
„Die Prater-Morde“, Goldmann Verlag, München 2017

Thriller 
Tödliche SMS“, Kriminalroman, Wien-live Edition, Echomedia Verlag, Wien 2007

Atterseekrimis mit Sandra Anders
Tote lächeln“, Der Atterseekrimi, Resistenz Verlag, Linz-Wien 2005
Tote morden nicht“, Der Atterseekrimi 2, Resistenz Verlag, Linz-Wien 2006
Tod mit Seeblick“, Prolibris Verlag, Kassel 2008
Tod dem Knecht“, Prolibris Verlag, Kassel 2010

Krimi-Anthologien
Drei Zeichen“ in „Gefährliche Nachbarn“, Hrsg. Paul Ott, Gmeiner Verlag, 2009
Liachtbratlmontag“ in „Tatort Salzkammergut“, Hrsg. v. Angela Eßer/ Beate Maxian, KBV Verlag, 2009
„Beim Wein und meiner Seele!“ (Grinzinger Kellerdialog), Hrsg. v. Sabina Naber, Wien-Live Edition, 2010
„Opfersuche“ in „Mörderischer Chiemgau“, Hrsg. v. Günther Butkus, Pendragon Verlag Bielefeld, 2011
„Der verhinderte Gourmet“ in „Mords-Zillertal“, Hrsg: Jeff Maxian, Erich Weidinger, Gmeiner, 2012
„Tödliche Idylle“ in „Tatort Garten“, Hsgb. Thomas Kastura, Ars Vivendi, 2012
„Das Tödliche lebt“ in „Mordsappetit“, Hrsg. Angela Eßer, Ars Vivendi, 2012 
„Stadionmeldodie“ in „Tatort Prater“, Hrsg. Edith Kneifl, Falter Verlag, 2012
„Weihnachtsbeichte“ in „Mords-Bescherung“, Hrsg. Jeff Maxian/Erich Weidinger, Emons Verlag 2012
„Dirndlkrieg“ in „Mord in Oberösterreich“, Hrsg. Günter Linecker, Oberösterreich Verlag, 2013
„Bermudadreieck“ in „Nicht nur der Hund begraben“, Hrsg. Angela Eßer, Ars Vivendi 2014 
„Todessprung“ in „Mords-Wasserkraft“, Hrsg. Jeff Maxian/Erich Weidinger, Gmeiner, 2014
„Liebe(s)kunst in Herdecke“ in Sexy.Hölle.Herdecke Mord am Hellweg VII, Hrsg. R. Jahn/H. Knorr, Grafit, 2014
„Der kleine Souvenierladen“ in Sissis Seitensprünge & Ischler Rosen, Hrsg. E. Weidinger/J. Maxian, Gmeiner 2015
„Mörderjagd“ in Wer mordet schon in der Steiermark?, Hrsg. Claudia Rossbacher, Gmeiner 2015 
„A Fremde unterm Steffl“ in Törtchen Mördchen, Hrsg. Petra Busch, KBV 2015 
„Mörderischer Attersee“ in Mords-Salzkammergut, Hrsg. Jeff Maxian/Erich Weidinger, Gmeiner 2016 
„Die Bibliothek“ in Soko Marburg-Biedenkopf, Hrsg.) Christina Bacher, KBV 2016 
„Gelbe Rosen“ in Tatort Hofburg, (Hrsg.) Edith Kneifl, Falter 2016 
„Annafest“ in SOKO Graz-Steiermark, (Hrsg.) Claudia Rossbacher, Gmeiner 2017
„Party ohne Ende“ in Killing you softly, (Hrsg) Peter Godazgar, KBV 2017

Jugend-Kurzkrimi
„Diamantenzug“ in „Schneller als die Angst“, Hrsg. Erich Weidinger, Obelisk, 2013 
„Geheimbotschaft“ in „Stärker als die Angst“, Hrsg. Erich Weidinger, Obelisk, 2015 

Sachbücher
Über Mondsee, Attersee, Vöckla und Hausruck“, Trauner Verlag, Linz 2004
Über Kohle und Leben im Hausruck“, Trauner Verlag, Linz 2006
(Ein Buch zur OÖ. Landesausstellung „Kohle und Dampf“2006)
„Hausruckviertel), Oberösterreichverlag, 2014 

Kinderbuch
2010 und noch mehr Nächte“, Echomedia Verlag, Wien 2007
(Märchenbuch für UNICEF)

Theater
„Nachbarleider“ eine Krimikomödie von Beate Maxian & Erich Weidinger 

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