[Q&A] Interview mit Alex Beer

Alex Beer hat letztes Jahr mit „Der zweite Reiter“ ihr erstes Buch herausgebracht und just den „Leo-Perutz-Preis“ eingeheimst und damit Andreas Gruber beerbt. Dabei ist sie nicht neu im Autorenrbusiness, denn als Daniela Larcher hat sie schon einige Bücher geschrieben. Jetzt hat sie auf dem Krimisofa Platz genommen und über ihre August-Emmerich-Reihe, ihre Inspirationen beim Schreiben und darüber, wie oft sie für einen Mann gehalten wird, gesprochen. 

Krimisofa: Hallo, Frau Beer. Zum Einstieg: Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Alex Beer: Ich bin dieses Jahr Mitglied in der Jury des „Leo-Perutz-Preis für Kriminalliteratur“ und lese mich gerade durch die eingereichten Bücher. Davor habe ich mir eine Abhandlung über den Film Noir zu Gemüte geführt, danach steht „Die Morde von Pye Hall“ von Anthony Horowitz auf dem Programm.

Krimisofa: Wer hat Sie bei Ihren Büchern am meisten inspiriert?

Alex Beer: Inspiration kommt eigentlich von überall her. Von Filmen, Zeitungsartikeln, Tagträumen und Schreibratgebern …

Krimisofa: Wer sind Ihre Lieblingsautoren?

Alex Beer: Spontan fallen mir Don Winslow, Josh Bazell, Andreas Pflüger und Gillian Flynn ein. Theoretisch könnte ich aber seitenweise tolle Autoren aufzählen.

Krimisofa: Sie haben einerseits Prozess- und Projektmanagement und andererseits Archäologie studiert – was davon hilft bei der Schriftstellerei mehr bzw. hilft überhaupt etwas davon?

Alex Beer: Projektmanagement ist sehr hilfreich, dabei habe ich gelernt, mich zu organisieren. Mein Job als Schriftstellerin besteht ja nicht nur aus dem eigentlichen Schreibprozess. Davor gilt es zu recherchieren, die Handlung zu planen, Charaktere zu entwickeln, Spannungsbögen zu bauen … Danach stehen Lesereisen und Pressetermine auf dem Terminplan, und es gilt eine Website und diverse Social Media Kanäle zu betreuen. Vom alltäglichen Bürokram und Sachen wie der Steuererklärung will ich gar nicht erst anfangen …

Krimisofa: Sie waren einmal auf Literaturreise in China. Wie war das?

Alex Beer: Spannend. Ich habe Mitglieder der Shanghai-Writers-Association, des Instituts für Germanistik und der China-Writers-Association (Peking) kennengelernt. Mit ihnen konnte ich mich über das Schreiben und den Stellenwert von Literatur austauschen. Besonders interessant fand ich die Tatsache, dass es nur sehr wenige chinesische Krimiautoren gibt. Dies liegt in erster Linie daran, dass keine Kritik am System und somit auch am Polizeiapparat erlaubt ist. Dies macht es äußerst schwer, glaubhafte Ermittler zu erschaffen. 

Krimisofa: Die August-Emmerich-Reihe spielt direkt nach dem ersten Weltkrieg – warum haben Sie gerade diese Zeit gewählt?

Alex Beer: Es ist eine sehr düstere Zeit. Kälte, Hunger und Gewalt stehen auf der Tagesordnung. Der Schwarzmarkt blüht, immer wieder brechen Seuchen aus, und die Menschen sind auf der Suche nach Identität und Orientierung. Neben diesem zermürbenden Leid herrschte hemmungsloser Taumel, und es wurde gefeiert als gäbe es kein Morgen. Ich finde diese Atmosphäre bildet einen wunderbaren Hintergrund für einen Krimi. Zudem lässt sich Vieles, was in weiterer Folge geschieht (Zweiter Weltkrieg, Kalter Krieg, Jugoslawienkrieg …) auf genau jene Zeit zurückverfolgen.

Krimisofa: Das Nachwort in „Der zweite Reiter“ zeigt, wie umfassend Sie für dieses Buch recherchiert haben – wie lange haben Sie für „Der zweite Reiter“ recherchiert?

Alex Beer: Ich brauchte ca. drei bis vier Monate um ein Gespür für die Zeit zu bekommen und mit dem Schreiben beginnen zu können. Danach waren die Recherchen aber noch lange nicht vorbei (das sind sie bis heute nicht). In jeder Szene finden sich immer wieder Kleinigkeiten, die eruiert werden müssen (z.B. Schreibutensilien, Kochrezepte, Adressen, aktuelles Tagesgeschehen …)

Krimisofa: Könnten Sie sich vorstellen die Reihe bis in die NS-Zeit bzw. in den Austrofaschismus zu führen?

Alex Beer: Auf jeden Fall. Emmerich ermittelt so lange weiter, wie die Leser Freude daran haben.

Krimisofa: Kann man die Emmerich-Reihe als Liebeserklärung an Wien verstehen oder wäre das überinterpretiert?

Alex Beer: Es ist eine Liebeserklärung an diese wenig beachtete Zeit, an die Menschen von damals und ihre Fähigkeit, das Beste aus denkbar widrigen Umständen zu machen.

Krimisofa: Wie viel Alex Beer steckt in August Emmerich?

Alex Beer: Wie bei vielen Autoren steckt einiges von mir in meinen Figuren. Emmerichs Dickschädel und sein Zynismus kommen mir zum Beispiel recht bekannt vor 😉

Krimisofa: 2014 erschien zuletzt ein Teil der Otto-Morell-Reihe – kann man auf eine Fortsetzung hoffen oder ist sie auserzählt?

Alex Beer: Emmerich nimmt momentan so viel Zeit in Anspruch, dass für Morell nichts mehr übrigbleibt. Sollte es sich aber irgendwann ergeben, kann ich mir eine Fortsetzung durchaus vorstellen.

Krimisofa: Sie publizi(t)eren im Fischer Verlag unter Ihrem bürgerlichen Namen Daniela Larcher und beim Limes Verlag unter Alex Beer – warum haben Sie gerade diesen Namen gewählt? Hintergrund der Frage ist, dass ich beim Vornamen zuerst an einen Mann gedacht habe.

Alex Beer: Damit sind Sie interessanterweise nicht allein. Ich kriege viel Post, die an Herrn Beer gerichtet ist, und auch die Frage, warum ich denn ein männliches Pseudonym gewählt habe, wird oft gestellt. Ich finde das spannend, da Alex für mich völlig geschlechtsneutral ist (eine meiner besten Freundinnen heißt Alex(andra)). Diese (vermeintliche) Neutralität war übrigens auch der Grund für den Namen. Ich wollte sozusagen eine weiße Leinwand, etwas, das alles sein kann (Mann, Frau, alt, jung, deutschsprachig, international …).

Krimisofa: Am 21. Mai erscheint mit „Die rote Frau“ der zweite Teil der August-Emmerich-Reihe – was erwartet die Leser da?

Alex Beer: Eine Zeitreise ins Wien des Jahres 1920 und ein spannender Fall, bei dem Emmerich sich mehr Ärger einbrockt als er sich je hätte vorstellen können. (https://www.randomhouse.de/Buch/Die-rote-Frau/Alex-Beer/Limes/e501558.rhd)

Am Ende noch ein kurzer Wordrap:

Wenn Sie ein Buch lesen: gedruckt oder auf dem eReader?

Ausschließlich gedruckt.

Bücher lesen oder schreiben?

Beides.

Wien oder New York?

London.

August Emmerich oder Ferdinand Winter?

Die beiden ergänzen sich perfekt. Nur gemeinsam können sie die Aufgaben meistern, die ihnen das Schicksal in den Weg legt.

Krimisofa: Danke für das beantworten der Fragen 

Alex Beer: Herzlichen Dank für das nette Interview, und schöne Grüße an alle LeserInnen des Krimisofas.


Bibliographie Alex Beer / Daniela Larcher 

Als Alex Beer

Der zweite Reiter: Ein Fall für August Emmerich. Random House, 2017
Ab 21. Mai: Die rote Frau: Ein Fall für August Emmerich. Random House, 2018

Als Daniela Larcher

Die Zahl. Fischer Taschenbuch Verlag, 2008
Zu Grabe. Fischer Taschenbuch Verlag, 2011
Neumond. Fischer Taschenbuch Verlag, 2013
Teures Schweigen. Fischer Taschenbuch Verlag, 2014

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