[Rezension] J. A. Konrath: Mit einem Bein im Grab (Phineas Troutt – Band I)

Phineas Troutt ist todkrank und trotzdem will er lieber anderen Leute helfen, statt auf den Tod zu warten – natürlich nicht nur aus Selbstlosigkeit. Troutt nennt sich selber „Problemlöser“ und hilft dort, wo es die Polizei nicht kann oder will. Eines Tages meldet sich eine Frau bei ihm; Pasha Kapoor ist Ärztin und betreibt eine Abtreibungsklinik in einem Vorort von Chicago. Ihr wurde nahegelegt, das Krankenhaus zu schließen – andererseits würde es abgebrannt. Doch Pascha will weder das Krankenhaus schließen, noch einen riesigen Ascheberg am Grundstück des Spitals sehen, deshalb soll Troutt das Problem lösen. Dieser findet heraus, dass die Wurzel des Problems an höchster Stelle liegt – und bei der Mafia … 

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 2/5
Charaktere: 5/5
Spannung: 3/5
Showdown: 4/5

J. A. Konrath kennt man auch unter dem Namen Jack Kilborn, unter dem er Horrorgeschichten veröffentlicht. Unter J. A. Konrath veröffentlicht er Thriller wie die Jack-Daniels-Reihe. Jetzt erst wurde die Phineas-Troutt-Trilogie veröffentlicht bzw. deren erster Teil „Mit einem Bein im Grab“. „Erst“ deshalb, weil die Trilogie weit vor den Büchern rund um die Mordermittlerin Jaqueline „Jack“ Daniels entstand, nämlich 1994. Damals war Konrath zarte 24 Jahre alt, aber seine Bücher fanden damals keinen Verleger. Ich habe einige die Jack Daniels gelesen, bis mich der ewig gleiche Ablauf der Geschichten zu nerven begann. Die Troutt-Trilogie ist ein Spin-off der Jack-Daniels-Reihe, in der sowohl Jack Daniels als auch Harry McGlade vorkommen – dennoch merkt man einige erhebliche Unterschiede zur Jack-Daniels-Reihe.

Phineas Troutt ist eigentlich ein Krimineller, er löst Probleme auf seine Art, und die ist selten legal. Doch mittlerweile spielt das keine Rolle mehr für ihn, denn er ist so gut wie tot. Troutt hat Bauchspeicheldrüsenkrebs, den er liebevoll Earl getauft hat und mit dem er gerne mal – weniger liebevoll – spricht. Die Chemotherapie hat er abgebrochen, stattdessen lebt er ein Lotterleben mit Alkohol, Koks und Nutten. Früher war er Türsteher, Rausschmeißer und Yogatrainer; heute nennt er sich „Problemlöser“ und tut genau das – Probleme lösen. Jetzt soll er das von Bipasha Kapoor, die einfach nur Pasha genannt wird, lösen. Doch alleine gegen die Mafia zu kämpfen ist unmöglich, weshalb er sich Verstärkung holt; unter anderem Harry McGlade, der größten Nervensäge, die ich je in der Kriminalliteratur gesehen habe. McGlade war regelmäßig bei der Jack-Daniels-Reihe dabei und müsste eigentlich nicht mehr arbeiten – der Typ hat Geld wie Heu und obendrein eine Fernsehserie über sein Leben. Auch Jack Daniels, mit der McGlade früher zusammengearbeitet hat, ist mit dabei, fungiert aber eher als Randerscheinung.

Es ist schon eine interessante Erfahrung, die ich mit den Büchern von J. A. Konrath mache. Die Jack Daniels Reihe hat mich irgendwann nur mehr gelangweilt und den Auftakt zur Troutt-Trilogie wollte ich nach vierzig Seiten gleich wieder abbrechen – doch ich zog durch und wurde verdammt positiv überrascht. So sehr, dass ich die letzten hundertzwanzig Seiten fast an einem Stück las. Die Unterschiede der zwei Serien sind immens und vor allem Phineas Troutts Krebserkrankung gibt dem Buch die Tiefe, die der Daniels-Reihe fehlt.

Nicht fehlen darf aber der Humor, für den Konraths Bücher bekannt sind und zwischen vulgär und sarkastisch schwankt. Für den Vulgären ist vor allem Harry McGlade zuständig und zeitweise wird einem das als Leser zu viel und man rollt irgendwann nur mehr mit den Augen – aber das zeigt nur, wie gut diese Figur gezeichnet ist; sie bleibt dem Leser im Kopf. Neben dem Humor wird auch noch knisternde Romantik geboten. So hat das Buch für beide Geschlechter etwas – für Männer den Untenrum-Humor und für Frauen etwas fürs Herz. Oder andersrum, je nachdem, wie die Präferenzen gelagert sind.

Was man definitiv hervorheben muss, ist der Charakter des Phineas Troutt, dessen Einstellung einerseits – aufgrund seiner Erkrankung – lethargisch ist, andererseits will er die Probleme anderer Leute lösen; und macht dies genau so, wie es zu seiner Lethargie passt – nämlich so, als hätte er nichts mehr zu verlieren.

Dennoch fehlt mir etwas, das mir bei allen Konraths gefehlt hat – nämlich das gewisse Etwas. Das merkt man am ehesten an der Atmosphäre, die irgendwie nicht aufkommen will, weil die Stimmung ständig zwischen todernst und superlustig schwankt.

Tl;dr: „Mit einem Bein im Grab“ von J. A. Konrath ist ein flotter, humorvoller und tiefsinniger Auftakt zur Phineas-Troutt-Trilogie. Der Spin-off der Jack-Daniels-Reihe hat genau die Tiefgründigkeit, die der Daniels-Reihe fehlt. Neben Jack Daniels hat auch Harry McGlade seinen Auftritt, der für deftigen Humor sorgt – zum Ausgleich gibt es dafür knisternde Romantik.


Daten zum Buch

Autor: J. A. Konrath
Titel: Mit einem Bein im Grab
Originaltitel: Dead on My Feet
Übersetzer: Peter Zmyi
Seiten: 316
Erscheinungsjahr: 2018
Verlag: Edition M
ISBN: 1503901548
ISBN-13: 978-1503901544

6 Gedanken zu „[Rezension] J. A. Konrath: Mit einem Bein im Grab (Phineas Troutt – Band I)

  1. Pink Anemone sagt:

    Hallöchen,
    tja, ich glaube das wäre wieder mal eine Reihe für mich (als hätte ich nicht schon genug Reihen zu lesen XD). Vielen Dank für die tolle Rezi. Das Buch wandert doch glatt auf meine WL.
    Liebe Grüße aus Wien
    Conny

      • Pink Anemone sagt:

        Du wirst es nicht glaube, aber diese Reihe steht schon auf meiner WL XD. Sollte ich wirklich lesen. Hab schon von vielen gehört, dass die toll sein soll.
        Hach ja, diese Reihen immer…und es kommen immer wieder neue hinzu. Fürchterlich *g*

      • Krimisofa sagt:

        Der erste Teil ist wirklich sensationell, und der zweite kommt ja auch bald. Also musst du dich ranhalten 😀

  2. Mikka Liest sagt:

    Hallo,

    Bisher habe ich von dem Autor noch gar nichts gelesen, aber ich vermute, dass mir die Troutt-Reihe besser gefallen könnte als die Daniels-Reihe, wegen der erwähnten Tiefe.

    Allerdings würde ich wohl erstmal reinlesen, ob das Buch überhaupt was für mich ist!

    Ich habe diesen Beitrag meinerseits HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    LG,
    Mikka

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