[Rezension] Greer Hendricks/Sarah Pekkanen: The Wife Between Us – Wer ist sie wirklich?

Nellie ist glücklich. Sie arbeitet als Erzieherin und kellnert nebenbei – ihr Leben ist erfüllt. Doch bald wird es noch besser, denn sie hat mit Richard den perfekten Mann gefunden – sportlich, beruflich erfolgreich und finanziell wohlhabend. Er hat ihr ein Haus in einem Vorort von New York gekauft und bald wird sie nicht mehr arbeiten müssen, denn bald wird sie ihn heiraten.
Doch da gibt es wen, der das verhindern will – Vanessa. Sie ist die Ex-Frau von Richard, sie hat alles verloren durch die Scheidung, musste zu ihrer Tante ziehen und ist kurz davor, ihren Job zu verlieren. Doch das ist ihr egal, denn alles was sie will, ist, diese Hochzeit zu verhindern – koste es, was es wolle …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 4/5
Showdown: 4/5

Wenn ich mich durch die Verlagsvorschauen wühle und mir alle Bücher notiere, ist immer ein Tab im Browser mit Amazon offen. Dort werden die ISBNs eingetippt, um das Erscheinungsdatum des jeweiligen Buches zu notieren, die im Herbst oder Frühling erscheinen – irgendwo dort wurde mir dann „The Wife between us“ angezeigt. Ich klickte darauf und mir gefiel der Klappentext, also fragte ich bei Rowohlt um ein Rezensionsexemplar an. Wenig später sah ich, dass Tintenhain.de das Buch rezensiert hatte – ich behielt im Hinterkopf, die Kritik zu lesen wenn ich diesen Text zu ende geschrieben hatte (ich lese Rezensionen nie bevor ich Bücher lese, die ich selber rezensieren werde). So viel zur Vorgeschichte dieser Rezension – nun zum Buch, das mehr als nur eine Überraschung bereithält.

 

Psychothriller par excellence

Nellie ist 27 und Erzieherin bzw. Kellnerin. Bald tritt sie vor den Altar um den erfolgreichen – mit Betonung auf „reich“ – Hedgefond- Manager Richard zu heiraten und mit ihm in die Vorstadt zu ziehen. Das ist so unspektakulär wie langweilig – wenn da nicht Vanessa wäre, die die Hochzeit mit aller Gewalt verhindern will. Sie terrorisiert Nellie mit dubiosen Anrufen, säuft wie ein Loch und hofft, dass es ihre Tante, bei der sie seit der Scheidung von Richard wohnt, nicht bemerkt. Ihre Mutter starb vor ein paar Jahren und der Tod ihres Vaters ist noch länger her. Nellie kommt von den beiden wesentlich besser weg, denn ganz ehrlich – keiner mag alkoholsüchtige Trullas, die die jüngere und hübschere Nachfolgers ihres Ex‘ nachstellt. Da nützt es auch nichts, wenn sie noch so viele Psychologie-Podcasts hört, denn offenbar verhindern diese ihr frustriertes Handeln nicht.

Richard hingegen ist Vollwaise nachdem seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Die Erziehung übernahm danach seine Schwester Maureen. Doch das nützt nichts, denn man merkt von Anfang an, dass mit dem Hedgefond-Manager ebenfalls etwas nicht stimmt.

Man ist eigentlich sofort in der Geschichte drin. Ich bin – wie ich schon öfter geschrieben habe – kein großer Freund von Prologen, aber der in „The Wife Between Us“ gibt gleich das Tempo vor – und das ist enorm. Wenn nicht gerade Fußball WM gewesen wäre, während ich das Buch las, wäre ich in Windeseile durch gewesen – aber manchmal muss man eben Prioritäten setzen. Aber selbst dann macht es nichts, wenn man ein paar Tage nicht gelesen hat. Man ist sofort wieder drin in dieser schaurig-schönen Stimmung, die das Autorenduo hier aufbaut.

Das Buch ist in zwei Teile untergliedert, und gerade am Ende des ersten saß ich erstmal fünf Minuten da und musste mich wieder ordnen, denn am Ende stellen Hendricks und Pekkanen einfach mal alles auf den Kopf, und ich so: „Wie? Was? W.. aber d… was ist jetzt passiert?“ – kurz: ich war sprach-, fassungslos und überwältigt. Wie die Autorinnen den Leser an der Nase herumführen ist im positivsten Sinne bemerkenswert. Der zweite Teil ist ein Mix aus Retrospektive und Gegenwartsgeschichte und ein Psychothriller par excellence – wirklich herausragend konstruiert. Der Epilog hält eine ähnlich große Überraschung wie das Ende des ersten Teils bereit – hier wird die Geschichte dann komplett rund. Aber…

… aber viel Neues findet man im Plot nicht, das muss auch festgehalten werden. Nicht alles was glänzt ist Gold. Man erkennt dann doch einige Parallelen zu anderen Büchern dieses Genres. Zum Beispiel zu JP Delaneys „The Girl Before“, oder zu – ja, ich weiß, das wird bei mir in jeder dritten Rezension genannt, und nein, der btb-Verlag zahlt mir nichts dafür (warum eigentlich nicht?) 😉 – Anna Georges „Was ich getan habe“, oder zu Chevy Stevenses „Ich beobachte dich“. Dennoch haben die zwei das toll gemacht – chapeau!

Tl;dr: Greer Hendricks und Sarah Pekkanen haben mit „The Wife Between Us“ einen herausragenden Psychothriller konstruiert, bei dem man sich vor allem nach dem ersten von zwei Teilen einmal neu sammeln muss, weil man kurzfristig die Welt nicht mehr versteht. Allerdings findet man einige Elemente, die man aus anderen Büchern dieses Genres schon kennt.


Daten zum Buch

Autor: Greer Hendricks und Sarah Pekkanen
Titel: The Wife Between Us – Wer ist sie wirklich?
Originaltitel:  The Wife Between Us
Übersetzer: Alice Jakubeit
Seiten: 448
Erscheinungsjahr: 2018
Verlag: Rowohlt
ISBN-10: 3499291177
ISBN-13: 978-3499291173

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4 Gedanken zu „[Rezension] Greer Hendricks/Sarah Pekkanen: The Wife Between Us – Wer ist sie wirklich?

  1. kaisuschreibt sagt:

    Ich hab das Buch heute beim stöbern entdeckt und direkt notiert. Jetzt – ein paar Stunden später – kommt deine Kritik dazu und ich will das Buch unbedingt lesen 😀

  2. Tintenhain sagt:

    ich musste gerade so über deine inhaltliche Zusammenfassung lachen. ja, Vanessa ist im Gegensatz zu Nellie nicht gerade eine Sympathieträgerin. Richard konnte ich gleich nicht leiden. Der Plottwist hat mich auch umgehauen. Ich liebe so etwas ja! Es wäre jetzt doof, dir da noch ein anderes Buch zu empfehlen, weil Du dann von Anfang an auf der Hut wärst. 😀

    Liebe Grüße und danke für die Verlinkung,
    Mona

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