[Q&A] Interview mit Gerhard Langer

Gerhard Langer ist eigentlich Universitätsprofessor für Theologie. Als dieser hat er schon einige Sachbücher publiziert. Jetzt wollte er etwas neues probieren und schrieb einen Krimi, der in Wien spielt. Auch wenn Langer den Sommer als Jahreszeit vorzieht, hat er seinem Protagonisten den Nachnamen seines bitterkalten Pendants gegeben – nämlich Winter. Jetzt hat sich Langer aufs virtuelle Krimisofa gesetzt und hat Fragen über sich, die Theologie und seinen Krimi „Gnädig ist der Tod““ beantwortet… 

Krimisofa: Hallo, Herr Langer. Zum Einstieg, und weil die Frage jedem vom Krimisofa gestellt wird: Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Gerhard Langer: Lieber Herr Gutmann, erstmal vielen Dank für das Interview. Ich habe folgende zwei Bücher zuletzt gelesen: Ursula Poznanski/Arno Strobel, Anonym und Invisible.

Krimisofa: Ich habe zu danken. Wie viel Winter steckt eigentlich in Langer (und vice versa)?

Gerhard Langer: Wenn man eine Figur entwickelt, ist immer ein Stück von einem selbst darin enthalten, aber auch in anderen Charakteren im Buch. Manches ist mit mir verbunden, die Sensibilität, das Bauchgefühl. Und manches hat er, was ich nicht habe, so zum Beispiel einen perfekten Geruchssinn. Beide sind wir sehr hartnäckig und geben nicht leicht auf.

Krimisofa: Was war bis jetzt der schönste Moment in Ihrer bisherigen Zeit als Autor?

Gerhard Langer: Vielleicht der Anruf meines Agenten Bastian Schlück und sein Feedback zu meinem Romanentwurf. Und dann natürlich, dass der Roman in einem tollen Verlag erschienen ist.

Krimisofa: Ist Ihnen Kritik von Ihren Lesern wichtig und wie gehen Sie damit um?

Gerhard Langer: Von großer Wichtigkeit. Ich schreibe ja nicht für mich, sondern für eine möglichst breite Leser- und Leserinnenschaft.

Krimisofa: Wieso spielt „Gnädig ist der Tod“ in Wien und nicht Tirol oder Salzburg, Ihrem zweiten Wohnsitz bzw. Ihr Geburtsort?

Gerhard Langer: Ich lebe und arbeite zu einem großen Teil in Wien, bin dort seit meinem 20. Lebensjahr irgendwie zu Hause. Wien ist eine tolle Stadt mit Ecken und Kanten. Tirol ist meine Wahlheimat geworden. Hier lebe ich mit meiner Frau und einem Kater in einer wunderschönen Umgebung, in der ich herrlich auftanken kann. Aber lassen Sie sich überraschen, vielleicht verschlägt es Winter auch mal nach Tirol.

Krimisofa: Sie sind Theologe und unterrichten an der Uni Wien: Hatte Ihre Profession einen Einfluss auf „Gnädig ist der Tod“ und wie äußerst sie sich?

Gerhard Langer: Ich beschäftige mich beruflich vor allem mit jüdischer Kultur, Religion und Literatur. Ich habe vor Jahren einen Roman geschrieben („Am Anfang schuf der Mensch“), in dem das eine große Rolle gespielt hat. Aber für die Krimis mit Winter und seinem Team ist das nicht von Bedeutung.

Michael Winter ist nicht ungläubig, aber er hat durch einen Schicksalsschlag einen ziemlichen Knacks bekommen, was den Glauben an einen gerechten und guten Gott betrifft.

Krimisofa: Die Theologie ist ja doch eher ein komplexes Thema – wieso wollten Sie einen Krimi schreiben?

Gerhard Langer: Ich bin ein überaus neugieriger Mensch, beobachte viel und versuche, Menschen, aber auch Strukturen und Systeme zu durchschauen. Ich habe immer schon eine Liebe zum Schreiben gehabt und viel gelesen. Mich interessieren die menschlichen Abgründe, die Leidenschaften, auch die dunklen Seiten, das Verborgene. Was liegt da näher, als es mal mit einem eigenen Krimi zu versuchen?

Krimisofa: Was macht mehr Spaß: Sachbuch oder Unterhaltungsliteratur schreiben?

Gerhard Langer: Das ist nicht vergleichbar, weil man einen ganz anderen Stil wählen muss. Ich habe ein Lehrbuch geschrieben, über jüdische Bibelauslegung, das ebenfalls viel Freude bereitet hat. Im Moment macht zweifellos das Krimischreiben mehr Spaß. In den nächsten Jahren möchte ich jedenfalls noch mehr Unterhaltungsliteratur schreiben.

Krimisofa: Wie lange haben Sie an „Gnädig ist der Tod“ gearbeitet?

Gerhard Langer: Schwer zu sagen, ich habe es mit vielen Unterbrechungen geschrieben. Insgesamt wohl so ein Jahr lang.

Krimisofa: Der erste Satz in „Gnädig ist der Tod“ klingt wie ein Statement und hat mir das Buch direkt schmackhaft gemacht – wie lange haben Sie an dem Satz herumgefeilt?

Gerhard Langer: Gar nicht. Er war auf einmal da, irgendwann, als ich über die Figur nachdachte, die Frau, die ihre Tochter verdursten und verhungern lässt und ihren Mann zerstückelt.

Krimisofa: In der Danksagung zu „Gnädig ist der Tod“ schreiben Sie, dass Handlung und Personen frei erfunden seien – insbesondere bei ein paar Charakteren tue ich mir mit dieser Aussage schwer, da die Parallelen zu realen Personen offensichtlich sind. Die Tageszeitungen haben ebenfalls nur einen minimal anderen Namen als ihre realen Pendants – was ist der Grund für diese Realitätsnahe?

Gerhard Langer: Die Namen der Zeitungen sind in Abstimmung mit meiner Lektorin durchaus erkennbar. Die Restaurants und Gasthäuser gibt es alle, auch die Gerichte und Getränke. Die Personen sind definitiv erfunden. Was nicht erfunden ist, sind Vorgänge in der Finanzwelt, die kann man ja leicht auch nachlesen. Wenn jemand Assoziationen zu Personen beim Lesen hat, ist das natürlich legitim und liegt in der Freiheit des Lesers und der Leserin.

Krimisofa: In Ihrem Buch findet man verhältnismäßig viele Kraftausdrücke – fluchen Sie selber auch so viel?

Gerhard Langer: Nein, eigentlich nicht. Winter ist halt emotional sehr betroffen. Ihn lässt Vieles nicht kalt. Ich fluche nur, wenn ich irgendwelche handwerkliche Tätigkeiten – was im Haus nicht so selten vorkommt – nicht so hinkriege, wie es sein soll. Da bin ich dann manchmal ungeduldig.

Krimisofa: Sie machen Ende September eine Lesung in Wien – sind noch mehr Termine in Planung?

Gerhard Langer: Ich werde am 30. September um 16.00h eine Lesung in der Thalia in der Landstraße haben. Weitere Lesungen sind schon angedacht, aber noch nicht fixiert. Infos gibt es natürlich dazu immer auf den Webseiten von www.michaelwinter.at.

Krimisofa: Wann kann man mit dem nächsten Krimi von Ihnen rechnen?

Gerhard Langer: Im Sommer 2019. Winter ermittelt wieder. Diesmal sterben gleich mehrere junge Frauen. Was nach Selbstmord aussieht, muss keiner sein. Die Spur führt an die Universität. Zudem muss sich Winter mit dem Tod eines sehr bekannten Wienerliedsängers auseinandersetzen und bekommt auch noch Troubles in seiner Beziehung.

Zum Schluss ein kleiner Wordrap:

Lieber ein Buch lesen oder schreiben?

Schreiben

Wien oder Tirol?

Beides

Einspänner oder Rotwein?

Einspänner

Sommer oder Winter?

Sommer, definitiv

Danke für das Interview 

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