[Q&A] Interview mit Andreas Eschbach

Andreas Eschbach ist einer der bedeutendsten Autoren Europas in seinem Genre – wenn man seine Bücher überhaupt in ein Genre zwängen kann. Denn seine Bücher sind bunt in dem Sinne, dass sie viele verschiedene Genres beinhalten; das beweist nicht zuletzt sein aktuelles Werk „NSA – Nationales Sicherheits-Amt„. Eschbach lebt normalerweise in der Bretagne, jetzt hat er sich für’s Krimisofa Zeit genommen, um ein paar Fragen über sich und sein aktuelles Buch zu beantworten… 

Krimisofa: Hallo, Herr Eschbach. Zum Einstieg jene Frage, die jedem vom Krimisofa gestellt wird: Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Andreas Eschbach: „Kleine Feuer überall“ von Celeste Ng. Kann ich übrigens nur empfehlen!

Krimisofa: Was ist bis jetzt der schönste Moment in Ihrer bisherigen Zeit als Autor gewesen?

Andreas Eschbach: Schwer zu sagen. Die schönsten Momente erlebe ich eigentlich beim Schreiben, wenn die Geschichte so richtig in Fahrt ist und gerade eine Wendung nimmt, die mich selber überrascht.

Krimisofa: Ist Ihnen Kritik von Ihren Lesern wichtig und wie gehen Sie damit um?

Andreas Eschbach: Kommt darauf an. Über sachliche Kritik denke ich nach, über unsachliche ärgere ich mich. Ansonsten ist Kritik wie Medizin – die Dosis macht’s, ob etwas hilft oder ob es zum Gift wird.

Krimisofa: Sie haben Luft- und Raumfahrttechnik studiert – war das schon jemals hilfreich beim Schreiben?

Andreas Eschbach: Nein.

Krimisofa: Auf Ihrer Website steht, dass Sie seit Ihrem zwölften Lebensjahr schreiben – wovon handelte Ihre erste Geschichte?

Andreas Eschbach: Von einer Weltraumexpedition nach Alpha Centauri.

Krimisofa: Autoren schreiben bedeutend mehr als sie publizieren. In Prozente ausgedrückt: wie viel von dem, das Sie schreiben, publizieren Sie?

Andreas Eschbach: Keine Ahnung, wie viel das in Prozent sind. 10%? 20%? So um den Dreh, schätze ich.

Krimisofa: Sie sind auf Twitter und dem relativ unbeliebten Google+, aber nicht auf Facebook – warum nicht auf Facebook?

Andreas Eschbach: Anfangs habe ich gar nicht verstanden, wozu das überhaupt gut sein soll – es gab ja nie eine Möglichkeit, das Ding „probezufahren“ –, außerdem fand ich die Gestaltung von Facebook scheußlich. Also habe ich mich nicht weiter drum gekümmert, und als so allmählich die Schattenseiten bekannt wurden, war ich froh drum.

Google+ war anfangs eine schöne Plattform zum Diskutieren, aber dann sind die Designer drüber hergefallen und haben es kaputt designt, deswegen bin ich dort praktisch nicht mehr. Und Twitter mach‘ ich nur aus Blödsinn; das ist für mich kein ernsthaftes Medium.

Krimisofa: Sie verlagern in „NSA“ die Technik des 21. Jahrhunderts ins dritte Reich, die Nazis spionieren darin die Leute systematisch aus – wie schützen Sie persönlich Ihre Daten im Internet?

Andreas Eschbach: Ich halte es für einen Irrtum, zu glauben, man könne das System austricksen, indem man sich besonders schlau anstellt. Was Google nicht von mir direkt erfährt, erfährt es von anderen über mich: Wie soll ich das verhindern? Was nicht heißt, dass man sich nicht überlegen soll, was man von sich preisgibt und was nicht. Da lasse ich Vorsicht walten und hoffe das Beste.

Krimisofa: Sie haben in „NSA“ zwei Hauptcharaktere – Helene Bodenkamp und Eugen Lettke –, in welchem der beiden steckt mehr Andreas Eschbach?

Andreas Eschbach: In dieser Frage bin ich zwar befangen, aber ich würde sagen, in beiden gleich viel.

Krimisofa: Sie sind bekannt dafür, dass Sie in Ihren Büchern Realität und Fiktion vermischen – wie viel Fiktion steckt in „NSA“, und wie viel Realität?

Andreas Eschbach: Darin, das auseinander zu dividieren, liegt doch der Reiz des Buches! Deswegen werde ich den Teufel tun und das jetzt hier erklären.

Krimisofa: Trump in den USA, AfD in Deutschland, FPÖ in Österreich. Die rechten Kräfte werden weltweit immer stärker. Kann man „NSA“ auch als Warnung verstehen?

Andreas Eschbach: Oh, ich hoffe doch, dass „NSA“ als Warnung verstanden wird! Allerdings nicht nur vor rechten Kräften, sondern vor totalitären Tendenzen jeglicher Coleur. Ob mich ein Hitler ins KZ steckt oder ein Stalin in den Gulag, macht aus meiner Sicht keinen wesentlichen Unterschied.

Krimisofa: Ihre Bücher werden stellenweise ins Thriller-, Science-Fiction- oder Fantasy-Genre verortet, in „NSA“ habe ich noch etliche andere Genres vorgefunden – in welchem Genre sehen Sie „NSA“?

Andreas Eschbach: Zum Leidwesen meiner Verlage und des Buchhandels nehme ich auf Genres und ihre Definitionen keine große Rücksicht. Ich würde sagen, „NSA“ ist eine Uchronie, eine „alternative Geschichte“, so ähnlich wie Robert Harris‘ „Vaterland“ oder Roberts Keiths „Die folgenschwere Ermordung Ihrer Majestät Königin Elisabeth I.“ – aber ich bin offen für andere Deutungen.

Krimisofa: Gibt es schon Pläne für Ihr nächstes Buch?

Andreas Eschbach: Die gibt es immer. Und nie verrate ich mehr, als dass es ein ganz anderes Buch werden wird als die bisherigen …

Danke für das Interview


Bibliographie Andreas Eschbach

Die Haarteppichknüpfer. Schneekluth, München 1995, ISBN 3-7951-1371-7.

Solarstation. Schneekluth, München 1996, ISBN 3-7951-1406-3.

Das Jesus Video. Schneekluth, München 1998, ISBN 3-7951-1625-2.

Kelwitts Stern. Schneekluth, 1999, ISBN 3-404-23232-1.

Quest. Heyne, München 2001, ISBN 3-453-18773-3.

Eine Billion Dollar. Lübbe, Bergisch Gladbach 2001, ISBN 3-7857-2049-1.

Exponentialdrift. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2003, ISBN 3-404-14912-2 (2002 in Fortsetzungen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen).

Der Letzte seiner Art. Lübbe, Bergisch Gladbach 2003, ISBN 3-7857-2123-4.

Der Nobelpreis. Lübbe, Bergisch Gladbach 2005, ISBN 3-7857-2219-2.

Ausgebrannt. Lübbe, Bergisch Gladbach 2007, ISBN 978-3-7857-2274-9.

Ein König für Deutschland. Lübbe, Bergisch Gladbach 2009, ISBN 978-3-7857-2374-6.

Herr aller Dinge. Lübbe, Köln 2011, ISBN 978-3-7857-2429-3.

Todesengel. Bastei Lübbe, Köln 2013, ISBN 978-3-7857-2481-1.

Der Jesus-Deal. Lübbe-Ehrenwirth, Köln 2014, ISBN 978-3-431-03900-9.

Teufelsgold. Lübbe-Ehrenwirth, Köln 2016, ISBN 978-3-7857-2568-9.

NSA – Nationales Sicherheits-Amt. Lübbe, Köln 2018, ISBN 978-3-7857-2625-9.

Jugendromane

Perfect Copy, Die zweite Schöpfung. Arena 2002, ISBN 3-401-05425-2.

Die seltene Gabe. Arena 2004, ISBN 3-401-05461-9.

Das Marsprojekt, eine Pentalogie, bestehend aus:

Das ferne Leuchten. Arena 2005, ISBN 3-401-05749-9, Neuauflage von Das Marsprojekt, Arena 2001.

Die blauen Türme. Arena 2005, ISBN 3-401-05770-7.

Die gläsernen Höhlen. Arena 2006, ISBN 3-401-05867-3.

Die steinernen Schatten. Arena 2007, ISBN 978-3-401-06060-6.

Die schlafenden Hüter. Arena 2008, ISBN 978-3-401-06061-3.

Gibt es Leben auf dem Mars oder Das Marsprojekt – Der flüsternde Sturm. Prequel zum Marsprojekt, Arena 2009, ISBN 978-3-401-06366-9, auch in einem Sonderband von Die seltene Gabe (ISBN 978-3-401-50353-0) enthalten.

Out-Trilogie

Black*Out. Arena 2010, ISBN 978-3-401-06062-0.

Hide*Out. Arena 2011, ISBN 978-3-401-06587-8.

Time*Out. Arena 2012, ISBN 978-3-401-06630-1.

Aquamarin.

Aquamarin. Arena 2015, ISBN 978-3-401-60022-2.

Submarin. Arena 2017, ISBN 978-3-401-60023-9.

Kurzgeschichtensammlung

Eine unberührte Welt. Bastei, 2008, ISBN 978-3-404-15859-1.

Kurzgeschichten

Welt des Unheils. 1975 als Leserkurzgeschichte in Perry Rhodan Nr. 739 (1. Auflage).

Dolls. 1991 in c’t – Magazin für Computertechnik. Nr. 6/91, Heise Verlag.

Der Mann aus der Zukunft. 1995.

Überraschungsgäste. 1996 in Science Fiction Okular 151.

Die Wunder des Universums. 1997 in Science Fiction Media 132.

Jenseits der Berge.

Druupies. 1999 in Alien Contact 34.

Humanic Park.

Ein lausiger Historiker. 2001 in Perry Rhodan Magazin Sonderausgabe September 2001. (Rastatt: VPM).

Halloween.

Unerlaubte Werbung.

Der Drache im Hindukusch.

Quantenmüll In: Der Atem Gottes und andere Visionen 2004. Shayol, Berlin 2004, ISBN 3-926126-42-6.

Eine Trillion Euro. Kurzgeschichte in der gleichnamigen, von Andreas Eschbach herausgegebenen Anthologie, 2004, ISBN 3-404-24326-9.

Gibt es Leben auf dem Mars? 2009, ISBN 978-3-401-06366-9.

Die Liebe der Jeng.

LOVE HACKING oder: LIEBE IM JAHR 2064 in bild der wissenschaft 02/2014.

Acapulco! Acapulco! In: EXODUS 34/2016, ISSN 1860-675X.

Sonstig

Software nach Maß. Planung, Realisierung und Kontrolle von EDV-Projekten. Pearson Education, 2000, ISBN 3-87791-327-X.

Perry Rhodan

#1935 Der Gesang der Stille, Heft 1998.

#2295 Die Rückkehr, Heft 2005.

#2503 Die Falle von Dhogar, Heft 2009.

Ein unbedeutender Mann (Stellaris Folge 25 in Perry Rhodan #2614), Heft 2011.

#2700 Der Techno-Mond, Heft 2013.

#2812 Willkommen im Tamanium!, Heft 2015.

#2813 An Rhodans Grab, Heft 2015.

Das Buch von der Zukunft. Sachbuch 2004, ISBN 3-87134-476-1.

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