[Rezension] Daan & Thomas Heerma van Voss: Zeuge des Spiels

In New Orleans wird Mardi Gras gefeiert, jenes Fest, für das die Stadt bekannt ist. Danach wird gefastet – doch davor wird nochmal gesündigt. Und wie. Nathalie Underwood, Tochter erzkonservativer Eltern wird von einer Gestalt in Skelletkostüm bedrängt und schließlich erstochen – Hauptverdächtiger ist ihr Freund Alexander van Zandt, der für seine Eifersucht bekannt ist. Er landet in Untersuchungshaft.
Aron Mulder bekommt tausende Kilometer in den Niederlande von dem Mord mit und kommt bald auf den Trichter, dass der mutmaßliche Mörder sein Sohn ist, der sich vor fünf Jahren von ihm abgewandt hat und offensichtlich einen neuen Nachnamen angenommen hat. Da Aron in den Niederlanden ohnehin nichts mehr auf die Reihe bekommt, macht er sich auf in die USA – mit dem Vorsatz, seinen Sohn vor der Todesstrafe zu bewahren …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 2/5
Atmosphäre: 2/5
Charaktere: 3/5
Spannung: 3/5
Showdown: 3/5

Daan und Thomas Heerma van Voss ist ein Brüderpaar aus den Niederlanden. In ihrer Heimat sind sie renommiert – hierzulande nicht. Noch nicht. Das Buch wurde mir vom Verlag Schöffling und Co. angeboten, einem Verlag, der eher selten Krimis veröffentlicht – aber nun war es wieder so weit. Und auch wenn er tempomäßig gut zu lesen war, habe ich doch eine Fülle an Kritikpunkten.

 

maximal ein durchschnittlicher Krimi

Aron Mulder ist ein gebrochener Mann, dessen Leben vor fünf Jahren im Prinzip zuende ging. Nicht nur, dass seine Frau Nora ermordet wurde und er als Hauptverdächtiger in U-Haft saß, seine Karriere als Psychiater danach ein jähes Ende fand und sein Sohn im Zuge dessen nach Amerika auswanderte – der Fall wurde zudem auch nie aufgeklärt. Er hat zwar mit Marie eine neue Frau gefunden und sein Hund Milo hebt seine Stimmung auch etwas, aber richtig glücklich wirkt Aron nicht. Also fliegt er nach New Orleans, heuert einen Privatdetektiv an und versucht gemeinsam mit diesem den richtigen Mörder zu finden. Wobei man als Leser nie sicher weiß, ob er nicht gleichzeitig auch den Mörder seiner Frau sucht. Im Dunstkreis der Geschichte taucht immer wieder der Name Hakan auf, der der Mörder seiner Frau sein soll – wer genau das ist, erfährt man aber nie. Generell ist die Geschichte anfangs reichlich kryptisch und das Buch überlässt den Leser sich selbst anstatt ihn an die Hand zu nehmen.

Und dann gibt es noch Hanna, über die es viel zu erzählen gäbe; kurz kann man aber sagen, dass sie der personifizierte Stereotyp eines Ermittlers ist. Grundsätzlich ist dieser Erzählstrang, der sich mit dem von Aron abwechselt, nicht nur uninteressant, sondern für mich auch komplett irrelevant. Wahnwitzig kommt hinzu, dass Hanna zwar nicht mit ihren Kollegen zusammenarbeiten will – warum, weiß man nicht –, aber ihren Freund, der eigentlich in einer Schule unterrichten sollte, in den Ermittlungen einspannt. Hätten sich die Heerma van Vossens auf den Vater und den Sohn konzentriert, wäre vermutlich ein besseres Buch herausgekommen – aber so ist „Zeuge des Spiels“ maximal ein durchschnittlicher Krimi geworden, der lediglich am Ende eine Überraschung bereithält.

Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert, wobei der erste etwas hölzern auf mich wirkte; ich war jedenfalls erst im zweiten Teil – nach geschätzten hundert Seiten – in der Geschichte drin. Auch die Atmosphäre wirkt, vermutlich wegen des kryptischen Schreibstils, seltsam distanziert. Das einzig wirklich überraschende ist wie gesagt das Ende und ebenfalls gut, weil realistisch, ist, dass sich der Fall und die Geschichte sich über mehrere Monate zieht und nicht wie in den meisten Krimis über ein paar Tage oder Wochen. Die Heerma van Vossens bearbeiten dabei einige wichtige Themen – sowohl soziale als auch juristische. Am Rand der Handlung entsteht auch irgendwann ein Justizkrimi.

Um am Ende noch ein Zitat aus dem Buch zu bringen: „Das hier ist doch nicht irgendein drittklassiger Krimi“ – „Zeuge des Spiels“ ist aber auch kein erstklassiger. Das Potenzial für ein richtig gutes Buch wäre dagewesen, einzig man hat es nicht genutzt.

Tl:dr: „Zeuge des Spiels“ von Daan und Thomas Heerma van Voss ist ein Krimi, in dem ein Vater um das Recht seines Sohnes kämpft. Ein Krimi, in dem wichtige Themen besprochen werden und mit zwei Erzählsträngen, von denen einer völlig irrelevant ist. Ein Buch, in dem der Leser sich selbst überlassen wird und das anfangs sehr kryptisch ist. Einzig das Ende weiß zu überraschen.


Daten zum Buch

Autor: Daan Heerma van Voss & Thomas Heerma van Voss
Titel: Zeuge des Spiels
Originaltitel: Ultimatum
ÜbersetzerUlrich Faure
Seiten: 304
Erschienen am: 7. August 2018
Verlag: Schöffling & Co.
ISBN-10: 3895612081
ISBN-13: 978-3895612084

Ein Gedanke zu „[Rezension] Daan & Thomas Heerma van Voss: Zeuge des Spiels

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.