[Rezension] Jonas Winner: Die Party – Wer Glück hat, stirbt als Erster

Zehn Leute. Eine Party. Brandon lädt in seinem riesigen Anwesen zu einer Halloween-Party – wie damals, vor dreißig Jahren, als sich Brandons Clique zum letzten Mal gesehen haben. Also kommen sie alle verkleidet – Clown, Zombie, Fliege –, um alte Zeiten wiederaufleben zu lassen. Nur dass es nicht dazu kommt, dass sie gemeinsam Spaß haben, denn der Gastgeber begrüßt die Partygäste direkt mit einem – seinem – Suizid und hat sein Haus zum Abschied in eine Horrorfalle verwandelt – Entkommen ausgeschlossen, Hilfe rufen unmöglich. Und so beginnt das Sterben, bis einer übrig bleibt. Demjenigen hat Brandon post mortem freies Geleit zugesichert. Und so beginnt der Todes- oder viel mehr Überlebenskampf. Bis die Überlebenswilligen etwas schier unglaubliches entdecken – sie alle verbindet eine unfassbare Geschichte…

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 3/5
Atmosphäre: 2/5
Charaktere: 2/5
Spannung: 3/5
Showdown: 2/5

Jonas Winner habe ich seit einiger Zeit auf meinem to-read-Zettel. Mit „Die Zelle“, in dem ein Junge im Keller des Hauses seiner Eltern eine sonderbare Entdeckung macht, hat mich Winner überzeugt. Danach kam „Murder Park“, das auf einer fiktiven Insel in den USA spielt, auf der ein Serienmörder-Vergnügungspark entstehen soll. Vom Konzept ist „Die Party“ „Murder Park“ recht ähnlich – nur doch etwas anders.

 

just another abzählreim 

In „Die Party“ sucht man lange nach einem Protagonisten, dem Charakter, der im Mittelpunkt steht – und findet ihn doch nicht. Lange dachte ich: „Wird wohl wie in ‚Glorreiche Ketzereien‘ sein, irgendwann wird er sich schon herauskristallisieren“ – nope. Und irgendwie dann doch, denn vor allem Brandon drückt der Geschichte durchaus seinen Stempel auf. Er lässt es zu Beginn gleich ordentlich krachen und begrüßt seine Gäste mit einem herzhaften Suizid. Kurze Zeit später will eine der Charaktere dann herausgefunden haben, dass Brandon an so etwas wie Rinderwahn bzw. Creutzfeldt-Jakob gelitten haben soll und ohnehin schon etwas gaga im Hirn war – egal, getrauert wird später. Wenn man dafür Zeit hat. Denn länger als vierundzwanzig Stunden soll der tödliche Spaß ohnehin nicht dauern. Danach hat man es hinter sich – tot oder lebendig.

Misstrauen wird hier jedenfalls groß geschrieben. Und irgendwann stößt man unweigerlich auf folgendes Zitat: „Was wissen wir denn über Kim? Über Donna, Nick?“ – ja, das habe ich mich allerdings auch die ganze Zeit über gefragt. Viel ist es jedenfalls nicht, was wir erfahren. Denn die Charaktere sind alle dermaßen blass, dass man genau so gut sagen könnte, dass Kim Donna ist und Nick Kim ist. Winner gibt einigen Charakteren zwar den Hauch einer Geschichte – Nick ist zum Beispiel Autor, Donna hat schwarze Eltern, ist aber selber weiß und Henry wurde früher gemobbt –, aber kein klares Profil. Ich habe zum Beispiel keine Ahnung, wer Kim ist oder was sie macht; das selbe bei Terry. So wirken die Charaktere einfach nur generisch.

Das Konzept ist ebenfalls alles andere als innovativ, denn so etwas hatten wir bereits bei Agatha Christie, David Morrell, Leonora Christina Skov, und wie gesagt, bei Winners „Murder Park“ Und so ist „Die Party“ leider just another Abzählreim. So sehr ich solche Bücher auch mag, aber zwei mal innerhalb eines Jahres, noch dazu vom selben Autor, brauche ich so etwas eigentlich nicht. Auch wenn sich Winner in der zweiten Hälfte einige Kniffe und Twists ausgedacht hat, die mir durchaus gefallen haben, bleibt es am Ende ein Abzählreim. Apropos Ende, welches jener Teil von Winners Bücher sind, die immer eine besondere Überraschung bereithalten und die mich schon öfter zum grübeln gebracht haben: da ist diesmal leider gar nichts zum grübeln dabei.

Obwohl das Buch am 31. Oktober 2018 – also gewissermaßen in der Zukunft – spielt, atmet das Buch die 1980er, jene Zeit, in der sämtliche Charaktere junge Erwachsene waren – genau wie Winner sind sie heute der 50 näher als der 40, was ihr Alter betrifft. Das hat dann doch etwas, denn normalerweise tritt in solchen Horror-Geschichten (das „Thriller“ am Cover kann man getrost streichen) doch eher die jüngere Generation an. Doch hier haben wir Menschen, die mitten im Leben stehen – was ihr Verhalten und ihr Denken angeht, unterscheiden sie sich aber nicht von den Jungen.

Dennoch: Das war „Die Party“ im Vergleich zu seinen Vorgängern eher ein Satz mit X. Schade.

Tl;dr: „Die Party“ von Jonas Winner spielt zwar 2018, atmet aber durchgehend die 1980er. Sonst hat der neueste Thriller – der eigentlich mehr Horror ist – von Winner aber nicht allzu viel zu bieten. Blasse Charaktere, ein Schema, das uns schon öfter begegnet ist und eine Geschichte, die trotz aller Kniffe und Twists nicht allzu viel hergibt. Am enttäuschendsten ist aber das Ende, das normalerweise Winners Paradedisziplin ist – das ist diesmal einfach nur schwach. Schade.


Daten zum Buch

Autor: Jonas Winner
Titel: Die Party – Wer Glück hat, stirbt als Erster
Seiten: 368
Erschienen am: 10. September 2018
Verlag: Heyne 
ISBN-10: 345343918X
ISBN-13: 978-3453439184

2 Gedanken zu „[Rezension] Jonas Winner: Die Party – Wer Glück hat, stirbt als Erster

  1. kaisuschreibt sagt:

    Jonas Winner. Sobald der Name auftaucht mach ich einen großen Bogen ums Buch. Er reizt mich leider mal so gar nicht, auch wenn die Inhaltsangaben sehr verlockend klingen. Inhaltlich packt es mich nicht, was sich hier ja leider auch zeigt 🙁

    • Krimisofa sagt:

      Inhaltsangaben bzw. Klappentexte nehme ich mittlerweile gar nicht mehr ernst. Die sind ja darauf ausgerichtet, dass sie gefallen, damit die Bücher gekauft werden – alles Marketing. Leider.

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