[Rezension] Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt: Die Opfer, die man bringt (Sebastian Bergman – Band VI)

In Schweden geht ein Serienvergewaltiger um, und Klara ist das nächste Opfer. Die Polizei von Uppsala untersucht den Fall, steht aber an, denn das Team ist zu klein um den Fall, der immer größere Ausmaße annimmt, adäquat zu untersuchen. Also tritt die Chefin der Truppe an Sebastian Bergman heran um ihn als Profiler anzuheuern. Grund genug für Vanja, die gerade von der Reichsmordkommission in Stockholm nach Uppsala gewechselt ist, wieder zurück zu wechseln. Doch als eine Leiche im Zusammenhang mit dem Vergewaltiger auftaucht, wird auch die Reichsmordkommission auf den Plan gerufen – shit happens.
Eine Frau, die alle Opfer kennt, ist Ingrid Drüber. Sie leitete vor einigen Jahren eine Gruppe innerhalb der Kirche. Heute steht sie mitten im Wahlkampf, denn sie will Bischöfin werden, weshalb sie nicht daran denkt, zur Polizei zu gehen, um ihr Wissen zu teilen – bis sie plötzlich selber zum Opfer wird …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 3/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 5/5
Spannung: 4/5
Showdown: 4/5

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt sind dick im Geschäft – nicht zuletzt als Drehbuchautoren, sondern vor allem als das Duo, das die Sebastian-Bergman-Reihe verantwortet. Mit deren Erfolg haben sie vermutlich selbst nicht gerechnet, denn mittlerweile ist hierzu der sechste Teil erschienen, den ich sehnlichst erwartet habe. Nun ist er endlich da und ich habe ihn natürlich innerhalb kürzester Zeit verschlungen und muss jetzt vermutlich wieder zwei Jahre auf eine Fortsetzung warten – was vielleicht auch besser ist, denn das Ende hat mich diesmal nicht so gecatched wie davor. Die Bergman-Reihe sollte man übrigens von Anfang an lesen, da die Charakter-Entwicklung meiner Meinung nach das Herzstück der Serie ist.

 

EINE SENSATIONELLE KONSTRUKTION 

Der Cliffhanger im Vorgänger,  „Die Menschen, die es nicht verdienen„, hat mich umgehauen, denn natürlich wollte ich wissen, wie es mit Billy weitergeht. Und das erfährt man fast direkt am Anfang. Er lässt sein unabsichtliches Opfer nämlich schlichtweg für einige Wochen weiterleben – zumindest im Internet. So manipuliert er Fotos, verfasst Facebook-Posts und kommuniziert mit dessen Freunden. Bis sich dann der Vater des Opfers bei ihm meldet, weil ihm aufgefallen ist, dass ein Foto manipuliert sein könnte – da gerät Billy in Bedrängnis.

Und Sebastian? Der ist immer noch ein sesxsüchtiger Unsympath, wobei ich mir mit dem Begriff „Sexsucht“ im Zusammenhang mit Sebastian immer noch schwertue. Er wechselt alle paar Wochen den Sexpartner – wäre er dreißig Jahre jünger, würde man das „Hörner abstoßen“ nennen. Na ja. Abgesehen davon finde ich seine Art als Außenstehender ziemlich erfrischend – er ist das Salz in der Suppe, das die Serie so gut macht. Und natürlich kämpft er wieder um die Gunst von Vanja, seiner Tochter, deren halbes Leben er zwar schon zerstört hat. Aber irgendwie versteht man ihn auch. Sebastian ist ein gebrochener Mann, seit er seine Frau und Tochter auf einen Schlag verloren hat. So etwas prägt einen, so etwas macht einen egoistischer und – ja – vielleicht entsteht dadurch auch eine – so called – Sexsucht. Dennoch entschuldigt sie nicht seine Aktionen, die er sich gegenüber Vanja geleistet hat.

Vor allem diese zwei Erzählstränge, die rund um Billy bzw. Sebastian und Vanja, werten dieses Buch auf. Daran hangeln sich Hjorth und Rosenfeldt durchs Buch. Sie bilden den roten Faden dieser Serie. Das ist ein einfaches Mittel, aber so wie die zwei es gestalten ist es auch verdammt effektiv – und zwar seit dem ersten Teil. Der restliche Plot ist Einheitsbrei, die Geschichte ist alles andere als neu, wenn man die Auflösung kennt, nur die Vorgangsweise des Täters ist etwas radikal.

Radikal ist auch das Zölibat, das Anne-Lie, die Chefin der Polizei in Uppsala, Sebastian auferlegt. Es kann nicht sein, dass alle anderen theoretisch fröhlich durch die Gegend vögeln dürfen, nur Sebastian nicht. Aber selbst hierfür haben Hjorth und Rosenfeldt einen Kniff eingebaut – also die Konstruktion ist sensationell, das muss man den Zweien lassen. Auch wenn man etwas braucht, bis man sich bei der Konstruktion zurechtfindet, denn diese wirkt zunächst komplex; viele Charaktere – Opfer, zwischendurch meldet sich auch der Täter in Form von tagebuchähnlichen Einträgen zu Wort, und natürlich die Ermittler –, Themen – Religion, Politik, Prostitution – und nicht zuletzt die Geschichten der Charaktere. Da muss man sich etwas reinfuchsen. Aber nichts, was man nicht bewältigen kann.

Zwischendurch stolpert man über ein paar Tippfehler, aber insgesamt ist es wiedermal eine runde Geschichte, auch wenn mich das Ende nicht so beeindruckt hat wie im Vorgänger. Dennoch haben Hjorth und Rosenfeldt wieder ein paar Cliffhanger dagelassen.

Tl;dr: „Die Opfer, die man bringt“ von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt ist eine stimmig konstruierte Geschichte, die zunächst etwas zu komplex wirkt, die aber definitiv bewältigbar ist. Die Themen rund um Sebastian und vor allem Billy werden weiter – aber bei Weitem nicht zu Ende geführt. Wir dürfen uns definitiv auf Teil sieben freuen.


Daten zum Buch 

Autor: Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt
Titel: Die Opfer, die man bringt
Originaltitel: En högre rättvisa
Übersetzung Ursel Allenstein, Ulla Ackermann
Seiten: 560
Erschienen am: 11. Oktober 2018
Verlag: Wunderlich 
ISBN-10: 9783805250887
ISBN-13:  978-3805250887

Werbeanzeigen

2 Gedanken zu „[Rezension] Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt: Die Opfer, die man bringt (Sebastian Bergman – Band VI)

  1. Thomas Bastian sagt:

    Den Titel – Die Opfer, die man bringt -, haben die beiden Autoren wohl auf sich bezogen.
    Denn genau so liest sich, zu meiner Überraschung, der sechste Sebastian Bergman Band.
    Äusserst flach und dazu eher zäh zu lesen.
    Während mich die vorherigen fünf Bände in ihren Bann zogen und ich diese regelrecht verschlungen habe, war ich vom sechsten Band sehr enttäuscht.
    Ein Gefühl drängte sich auf, als sei dieses Buch lustlos geschrieben und ein Fall unter Druck konstruiert werden müssen.
    Bleibt die Hoffnung, dass es nicht in diesem Stil weitergeht.

  2. Tino Plunert sagt:

    Der Nervenkitzel, die Spannung, der Wow-Effekt. Bücher einfach die süchtig machen. Leider hat mir genau das im sechsten Fall auf ganzer Linie gefehlt. Schade. Jetzt heißt es wieder warten.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.