[Rezension] Patrick Burow: Tödlicher Irrtum – Projekt Unschuld

Professor Heckscher wird zunehmend zur Plage. Er beleidigt seine Studenten und zu allem Überfluss ist er dem Alkohol – freundlich ausgedrückt – nicht abgeneigt. Also wird kurzerhand das Institut für Justizirrtümer geschaffen. Dieses Institut prüft abgeschlossene Fälle auf ihre Richtigkeit. Der Fall der getöteten Nele ist einer davon. Die Schwester von Jan Virchow richtet sich an das Institut – sie ist davon überzeugt, dass ihr Bruder die Neunjährige nicht getötet hat und zu unrecht in der Psychiatrie sitzt. Das Problem: Jan ist geständig. Florian und Saskia sind mit ihrem Jurastudium fast fertig und arbeiten ebenfalls im Institut für Justizirrtümer; sie untersuchen den Fall. Und dabei decken sie Unfassbares auf …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 2/5
Atmosphäre: 1/5
Charaktere: 2/5
Spannung: 2/5
Showdown: 3/5

Als Buchblogger treten dann und wann kleinere Autoren an einen heran und bitten einen um die Rezension ihres Buches. Mich freuen solche Anfragen immer, dennoch nehme ich die wenigsten an. Nicht so bei Patrick Burow. Er hat sich über meinen Blog informiert, hat Rezensionen gelesen – zumindest eine. Nämlich die von Andreas Grubers „Rachewinter“. Sein Buch schlägt in dieselbe Kerbe. Was mich aber dazu motivierte, das Buch zu lesen war, dass Burow promovierter Jurist ist. Das versprach Fachwissen und Authentizität. Aber hält es mit „Rachewinter“ mit? Die kurze Antwort: Nicht im Geringsten.

 

„Tödliches Irrtum“ gleicht einer literarischen Katastrophe

Die Hauptcharaktere in „Tödlicher Irrtum“ sind Florian und Saskia. Saskia ist die Tochter des Vizepräsidenten des Oberlandesgerichts und damit juristisch vorbelastet. Sie spürt ständig den Druck ihres Vaters; jeden Sonntag muss sie zum Essen zu ihm und ihrer Mutter kommen – ähnlich wie bei der TV-Serie „Gilmore Girls“ – und muss sich seinem Verhör stellen. Apropos Serien: Florian hinkt beim Stoff, den er für die Diplomprüfung lernen muss, ganz im Gegenteil zu Saskia, die blitzgescheit ist, hinterher. Dafür kennt er so ziemlich jedes Filmzitat und nervt damit nicht nur Saskia, sondern vor allem den Leser.

Dass die zwei seit einem Jahr ein Paar sind, merkt man überhaupt nicht. Sie sind Kollegen, Kommilitonen, aber garantiert kein Paar. Aber es steht ja offensichtlich im Handbuch für Krimis, dass man irgendwie ein sexuelles Prickeln, eine Spannung, eine zunehmende Annäherung zwischen Männchen und Weibchen einbauen muss – nur hat Burow da anscheinend irgendetwas verwechselt, denn Saskia und Florian verbringen ihre Freizeit nicht miteinander – von Sex mal ganz zu schweigen. Wenn es um die zwei Themen geht, blockt Saskia mit den Argumenten „muss lernen“ oder „bin müde“ ab. Und Florian nimmt es (sexuell) frustriert hin. Vielleicht ja morgen.

Vor allem die ersten Kapitel wirken teilweise wie Anekdoten. In einem Kapitel wird vor Florians Augen ein Schwan mit dem Auto überfahren. Florian kümmert sich rührend um das Tier. Storyrelevanz: Null. Ich gestehe dem Autor zu, dass er Florians Charakter bilden will, aber so wirkt es etwas hölzern. Vom Schwan hört man nie wieder etwas.

Buchbeginn von „Tödlicher Irrtum“

Generell fehlt es der Handlung an Substanz und Tiefe. Wenn man ein Kapitel liest, denkt man sich „Ja, super, mehr davon“. Aber bevor man den Gedanken zu Ende gedacht hat, ist das Kapitel aus und man fragt sich, warum. Das ist schade, denn die Idee an sich ist gut und man kommt auch flott durchs Buch, aber ich will in den einzelnen Kapiteln mehr haben. Mehr Tiefe. Ich will lesen, wie ein Charakter sich am Morgen aus dem Bett quält, frühstückt, die News im Internet checkt, sich auf den Tag vorbereitet. Ich will lesen, wie sich Saskia und Florian am Ende einer Befragung eines Zeugen austauschen. Ich brauche nicht alles davon, aber solche grundlegenden Dinge fehlen dem Buch leider komplett. Der Zeuge wird befragt, Kapitel Ende. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass sich Burow zum Schreiben gezwungen hat. Das wird auch dadurch bekräftigt, dass man am Ende der Kapitel viel leeren Raum auf den Seiten findet und die Kapitel bei der Hälfte der Seite beginnen. Wenn man das abzieht, kommt man vielleicht auf 200 von insgesamt 270 Seiten.

Natürlich gibt es einen Haufen juristisches Fachwissen, welches auch sehr verständlich und anhand praktischer Beispiele beschrieben wird. Das ist gut so, das erwartet man aber auch von einem promovierten Juristen. Auch der Showdown ist passabel inszeniert. Dennoch, um mich zu begeistern, fehlt es in „Tödlicher Irrtum“an einigem.

Tl;dr: „Tödlicher Irrtum“ von Patrick Burow hat eine gute Idee, die Umsetzung gleicht aber einer literarischen Katastrophe. Die Figuren werden dem Leser unbeholfen näher gebracht; dass die Protagonisten ein Liebespaar sein sollen, glauben nicht mal sie selber und der Story fehlt es hinten und vorne an Substanz und Tiefe. Man bekommt den Eindruck, dass sich der Autor zu diesem Buch gezwungen hat.

Daten zum Buch 

Autor: Patrick Burow
Titel: Tödlicher Irrtum – Projekt Unschuld
Seiten: 268
Erschienen am: 6. November 2018
Verlag: Edition M
ISBN-10: 2919804545
ISBN-13:  978-2919804542

3 Gedanken zu „[Rezension] Patrick Burow: Tödlicher Irrtum – Projekt Unschuld

    • Krimisofa sagt:

      Interessanterweise schneidet das Buch auf Amazon total gut ab. Ich dachte schon, ich hab das Buch komplett verkannt – aber das war mir dann doch viel zu wenig.

      • elizzy91 sagt:

        Ich hatte das auch schon, dass ein Buch total gehypt wurde und ich es eher durchschnittlich fand 😀 Zum Glück ist Lesen Geschmackssache 😀

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