[Rezension] John Katzenbach: Der Verfolger (Frederick Starks – Band #2)

Manchmal wiederholt sich Geschichte, fragt nach beim Psychoanalytiker Frederick Starks. Vor fünf Jahren hat er Mr R oder Rumpelstilzchen oder Zimmerman – sucht euch einen Namen aus – getötet und nun steht Mr Rs scheinbares Phantom in seiner Praxis, hält ihm eine Pistole an die Brust und zeigt ihm ein Video. Darin sieht er eine Altbekannte: die Schauspielerin und Schwester von Mr R auf einer Theaterbühne. Plötzlich wird ihr souffliert „Töte deinen Bruder“. Mr Rs Bruder, den Ricky Starks nur unter dem Namen Merlin kennt, soll getötet werden. Von wem auch immer, von Ricky oder dem Mörder aus dem Video; wenn sich Merlin selbst richtet, ist es auch okay. Das kann Starks eigentlich nur recht sein, nachdem, was sie, Merlin und seine Schwester, ihm vor fünf Jahren angetan haben. Doch er soll den zukünftigen Mörder finden und töten, andererseits wird Ricky getötet … 

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 5/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 5/5
Showdown: 5/5

Prolog: John Katzenbach war einer der ersten Thriller-Autoren, die ich gelesen habe – dachte ich und schrieb es in den Text bei der [Vorschau #15]. Bis ich zuletzt herausfand, dass ich den Vorgänger zu „Der Verfolger“, „Der Patient“, 2009 gelesen habe. Zu dieser Zeit habe ich schon jahrelang Thriller gelesen. Immerhin war der Eindruck des „Patienten“ so nachhaltig, dass ich eine entsprechende Erinnerung hatte, denn „Der Patient“ habe ich mehr als positiv in Erinnerung. Aber was ist „Der Verfolger“? Fanservice für Leser des „Patienten“ oder auch ein Service für neue Leser?


locker-leichte Kost für zwischendurch


Frederick Starks hat sein Leben zurück, nachdem er fünf Jahre durch Amerika getingelt und sich als Wanderpsychiater bezeichnet hat. Unter anderem war er in New Orleans nach den verheerenden Überschwemmungen und hat Menschen mit PTBS – Posttraumatische Belastungsstörung – behandelt. Heute lebt er in Miami und behandelt in seiner Praxis wohlhabende Menschen und arbeitet Teilzeit in einer psychiatrischen Klinik, wo er unter anderem den bipolaren Charlie behandelt. Nun muss er wieder zu seiner alten Wirkungsstätte in New York, nachdem ihm Mr R ein verheerendes Video gezeigt hat. Dort soll er die Geschwister von Mr R, die Schauspielerin Virgil und den Anwalt Merlin, treffen und sie vor dem Übeltäter, der in dem Video einen Teddybären Namens Paddington köpft, beschützen, indem er den Teddybärmörder findet und tötet. Dem Übeltäter verpasst Frederick, der durchgehend Ricky genannt wird, den recht sperrigen Namen Jack the Paddington Ripper. Ricky genießt es sichtlich, wie sich das Blatt plötzlich gewendet hat, denn nun hat er – anders als vor fünf Jahren – das Heft des Handelns in der Hand. Genau genommen würde es reichen, wenn irgendjemand Merlin töten würde und das Thema wäre erledigt. Aber das passiert nicht – und da Ricky Starks offenbar Herausforderungen liebt, tötet auch er ihn nicht. Wäre auch blöd, denn dann hätte „Der Verfolger“ nur hundert und nicht fünfhundert Seiten.

Erster Satz „Der Verfolger“

Katzenbach kann beides, schwere Thematik wie in „Das Tribunal“, oder locker-leichte Kost, die man im Urlaub am Strand weglesen kann. Letzteres schafft er mit seinem aktuellen Werk gut bis sehr gut. „Der Verfolger“ spielt zu Beginn genau dort wo Katzenbachs Debüt, „Der Reporter“, spielt, nämlich in Miami. Doch dabei bleibt es nicht, auch wenn es in New York, der zweiten aber bei weitem nicht letzten Station, ebenfalls heiß hergeht. Doch bleiben wir noch kurz im warmen Miami, dort wirkt Starks wie vom Donner gerührt, als sein ehemaliger Widersacher plötzlich in seiner Praxis auf der Psychoanalytiker-Couch liegt. Denn Starks dachte eigentlich, dass er Mr R. getötet hätte. Doch dieser ist wie Sherlock Holmes nach dem Sturz in die Reichenbachfälle quicklebendig – auch wenn er eher die Rolle des Professor Moriarty einnimmt. Starks hat also nicht wirklich eine Wahl und muss den ominösen Jack the Paddington Ripper finden und zur Strecke bringen. Dabei stellt er sich nicht ungeschickt an, packt seine Psychoanalytiker-Skills aus und beweist sich auch als Schauspieler. Am besten gefielen mir jene Szenen, in denen er den Leuten eiskalt ins Gesicht lügt um ans Ziel zu kommen – der Zweck heiligt die Mittel.

Ob das im echten Leben funktioniert, sei mal dahingestellt, schließlich wollen wir ja unterhalten werden, und das gelingt Katzenbach vortrefflich. Wir fliegen regelrecht durchs Buch, und wenn mal nicht, dann nicht immer ohne Grund. Das Buch teilt sich bei der Hälfte und dann nochmal vor dem letzten Viertel in insgesamt drei Teile. Musik spielt keine unwesentliche Rolle, aber auch keine übergeordnete. Jeder Teil wird mit einem textlichen Auszug eines mehr oder weniger bekannten Liedes eingeführt und der letzte Teil hat auch Kapiteltitel. Davor müssen wir uns mit Nummern zufriedengeben.

Bei gesellschaftlichen wie sportlichen Fragen darf man Katzenbach aber durchaus hinterfragen, denn wenn man sein Einkommen von wohlhabenden Menschen bekommt, wie es bei Starks der Fall ist, zählt man sicher nicht zur amerikanischen Mittelschicht, wie dem Leser suggeriert wird. Und der Superbowl findet nicht an einem Samstag, sondern sonntags statt. Auch das Szenario war mir anfangs nicht ganz klar. Warum soll Starks den kommenden Mörder finden und stoppen? Entweder wird das unzureichend erklärt oder ich war zu Beginn des Buches nicht ganz konzentriert (was ich alles andere als ausschließe). Am Ende wird aber alles klar.


Epilog: „Der Verfolger“ von John Katzenbach ist locker-leichte Kost für zwischendurch und ein mehr als gelungener Nachfolger des „Patienten“. Wer an einen seichten Aufguss dessen glaubt, liegt definitiv falsch, auch wenn beide Teile einige Parallelen haben – dennoch kehren sich auch einige Dinge ins Gegenteil oder sind komplett neu. Wer nun fürchtet, dass er jetzt sicher zuerst „Der Patient“ lesen muss: nicht unbedingt. Natürlich wäre es kein Nachteil und – um die Frage oben zu beantworten – „Der Verfolger“ ist meiner Meinung nach größtenteils Fanservice für Leser vom bis dato besten Katzenbach, „Der Patient“; alleine wegen der zahlreichen Rückgriffe, die den Leser – oder zumindest mich – ein Stück weit in Nostalgie schwelgen lassen. Dennoch ist „Der Verfolger“ auch für neue Leser wunderbar zu lesen.

Daten zum Buch 

Autor: John Katzenbach
Titel: Der Verfolger 
Originaltitel: The Analyst II
Übersetzung: ?
Seiten: 496
Erschienen am: 27. Dezember 2018
Verlag: Droemer TB
ISBN-10: 3426306662
ISBN-13: 978-3426306666

l, aber „Der Verfolger“ blickt so oft zum „Patienten“ zurück, dass er auch ganz gut alleine funktioniert.

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