[Rezension] Dean Koontz: Gehetzt (Jane Hawk – Band #2)

Jane Hawk will die Welt retten – immer noch. Seit drei Monaten ist sie unterwegs durch die USA und ist davon überzeugt, dass David James Michael die Bevölkerung unterjochen will. Genozid auf die perfideste aller Arten. Ihr Ehemann Nick hat sich aus scheinbar freien Stücken das Leben genommen – seitdem ist Jane auf der Reise und Flucht gleichzeitig. Sie muss Beweise finden, bisher hat sie nur Indizien und Quellen, denen sie vertraut.
Zur selben Zeit begeht die ehemalige Lehrerin Cora Gundersun einen Anschlag, zündet sich und ihr Auto an und fährt mit bester Laune in ein Hotel und tötet fast fünfzig Menschen. Das FBI beendet die Ermittlung recht bald. Der hiesige Sheriff Luther Tillman nicht, denn er ist irritiert. Nicht nur von der raschen Beendigung der Ermittlungen, sondern auch von einem Notizbuch, das er in Gundersuns Haus findet und in dem er die immer gleichen Wörter findet. Bis er auf drei Wörter stößt, die nicht in das Wort-Stakkato passen wollen. Iron, Furnace und Lake. Was hat das zu bedeuten? Tillman geht dem nach und stößt nicht nur auf Unfassbares, sondern auch auf eine Verbündete …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 3/5
Spannung: 4/5
Showdown: 3/5

Prolog: „Suizid“, der Vorgänger und erste Teil der Jane-Hawk-Trilogie, hat mich zu Dean Koontz zurückgebracht, nachdem ich sechs Jahre aus Enttäuschung keinen Koontz gelesen habe. So richtig gefreut habe ich mich auf „Gehetzt“ aber dennoch nicht, weil mir „Suizid“ zu düster war. Bevor man dieses Buch liest, sollte man allerdings unbedingt den Vorgänger lesen – alles andere macht keinen Sinn, weil „Gehetzt“ unmittelbar an „Suizid“ anschließt.


 

eine klare Steigerung zu „SuiziD“


Zu Beginn lesen wir über Jane Hawk, dass sie sich an den Journalisten Lawrence Hannafin wendet. Sie will die Umtriebe von David James Michael öffentlich machen. Der Chef von Far Horizon strebt eine Welt voller Frieden und Harmonie an. Daran ist eigentlich nichts verwerflich und man kann diese Idee bestimmt auch gut vermarkten – wer von uns wünscht sich keine friedliche Welt? Der Weg von D.J. Michael ist allerdings etwas extrem, denn er spritzt den Leuten ein Serum und verpasst ihnen kurzerhand eine Gehirnwäsche. Beweise hat Jane keine, weshalb sie von außen betrachtet durchaus als verrückt oder – freundlicher ausgedrückt – als Verschwörungstheoretikerin abgekanzelt werden könnte. Sie kämpft also gegen Windmühlen.

Zur selben Zeit lernen wir Cora Gundersun kennen, die jede Nacht denselben Traum hat. Sie tänzelt leichtfüßig durchs Feuer und wird nicht verletzt. Die Menschen außerhalb des Feuers bewundern sie dafür. Wenn sie aufwacht, schreibt sie in einer ihrer Notizbücher – was, weiß sie danach nicht mehr. Spätestens da wissen wir, dass mit der Frau etwas nicht stimmt. Kurz darauf kracht sie brennend mit dem Auto in ein Hotel – nur dass ihr diesmal niemand zujubelt.

Im weiteren Verlauf lernen wir noch Luther Tillman kennen, ein sympathischer Familienvater und beliebter Sheriff. Er übernimmt nach Gundersuns Ableben ihren Erzählstrang. Wir lernen noch andere Charaktere kennen, aber Jane und Luther sind die Wichtigsten.

Erster Satz Dean Koontz – Gehetzt

Es ist schon ein reichlich absurdes Szenario, das Dean Koontz hier beschreibt. Ein Milliardär, der allen Menschen am liebsten eine Gehirnwäsche verpassen würde, um ihnen seine Vorstellung einer perfekten Welt aufzuzwingen. Oder ist es gar nicht so absurd, sondern nur eine extreme Version dessen, was auf unserer Welt ohnehin schon passiert? Sind wir nicht längst auf den Weg dorthin, wo die Jane-Hawk-Reihe spielt? Lenken wir das Internet und damit unser Leben noch selbst oder lenken Algorithmen längst unser Leben? Alles Fragen, über die sich nachzudenken lohnt.

Aber natürlich treibt es Dean Koontz gnadenlos auf die Spitze. Er lässt eine Frau mit einer Fackel in ein Hotel fahren und sie hat auch noch Freude dabei. Ein Bösewicht, der Leute programmiert und die sich dann verhalten wie hypnotisierte Zombies – mit dem Unterschied, dass diesmal keiner schnipst, um sie zu wecken. Das ist alles Science Fiction und wird hoffentlich immer Fiktion bleiben, dennoch ist es stellenweise sehr gruselig, das zu lesen. Denn es spielt in der realen, in unserer Welt. In einer Welt, in der es – und das wissen wir alle – genügend Menschen gibt, die solche machtgeilen Ideen haben. Und wer weiß, vielleicht gibt es diese koontzsche Technologie in irgendeinem Geheimlabor bereits.

Dennoch, die Geschichte ist eine Gute und es macht Spaß, in diese Welt einzutauchen, in der Jane Hawk buchstäblich „against all odds“ für den Verbleib der „alten“ Welt kämpft. Auch die Stimmung, die mir bei „Suizid“ noch etwas zu düster war, gefiel sie mir diesmal richtig gut. Und mit Luther Tillman hat Koontz einen Charakter eingeführt, der mir sofort ans Herz gewachsen ist – ich hoffe, wir sehen ihn im dritten und abschließenden Teil wieder.

Was mir nicht so gut gefallen hat, ist, dass Jane etwas zu viel Glück hat. Sie vertraut und misstraut immer genau den richtigen Menschen. Mag sein, dass sie eine gute Menschenkenntnis hat, aber selbst oder vor allem mit siebenundzwanzig hat man diesbezüglich noch lange nicht ausgelernt. Am krassesten zeigt sich das im dritten von insgesamt sechs Teilen, die das Buch hat, als sie ihre scheinbaren Hellseher-Skills auspackt und sich bei einem Nebenschauplatz, schon bevor es passiert, ausmalt, was passiert – und dies dann genau so eintritt. Ich glaube nicht, dass man in der FBI-Ausbildung lernt, in eine Glaskugeln zu schauen. Dennoch fand ich „Gehetzt“ besser als „Suizid“ und diesmal freue ich mich auf den dritten Teil.


Epilog: „Gehetzt“ von Dean Koontz ist eine klare Steigerung zum, meiner Meinung nach, viel zu düsteren Vorgänger „Suizid“. Auch wenn es diesmal etwas gruselig werden kann, macht es Spaß, in Dean Koontz‘ Welt einzutauchen, in der wir neben der altbekannten Jane Hawk auch den grundsympathischen Sheriff Luther Tillman kennenlernen. Auch wenn es diesmal ein paar mehr Schwächen als im Vorgänger gibt, macht „Gehetzt“ sehr viel Spaß.

Daten zum Buch 

Autor: Dean Koontz
Titel: Gehetzt
Originaltitel: The Whispering Room
Übersetzung: ?
Seiten: 544
Erschienen am: 1. Februar 2019
Verlag: HarperCollins
ISBN-10: 3959672411
ISBN-13: 978-3959672412

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