[Rezension] Nina Laurin: Böser als du denkst

Oh Mann, was ist den jetzt passiert? Wie kommt mein Auto in einen Baum? Mir tut alles weh. Die Sanitäter fragen mich, ob ich mich an irgendetwas erinnern kann, aber ich habe keine Ahnung, was oder wie es passiert ist. Eine Gestalt, daran kann ich mich erinnern, da war eine Gestalt vor dem Unfall. Aber es ist alles so diffus, ich weiß nicht, wer oder was das war. Jetzt bin ich im Krankenhaus. Meine Adoptivmutter will mich aber bei ihr haben – aber ich will nicht zu Cynthia, kann mich aber nicht wehren. Mein Ex-Verlobter Milton ist auch da. Oh Mann, so viele Menschen, die ich eigentlich nicht sehen will. Lasst mich einfach in Ruhe. Und dann zappe ich in Cynthias Haus durch die Fernsehprogramme und erwische einen News-Channel. Mir stockt der Atem. Mord. Könnte mir egal sein, wenn mein Zwillingsbruder nicht der Hauptverdächtige wäre – fuck …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 4/5
Showdown: 3/5

Prolog: „ESCAPE“, das Debüt von Nina Laurin, hat mich beeindruckt. Der Schreibstil war düster, spannend und vor allem atmosphärisch. Die Protagonistin war interessant, sie hatte eine schreckliche Vergangenheit. Das setzt sich hier fort, wenngleich „Böser als du denkst“ komplett anders ist. Aber Parallelen sind definitiv erkennbar. Mich hat auch dieses Buch beeindruckt – wenngleich auf eine andere Weise.


ein passabler Psychothriller, den man gerne mal lesen kann


Andrea ist ein gebranntes Kind, im wahrsten Sinne des Wortes. Als sie zwölf war, wurde das Haus, in dem sie mit ihrer Familie lebte, abgefackelt. Ihre Eltern starben, sie und ihr Zwillingsbruder Eli überlebten. Eli wurde beschuldigt, das Haus in Brand gesetzt zu haben und wanderte ins Gefängnis. Schnitt – Gegenwart: Andrea ist siebenundzwanzig und hat keinen Kontakt zu ihren Bruder. Sie arbeitet als Sozialarbeiterin in einem Obdachlosenasyl für Jugendliche – bis jetzt. Ihr Bruder wird jetzt des Mordes bezichtigt und Andrea soll der Schlüssel zu ihm sein. Weiß sie etwa, wo er ist? Sie schweigt.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von „Böser als du denkst“ halten soll. Es ist „ESCAPE“ dann doch sehr ähnlich. Wir haben wieder eine weibliche Protagonistin, sie wirkt wieder sehr labil und wird als ewiges Opfer hingestellt. Auch wenn die Geschichte oberflächlich betrachtet eine andere ist, ist sie der von „ESCAPE“ doch sehr ähnlich. Dennoch haben wir trotz dicht beschriebener Seiten ein sehr flottes Tempo, Andrea ist trotz allem ein sehr interessanter Charakter und auch die Nebencharaktere – wie etwa die herrisch anmutende Cynthia oder der weinerliche Milton – passen passabel ins Setting.

Erster Satz „Böser als du denkst“

Zwischendurch gibt es immer wieder eine Reise in Andreas Vergangenheit, als sie zwölf war und in der Schule gemobbt wurde. Diese Kapitel werden mit Auszügen eines ominösen Buches eingeleitet, in dem es um Eli und dem Brand des Hauses geht. Danach erfahren wir mehr über Andreas Kindheit. Und so fügt sich die Geschichte schließlich. Insgesamt ist die Geschichte auf einer ziemlichen Meta-Ebene, denn im Prinzip geht es immer um Eli und seine (Schand)Taten – aber immer aus der Sicht Andreas. Das bildet tatsächlich einen wichtigen Unterschied zu „ESCAPE“. Das ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber doch besser, als wenn wir zum x-ten Mal einem Ermittler über die Schulter schauen.

Der Showdown ist voller Cliffhangern und einer Menge Geschwisterliebe – mehr oder weniger zumindest. Negativ ankreiden kann man dem Buch, dass es grob vorhersehbar ist und wie geschrieben, dem Vorgänger meiner Meinung nach zu ähnlich ist. Was etwas fehlt, ist die Atmosphäre, die bei „ESCAPE“ allgegenwärtig war – auch das bildet einen Unterschied zum Vorgänger. Abgesehen davon hat mich noch nie ein Buch so unbefriedigt zurückgelassen wie dieses. Ein ausführlicher Epilog hätte dem Buch ganz gutgetan. Dennoch ist „Böser als du denkst“ ein passabler Psychothriller, den man gerne mal lesen kann.


Epilog: „Böser als du denkst“ von Nina Laurin weist etliche Parallelen zu Laurins erstem Buch, „ESCAPE“ auf, dennoch gibt es ein paar wichtige Unterschiede. Die Protagonistin ist jetzt nicht gerade der sympathischste Mensch der Welt, bildet aber ein wichtiges Bindeglied zum eigentlichen Hauptakteur der Geschichte. Hintenraus hinterließ mich das Buch ziemlich unbefriedigt – ein ausführlicher Epilog hätte dem Buch ganz gutgetan.

Daten zum Buch

Autor: Nina Laurin
Titel: Böser als du denkst
Originaltitel: What My Sister Knew 
Übersetzung: Alice Jakubeit
Seiten: 384
Erschienen am: 1. März 2019
Verlag: Knaur HC
ISBN-10: 3426654113
ISBN-13: 978-3426654118

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.