[Rezension] Wiebke Lorenz: Einer wird sterben

Stella hat Angst. Riesengroße Angst. Ihr Mann Paul ist nicht da und gegenüber ihres Hauses steht ein Auto. Darin zwei Menschen. Sie sitzen einfach nur da und tun – nichts. Tagelang. Stella ist völlig alleine in der Villa, nicht mal ihr Kater, der Paulchen heißt und den Paul – unter anderem wegen des Namens – nicht mag lässt sich blicken, streunt wahrscheinlich draußen herum. Wissen die Leute etwa etwas von damals? Das kann nicht sein, keiner weiß etwas darüber. Sie hat bestimmt nichts verraten, sie hat gelernt, mit dieser Lüge zu leben, und Paul wäre schön blöd, etwas darüber auszuplaudern. Aber warum nur steht dieses Auto da? Stella verzweifelt…

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 3/5
Charaktere: 3/5
Spannung: 2/5
Showdown: 2/5

Prolog: Wiebke Lorenz, wer war noch mal Wiebke Lorenz? Das habe ich mich gefragt, als ich sprichwörtlich über „Einer wird sterben“ gestolpert bin. Und dann fiel es mir ein – oder auch nicht. Denn ich verband sie zwar mit einem Buch, das ich vor Jahren gelesen habe, allerdings mit dem Falschen. Spricht das jetzt gegen die Autorin? Vielleicht. Aber definitiv spricht es gegen mein Erinnerungsvermögen. Ich verband sie nämlich mit Petra Buschs „Zeig mir den Tod“, was ich nicht schlecht fand. An Wiebke Lorenz‘ „Alles muss versteckt sein“, das ich ebenfalls gelesen habe, habe ich allerdings überhaupt keine Erinnerung – und das spricht definitiv gegen die Autorin. Und „Einer wird sterben“ wird wohl ebenfalls in die Kategorie „Erinnerungslücken“ fallen.


 

der Plot gibt trotz des Settings einiges her.


Stella allein zu Hause. So hätte man das Buch auch nennen können, denn sie führt sich ähnlich auf wie Macaulay Culkin in seinen besten Filmen. Stella müsste eigentlich nur atmen, denn finanziell hat sie ausgesorgt, seit sie mit dem Flugkapitän Paul verheiratet ist. Sie wohnt in einer Villa in einem reicheren Viertel, hat eine Haushälterin, die zweimal die Woche kommt und hat ein Auto. Dennoch ist sie unzufrieden, weil Paul nicht da ist und sie vor diesem Auto beschützt. Ein Auto! Was soll das denn, dass ein Auto auf der Straße steht? Es könnte ja sonst was machen, aber auf der Straße stehen? Unglaublich! Und Paul ist ja auch nie erreichbar – es ist zum Durchdrehen. Und das tut Stella auch irgendwann. Sie ist bei weitem kein sympathischer Zeitgenosse.

Erster Satz „Einer muss sterben“

Was kann man dem Buch zugutehalten? Es ist gut zu lesen, man kommt gut durch und es gibt keine Längen. Das erwartet man aber von einem Menschen, der Germanistik studiert und als Journalistin gearbeitet hat, auch. Das mit dem Auto stellt Lorenz auch gut an, denn irgendwann wollte ich tatsächlich wissen, was es damit auf sich hat. Stella ist dabei aber ein Nervenbündel sondergleichen – nicht dass sie bei den Herrschaften nachfragt, was dieser Stellungskampf soll. Nein, sie dreht lieber fünfmal durch. Nicht, dass sie einfach einen Kurzurlaub bucht und wegfährt oder -fliegt – nein, sie malträtiert lieber ihr Smartphone und fleht ihren Mann an, dass er sich am besten vom anderen Ende der Welt hierher zu ihr beamen soll. Sie macht es dem Leser beileibe nicht einfach.

In Kapitel eins bringt uns Lorenz die Nachbarschaft näher; in Kapitel zwei Stellas Geschichte und Verhältnis mit Paul. Und tatsächlich soll beides noch seine Bedeutung bekommen. Und das Flower-Bay-Quartier, ein Mehrfamilienhaus, das laut dem Lehrer Egon Scharff so gar nicht in den beschaulichen Wendehammer in der Blumenstraße passen will, soll auch noch eine Rolle spielen. Direkt neben Stella und Paul leben auch noch die Wagners, von denen die Frau an einer Muskelerkrankung leidet. Dieses Thema wurde für mich aus persönlichen Gründen hochemotional – Lorenz setzt hier auch ein politisches Statement, dem ich nur zustimmen kann.

Leider ist das Buch aber nicht besonders spannend. Da steht ein Auto – na und? Deshalb flippt man nicht gleich fünfmal in der Stunde aus. Und die Hintergrundgeschichten wird dem Leser leider viel zu spät erklärt. Abgesehen davon ist die Auflösung zumindest in Teilen vorhersehbar. Dafür muss man kein Meisterdetektiv sein. Ob ich nach dieser Lektüre ein weiteres Buch von Wiebke Lorenz lesen will? Puh … dazu kann ich nur ein klares Jein äußern. Mal sehen.


Epilog: „Einer wird sterben“ von Wiebke Lorenz ist weder besonders gut, noch abgrundtief schlecht. Die Protagonistin ist zwar schwer auszuhalten, aber der Plot gibt trotz des Settings – ein unheimliches Auto – einiges her. Auch wenn es nicht besonders spannend und zudem vorhersehbar ist, kann man es lesen. Die Nachbarschaft wächst einem ja doch irgendwie ans Herz.

Daten zum Buch 

Autor: Wiebke Lorenz
Titel: Einer wird sterben 
Seiten: 352
Erschienen am: 27. Februar 2019
Verlag: Fischer
ISBN-10: 3651025411
ISBN-13: 978-3651025417

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