[Rezension] Susanne Kliem: Lügenmeer

Magnus kommt nach fast zwanzig Jahren in seine alte Heimatstadt zurück. Er eröffnet eine Kanzlei und will ein Boot kaufen – jenes Boot, an dem er vor seinem Weggang mitgebaut hat. Dass er weggegangen ist, hatte einen triftigen Grund: Er wurde als Mörder tituliert, obwohl er vor Gericht freigesprochen wurde. Was war passiert? Milla, ein Mitglied der Clique, in der Magnus war, wurde vom Sprungturm des hiesigen Hallenbades gestoßen, und Magnus soll laut der Bevölkerung der Übeltäter gewesen sein. Die Gerüchteküche hat damals Mechthild Wagemann betrieben, eine einflussreiche Person in der Stadt – sie war maßgeblich an Magnus‘ Abgang verantwortlich. Nun will der Jurist sein Gesicht zurück und mit den Lügen aufräumen. Allerdings stößt er dabei auf massiven Widerstand…

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 5/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 4/5
Showdown: 4/5

Prolog: Susanne Kliem lernte ich literarisch vorletztes Jahr kennen. Ich las „Das Scherbenhaus“ und war beeindruckt. Kliem wurde mit nur einem Buch eine meiner Lieblingsautorinnen. Das hatte nicht nur mit der Thematik in „Das Scherbenhaus“ zu tun – ein Titel, der übrigens mehr als passend ist -, sondern vor allem mit dem Schreibstil, der zum wohlfühlen einlädt. Nun kam „Lügenmeer“ heraus. Und obwohl mich der Klappentext diesmal gar nicht so ansprach, war es wieder ein Leseerlebnis der Extraklasse.


Für mich ist Kliem eine der meist unterschätzten Autoren im deutschsprachigen Raum .


Magnus ist geächtet in seiner Heimatgemeinde Schwanbeck bei Kiel. Er wurde vor Gericht mangels Beweisen freigesprochen und trotzdem von der Bevölkerung beschuldigt. Trotzdem und gerade deshalb kommt er nach fast zwanzig Jahren zurück um hier zu leben. In der Zwischenzeit lebte er in Hamburg, heiratete und zeugte ein Kind. Die Ehe ist kaputt, also back to the roots. Gras war keines über die Sache gewachsen, das merkt man schon nach den ersten Seiten, als Magnus vom ehemaligen Bademeister als Mörder bezeichnet wird. Der ehemalige Bademeister spielt zwar keine zentrale Rolle, umso mehr dafür seine ehemalige Wirkungsstätte – das Hallenbad. Jener Ort, der das Leben von Magnus, von der ganzen Bevölkerung, verändert hat. Millas Leben wurde hier zerstört, Magnus‘ und vielleicht einigen anderen ebenfalls. Heute ist das Bad verwahrlost und ragt wie ein Mahnmal auf.

Neben Magnus bekommen noch Svenja und Annik jeweils einen Erzählstrang. Svenja gehörte damals zum inneren Kreis der Clique. Und Annik gehörte irgendwie auch dazu, war und ist heute noch etwas jünger als Magnus und Svenja. Sie kehrte vor einem halben Jahr zurück nach Schwanbeck, weil ihre Tante Mechthild Wagemann Krebs hat. Sie soll das Buchgeschäft ihrer Tante übernehmen. Svenja hingegen ist Physiotherapeutin und mit Enno verheiratet, der ebenfalls eine sehr interessante Rolle spielt. Svenja hat im Gegensatz zu Magnus und Annik die Stadt nie verlassen. Auch geht sie immer wieder in das alte Hallenbad – es beruhigt sie.

Erster Satz „Lügenmeer“

Im „Scherbenhaus“ hat sich Susanne Kliem mit der Smart-Home-Technologie auseinandergesetzt. So etwas wie Amazons Alexa in ganz groß. Die Gegensätze zwischen „Das Scherbenhaus“ und „Lügenmeer“ könnten größer kaum sein. Diesmal verschlägt es den Leser in ein kleines Städtchen, in der jeder jeden kennt. Die größte technische Errungenschaft ist Whatsapp. Trotz dieser Diskrepanz hat Kliem es geschafft, mich innerhalb weniger Seiten in den Bann zu ziehen. Ich mag ihren locker-leichten Schreibstil, bei dem man sich entspannt zurücklehnen und einfach nur zu entspannen kann. Falls ihr die Bücher von Susanne Kliem noch nicht kennt: Lest sie. Für mich ist sie eine der meist unterschätzten Autoren im deutschsprachigen Raum .

Neben der Gegenwart reisen wir immer wieder ins Jahr 1998 zurück, jenem Jahr, in der das Unglück, der Tod von Milla, geschah. Da lernen wir eben auch Milla, ihre Art und Unart, kennen. Sie ist mitunter ein sehr interessanter Charakter – eigentlich jener Charakter, der im Zentrum der Geschichte steht. Aber es geht nicht nur um die Charaktere, wir erfahren auch einiges über Segelboote, werden damit aber auch nicht erschlagen. Es geht primär aber doch um Zwischenmenschliches, das Leben in einer Kleinstadt und um Macht – Macht, die Leben zerstören kann.

Am Ende lässt es Kliem noch mal richtig krachen, da überschlagen sich die Ereignisse gehörig. Insgesamt macht „Lügenmeer“, bei dem der Titel Programm ist, von vorne bis hinten Spaß, ist spannend und die Atmosphäre ist auch sehr stimmig. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Buch von Susanne Kliem.


Epilog: „Lügenmeer“ von Susanne Kliem ist spannend, macht Spaß und bringt die richtige Atmosphäre mit. Es erzählt uns einiges über dörflich-gesellschaftliche Strukturen und wie einfach man Leben – nicht nur physisch – zerstören kann. Ich mag den locker-leichten Schreibstil Kliems und warte sehnsüchtig auf ihr nächstes Werk.

Daten zum Buch 

Autor: Susanne Kliem
Titel: Lügenmeer
Seiten: 320
Erschienen am: 11. März 2019
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3608503654
Preis Print: 15 Euro
Preis Digital: 12,99 Euro
(Preise können abweichen)

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