[Rezension] Steen Langstrup: Die Insel

Noa fliegt mit Selina in den Urlaub. Als Programmierer verdient er mittlerweile ziemlich gut, weshalb die zwei in einem besseren Hotel logieren. An einem Abend macht er seiner Traumfrau einen Heiratsantrag, dem sie zustimmt. Am nächsten Tag unternehmen sie eine sehr exklusive Schnorcheltour auf einer einsamen Insel. Alles ist perfekt bis zu dem Moment, als sich Selina eine Wunde auf dem Knie zuzieht und daran stirbt. Das ist Noas Version der Geschichte. Noa sitzt nun im Gefängnis und wird mit dem Vorwurf konfrontiert, Selina getötet zu haben. Das Problem, das Noa nun hat: In dem Land, in dem sich Noa gerade befindet, steht auf Mord die Todesstrafe …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 2/5
Atmosphäre: 1/5
Charaktere: 1/5
Spannung: 1/5
Showdown: 1/5

Prolog: Steen Langstrup steht nicht für Weltliteratur. Steen Langstrup steht für seichte Literatur, die sich irgendwo zwischen Thriller und Horror ansiedelt. Ich habe sein deutsches Debüt „Finale“ gefeiert. Ich fühlte mich von der Geschichte, die sich primär in einer Tankstelle abspielt, gut unterhalten, weshalb ich mich auf sein neues Buch gefreut habe, obwohl ich nicht viel mit Inselsettings anfangen kann – ich hätte Steen Langstrups neuestes Werk lieber nicht gelesen.


eine herbe Enttäuschung


Noa Simon Poulsen kommt, wie seine Freundin Selina, aus Dänemark. Er ist 32, sie 28, die beiden kennen sich seit fünf Jahren, und nun wollen die zwei vor den Altar treten. Noa scheint mit Selina den Jackpot geknackt zu haben, denn sie sieht anscheinend unfassbar gut aus. Straffer Bauch, strammer Po, das Gesicht eine Augenweide – und klug ist sie auch noch! Selina liebt die Bücher und das Lesen und bald ist sie auch noch Ärztin – was man ihr nicht mal im Ansatz anmerkt, so lapidar, wie sie ihre Kniewunde abtut. Noa ist hingegen nicht gerade hübsch, dürr und auch noch eifersüchtig. Falls das kein Scherz von Langstrup ist, ist es dann doch etwas zu viel des Guten.

Erster Satz „Die Insel“

Dass Noa auf der Insel nicht umgekommen ist und auch in Zukunft nicht auf Kematia – eine reine Fantasieinsel – nicht sterben wird, ist von Anfang an klar, denn als Leser erfahren wir direkt zu Beginn, dass er in einem Gefängnis irgendwo im Fernen Osten sitzt und die Geschichte, die er auf der Insel erlebt hat, Line Bang Skovmand von der dänischen Botschaft erzählt. Eine Geschichte, die eine seltsame Chronologie hat, aber als Leser findet man sich zurecht. Insgesamt wirkt „Die Insel“, im Gegensatz zu „Finale“ etwas größer, etwas weitläufiger. Das liegt nicht nur daran, dass eine Insel in der Regel größer als eine Tankstelle ist, sondern auch daran, dass es ein paar sehr lange Kapitel gibt und die Seiten dicht beschrieben sind. Von der Seitenanzahl nehmen sich beide Bücher allerdings nichts – beide haben etwa 240 Seiten. Bei der „Insel“ befinden sich hintenraus noch drei Bonusgeschichten, die ich mir nach dem gelesenen allerdings geschenkt habe.

Abgesehen davon, dass die Charaktere sonderbar blass sind, fehlt auch jegliche Spannung. Wir wissen ja bereits, dass Neo nicht sterben wird und Selina ohnehin schon tot ist – jetzt bleibt nur noch offen, was mit Noa passiert. Wird er verurteilt? Wenn ja, zu was? Brennt er mit der Botschafterin durch? Bricht er aus dem Gefängnis aus oder passiert etwas komplett anderes? Das müsst ihr selber herausfinden, aber mein Tipp: lasst es lieber.

Apropos komplett anders: Hintenraus wird die Geschichte dermaßen absurd, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, ob das von Anfang an so von Langstrup geplant war. Ich tippe auf Ja, denn diese Absurdität reiht sich dann doch dem wenig absurden Horror-Mainstream ein, passt aber leider überhaupt nicht zum Rest der Geschichte. Insgesamt ist „Die Insel“ ziemlich enttäuschend, weshalb ich bis auf Weiteres wieder auf Inselszenarien verzichten werde. Schade.


Epilog: „Die Insel“ von Steen Langstrup wirkt zwar größer als Langstrups „Finale“, lässt aber jegliche Spannung vermissen. Dazu kommt, dass die Charaktere flach und die Geschichte relativ vorhersehbar ist bzw. wissen wir 90 Prozent von Anfang an. Dazu kommt, dass das Ende nicht einer gewissen Absurdität entbehrt. Leider eine herbe Enttäuschung.

Daten zum Buch 

Autor: Steen Langstrup
Titel: Die Insel
Übersetzung: Sven-Eric Wehmeyer
Seiten: 320
Erschienen am: 13. Mai 2019
Verlag: Heyne
ISBN:978-3-453-43957-3
Preis Print: 9,99 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

Weitere Rezensionen zu Steen Langstrup:

Finale

ent von Anfang an. Leider eine herbe Enttäuschung.

Ein Gedanke zu „[Rezension] Steen Langstrup: Die Insel

  1. Schurkenblog sagt:

    Zum Glück noch nicht gekauft, ich sehe, ich kann mir das Buch absolut sparen. Kaisu (Life4Books) hat „Die Insel“ ähnlich beschrieben wie du, inkl. Gähnattacken :-).

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