[Rezension] Tony Kent: 3 2 1 – Im Kreis der Verschwörer

In London wird bei einer Feierlichkeit ein Politiker erschossen. Der Täter ist nicht irgendwer, sondern ein hochrangiger Geheimdienst-Agent. Er wird sofort festgenommen und in die Paddington Green Polizeistation gebracht. Sein Anwalt, Daniel Lawrence, der sich gerade an einem Kreuzverhör seines Kollegen Michael Devlin erfreut hat, soll den Täter vertreten, also fährt er sofort in die Polizeistation, um sich mit Eamon McGale auszutauschen – sein Motiv schockiert ihn, sodass er es am Heimweg Devlin per Telefon erzählt. Daniel sollte allerdings nicht mehr heimkommen und McGale bringt sich im Knast um – Zufall? Daran glaubt Sarah Truman, die ambitionierte CNN-Korrespondentin, nicht. Sie konfrontiert den diensthabenden Polizisten, doch dieser streitet sowohl einen etwaigen Mord an McGale, als auch, dass dieser Besuch von einem Anwalt gehabt haben soll, vehement ab. Doch Sarah hat Daniel Lawrence in die Polizeistation fahren sehen. Was ist da los? Als sie Michael Devlin befragen will, explodiert dessen Auto vor seinem Haus. Nun sind beide auf der Flucht, um diesen Komplott aufzudecken …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 2/5
Atmosphäre: 3/5
Charaktere: 1/5
Spannung: 3/5
Showdown: 3/5

Prolog: Kennt ihr dieses Bild von Barack Obama? Dieses Blaurote, wo unten in großen Lettern HOPE steht? Genau daran musste ich denken, als ich das Cover von „3 2 1“ zum ersten Mal gesehen habe. Das und die Struktur des offiziellen Klappentextes waren ausschlaggebend dafür, dass ich mir das Buch besorgt habe. Der Name Tony Kent sagte mir allerdings nichts. Kent ist Anwalt in London, in seiner Freizeit boxt er gerne und nun ist sein erster Thriller auf Deutsch erschienen. Ein ziemlich Dicker. Hat er sich dabei übernommen? Kurze Antwort: Ja.


 

die Umsetzung der durchaus interessanten Idee ist leider hanebüchen


Anfangs ist die ganze Geschichte etwas verworren. Wir beobachten Joshua, wie er dem Killer Eamon McGale mit einem Scharfschützengewehr den Weg freischießt. Joshua ist Söldner, der dir jeden Menschen tötet, wenn das Geld stimmt. Er ist einer der besten in seinem Fach. Nur einer ist besser – sein guter alter Freund Joe Dempsey. Dempsey ist leitender Agent beim DDS, dem Departement of Domestic Security. Er ist auf der guten Seite, denn er räumt den Schützen – also McGale – aus dem Weg um danach den anderen Schützen – Joshua –, ausfindig zu machen. Dieser steht völlig ruhig auf einen Turm am Trafalgar Square und ist froh, dass er seinen Job erledigt hat – ka-tsching, da klingelt die Kasse wieder. Wen haben wir noch? Die Reporterin Sarah Truman und ihr Kameramann Dingenskirchen – egal, der gibt sowieso bald den Löffel ab. Beide sind ebenfalls am Tatort und begleiten das Geschehen journalistisch. Und dann plötzlich ein harter Cut. Wir sind in einem Gerichtssaal und lesen über ein Kreuzverhör. Wie passt das dazu? Gar nicht, es dient lediglich dazu, um zwei weitere Figuren einzuführen: den Barrister Michael Devlin und den Solicitor Daniel Lawrence. Was ein Barrister oder ein Solicitor ist, müsst ihr googeln, falls ihr es nicht wisst, es wird nämlich nie erklärt. Aber wenn man wie Kent selber Barrister ist, geht man vermutlich davon aus, dass eh jeder weiß, was das ist. Ich wusste es nicht und hab es selbst während des Googelns schon wieder vergessen.

Erster Satz „3 2 1“

Etwas vorspulen, weil das Kreuzverhör tatsächlich null mit der restlichen Story zu tun hat. Lawrence stirbt, Sarah und Dingenskirchen fahren zu Michael um zu recherchieren, was Daniel mit McGale besprochen hat, bumm – Autobombe – Dingenskirchen tot, Kampf zwischen Michael und Joshua, aus der Michael siegreich hervorgeht (remember: der Typ ist Anwalt, Joshua war früher beim Militär und ist heute Profikiller). Glaubwürdig? Natürlich nicht. Wenig später erledigt Michael noch zwei andere Typen. Warum Michael ein härterer Hund als angenommen ist, wird anhand eines einzigen Vorfalls, der im Jahre Schnee passiert ist, erklärt. Und was ist mit Sarah? Ja nix, die ist halt dabei. Kent hat bei ihr die gängigen Stereotypen einer Frau in einem solchen Thriller eingebaut. Sie ist hübsch, wird von Kent zeitweise dümmlich dargestellt und wird – natürlich – irgendwann selbst zum Opfer, sodass Super Mario seine Prinzessin Peach vom bösen Bowser befreien muss. Eine größere Rolle spielt sie nicht, aber irgendwer muss ja dafür sorgen, dass die Funken sprühen, obwohl sich Michael und Sarah erst seit einem Tag kennen.

Über die Charaktere erfährt man herzlich wenig. In einem (!) Kapitel wird ein bisschen Backstory über Michael und Sarah erzählt, und selbst das erst spät. Über Dempsey erfährt man ebenfalls nicht viel, außer, dass er vor sieben Jahren einen für ihn wichtigen Einsatz in Kolumbien hatte. Die Story ist anfangs ganz okay, irgendwann gleitet „3 2 1“ zu einem 0815-Thriller ab, der später zu einer Ganovengeschichte mutiert. Der Hintergrund der Story ist nicht mal uninteressant. Kent lässt den IRA-Terror von Nordirland wieder aufleben, aber die Umsetzung ist leider hanebüchen. Muss man eigentlich nicht gelesen haben.


Epilog: „3 2 1 – Im Kreis der Verschwörer“ ist ein anfangs verworrener, aber nicht uninteressanter Thriller. Später rutscht er allerdings zu einem 0815-Thriller ab und noch später mutiert dieser zu einer Ganovenstory. Die Charaktere könnten generischer nicht sein, vor allem Sarah erfüllt nahezu alle gängigen Klischees einer Protagonistin. Muss man nicht gelesen haben.

Daten zum Buch 

Autor: Tony Kent
Titel: 3 2 1 – Im Kreis der Verschwörer 
Originaltitel: Killer Intent
Übersetzung: Martin Ruf, Wolfgang Thon
Seiten: 624
Erschienen am: 13. Mai 2019
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43975-7
Preis Print: 14,99 Euro
Preis Digital: 11,99 Euro
(Preise können abweichen)

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