[Rezension] Natasha Bell: Alexandra

Marc ist verzweifelt, denn seine Frau Alexandra ist verschwunden. Den Kindern erzählt er irgendeine Lügengeschichte, und hofft dabei gleichzeitig auf die Polizei. Alexandra ist indes gefangen, bekommt aber alles mit. Sie liest die Befragungsprotokolle der Polizei und sieht die öffentlichen Aufrufe von Mark. Es vergehen Tage, Wochen, Monate – Alexandra taucht nicht auf und Mark ergibt sich der Ohnmacht, der er ausgesetzt ist. Eines Tages hat die Polizei eine heiße Spur: An einem Fluss finden sie Kleider und Blut – eine große Menge Blut. Ist Alexandra tot? Ist sie im Fluss ertrunken? Wurde die Leiche im Fluss versenkt? Marc glaubt nicht daran, dass seine Ehefrau tot ist, auch wenn das Gewand ganz klar ihr gehört. Er verfolgt eine ganz andere, eine hoffnungsvollere Spur – ihn zieht es nach New York, wo eine ehemalige Kommilitonin von Alexandra lebt … 

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 3/5
Atmosphäre: 3/5
Charaktere: 3/5
Spannung: 3/5
Showdown: 3/5

Prolog: Der Klappentext von „Alexandra“ klang interessant. Wie ein Psychothriller, der mir gefallen könnte. Die Betonung liegt am Konjunktiv. Dennoch schob ich das Buch immer weiter weg, denn das Cover ist für Thrillerfans dann vielleicht doch nicht so ansprechend; man sieht eine mäßig attraktive Frau in den 30ern – das und der Titel deutet eher auf einen klassischen Roman hin, der mit Spannung wenig am Hut hat. Tatsächlich ist „Alexandra“ ein auf Thriller getrimmter Roman, der mich dann letztendlich etwas ratlos zurückließ. Aber fangen wir von vorne an.


 

ein Buch im Konjunktiv 


Tatsächlich ist Alexandra in den 30ern, wobei sie den 40 näher ist als den 30ern. Die Frau am Cover repräsentiert sie allerdings wenig, denn die Frisur ist eine andere, als Alexandra hat. Aber weg von den Oberflächlichkeiten. Alexandra lebte früher mal mit ihrer Familie in York – ein beschauliches Städtlein, in der sich alle Häuser ziemlich ähnlich schauen – und unterrichtete an der Uni Kunstgeschichte. Ihr Mann Mark ist ebenfalls Akademiker – welchen Fachbereich er beackert, wurde mir allerdings nie klar und wurde, glaube ich, im Buch auch nie erwähnt. Von Politikwissenschaft über Philosophie, bis hin zu Literaturwissenschaft könnte es alles sein – das hab ich aus der Literatur, die er liest, geschlossen. Alexandra hat jedenfalls einen Uni-Abschluss in Cambridge und hat danach ein Jahr in Chicago studiert – gemeinsam mit Amelia, die später im Buch noch wichtig wird. Was weniger wichtig ist, sind die Kinder von Alexandra und Mark, Lizzie und Charlotte – ich hab ewig gebraucht, bis ich die Zwei auseinanderhalten konnte.

Das Konzept von „Alexandra“ ist interessant, wenn auch gewöhnungsbedürftig – sehr gewöhnungsbedürftig. Alexandra sitzt in einer Art Gefängnis, und ihr vermeintlicher Entführer besucht sie – zumindest anfangs – regelmäßig. Das ist ein Handlungsstrang. Ein zweiter behandelt Mark; allerdings – und das ist das Besondere – ist Marks Handlungsstrang reine Fantasie. Alexandra sitzt also in ihrer Zelle und fantasiert darüber, wie es ihrer Familie mit ihrer Absenz gehen könnte, wie Mark immer verzweifelter wird und so weiter und so fort. Ich hab circa hundert Seiten gebraucht, um mich an dieses Konzept zu gewöhnen, dennoch ist es vermutlich das größte Manko des Buches, denn im Endeffekt ist es ein Buch im Konjunktiv.

Erster Satz „Alexandra“

Zwischendurch reisen wir immer wieder zeitlich zurück, als sich Alexandra und Mark kennenlernten. Hier tauchen auch immer wieder Briefe von Amelia auf, gerichtet an Alexandra. Die Briefe beschreiben eine Frau, die nicht loslassen und noch weniger erwachsen werden will. Sie fordert Alexandra immer wieder auf, zurück nach Chicago zu kommen – manchmal in einem ruhigen, manchmal in einem wütenden Ton. Die Antwort von Alexandra, erfahren wir nicht. Amelia erzählt in den Briefen auch immer wieder von ihrer Kunst. Kunst spielt in dem Buch neben Feminismus eine große Rolle.

Was mich gestört hat, war die Figur von Mark. Er ist nämlich überhaupt nicht greifbar, ist blass wie ein Blatt Papier. Auch Alltäglichkeiten fehlen komplett. Mark muss ja durch Alexandras Abwesenheit die Hausarbeit übernehmen, aber weder kocht er, noch wäscht er das Geschirr ab; aber vielleicht stellt sich Alexandra in ihrem Gefängnis auch vor, dass ihre Familie in einen Hungerstreik tritt – ich weiß es nicht. Was skurril ist, ist die Szene, als die Kinder erfahren, dass ihre Mutter verschwunden ist; sie sprechen danach ein Gebet und gehen dann fröhlich spielen – but it‘s just fantasy.


Epilog: „Alexandra“ von Natasha Bell ist ein Buch im Konjunktiv, ein Buch, in dem sich die vermeintlich entführte Alexandra vorstellt, wie ihre Familie mit ihrer Absenz umgeht. Das ist vermutlich der größte Schwachpunkt des Buches, gleichzeitig ein interessantes Konzept. Kann man durchaus lesen, wenn man Lust auf ein Buch hat, das einen dazu auffordert, „outside of the box” zu denken.

Daten zum Buch 

Autor: Natasha Bell
Titel: Alexandra
Originaltitel: Exhibit Alexandra
Übersetzung: Pauline Kurbasik
Seiten: 416
Erschienen am: 4. März 2019
Verlag: Diana
ISBN:978-3-453-29197-3
Preis Print: 17 Euro
Preis Digital: 13,99 Euro
(Preise können abweichen)

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