[Rezension] Lucy Clarke: Das Haus am Rand der Klippe

Elle lebt ihren Traum in einem Traumhaus am Rand von Cornwalls Klippen. Sie hat sich diesen Traum erfüllt, nachdem sie einen Bestseller gelandet hat. Ihre Ehe hat den Umzug allerdings nicht überlebt, denn Flynn zog nicht mit, konnte den Prunk, den das Haus ausstrahlt, nicht verstehen. Während sie jetzt in Frankreich war, vermietete sie das Haus via Airbnb, doch als sie zurückkommt, fühlt sich das Haus anders an. Dinge geschehen, die sie nicht versteht. Als Elle an ihrem zweiten Buch arbeitet, flüchtet sie in die Bibliothek – weg vom direkten Blick auf die See, der so inspirierend sein kann. Als sie wieder in ihrem Haus ist, entdeckt sie einen Schriftzug, eingeritzt im Tischbein, der besagt: LÜGNERIN …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 5/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 5/5
Showdown: 4/5

Prolog: Das Cover von „Das Haus am Rand der Klippe“ sieht nicht aus wie ein klassisches Cover eines Thrillers. Viel zu fröhliche Farben, und der Titel klingt wie der eines normalen Romans, keine martialischen Wörter wie „Mord“, „Tod“ oder „Blut“. Ich war mir zunächst unsicher, ob das Buch überhaupt aufs Krimisofa passt, zumal ich die Autorin nicht kannte. Doch bereits nach den ersten Seiten merkte ich: „Das Haus am Rand der Klippe“ passt perfekt aufs Krimisofa.


ein sehr unterhaltsames und ereignisreiches Buch


Elle ist 33 und arbeitet gerade an ihrem zweiten Buch. In fünf Wochen soll es erscheinen, der Termin wurde bereits öfter verschoben und was sie bis jetzt geschrieben hat, ist – nichts. Keine einzige Zeile hat sie bis jetzt. Dabei sollte ihr Haus am Rand der Klippe inspirierend sein, ihr Schreibzimmer hat eine Glaswand und dahinter ist nichts als Meer. Sollte sie kein zweites Buch schreiben, verliert sie ihr Haus, ihr Leben. Ihren Mann hat sie bereits verloren – wobei, nicht ganz, die beiden leben vorerst getrennt. Er selbst wollte nie so ein riesiges Haus mit King-Size-Bett und anderem Brimborium. Früher genügte eine kleine Wohnung mit einem Bett, auf dem die zwei nur Platz hatten, wenn sie eng beieinanderlagen. Als Elle gerade aus Frankreich von einem Autorenseminar kommt, findet sie eine Spinne in ihrem Haus. Als sie sie ins Freie aussetzen will, fällt die Tür ihres Hauses zu – das wird das weniger Schlimme sein, was ihr in den kommenden Wochen passieren wird. Auch dass der missmutige Sohn der Nachbarn sie abschätzig behandelt, wird eine Wohltat zu dem sein, was ihr noch passieren wird. Denn nach und nach passieren Dinge im Haus, die ihr komisch vorkommen. Nicht nur, dass LÜGNERIN ins Tischbein geritzt wurde, sondern auch, dass die Brosche ihrer Mutter, die immer an ihrem Mantel hängt, nach ihrer Reise spurlos verschwunden ist. Seltsam, seltsam.

Erster Satz „Das Haus am Rand der Klippe“

Es kann schon gruselig sein, sein Haus bei Airbnb zu vermieten. Was macht der Bewohner alles in meinem Haus? Durchwühlt er meine Sachen? Entdeckt er vielleicht Geheimnisse, bei denen ich nicht daran gedacht habe, sie zu versperren? Verschafft er sich gar Zugang zu ihnen, obwohl ich sie versperrt habe? Ich verstehe die Gedankengänge von Lucy Clarke sehr gut, ich wäre vermutlich ähnlich paranoid. Sie spielt mit diesen Gedanken und versetzt ihre Protagonistin Elle in Schlaflosigkeit, Paranoia und Panik. Tatsächlich hat mir „Das Haus am Rand der Klippe“ mehr Spaß gemacht als ich davor erwartet hätte. Man fliegt durchs Buch und wird von der psychologischen Spannung gepackt. Zu Beginn einiger Kapitel findet man – durchaus nützliche – Schreibtipps von der Protagonistin; am Ende mancher Kapitel findet man unter der Überschrift „Vorher“ die Sichtweise von Joanna, der vermeintlichen Antagonistin. Ebenfalls am Ende von ebenfalls einigen Kapiteln reisen wir zurück zu der Zeit, als Elle 19 war. Sie handeln primär vom attraktiven Professor Luke Linden, dem nahezu jede Studentin hinterher schmachtet – und als Leser ahnt man sehr bald, dass da irgendwann irgendetwas passiert.

Der Plot-Twist am Ende mitsamt der Auflösung hat mich dann umgehauen, denn damit habe ich nicht mal im Ansatz gerechnet, weil ich mich von Clarke in eine komplett andere Richtung schieben hab lassen – dafür ein großes Chapeau.

Was mich etwas verwirrt hat – und das ist tatsächlich der einzige Kritikpunkt, den ich habe – ist, dass Elle anfangs kein Problem damit hat, im November im Meer zu schwimmen, aber eines damit hat, im Freien auf ihre Schwester zu warten, weil sie sich ausgesperrt hat – what?! Okay, sie hat zwar keine Schuhe an, aber die wird sie beim Schwimmen ja auch nicht anlassen. Auch habe ich ewig gebraucht, bis ich mir den Titel gemerkt habe. Ich war mir nie sicher, ob es die „Klippe“ oder „Klippen“ sind, oder „am Rand“ oder „am Rande“ heißt. Aber wie auch immer es heißt, „Das Haus am Rand der Klippe“ ist ein sehr unterhaltsames und ereignisreiches Buch.


Epilog: „Das Haus am Rand der Klippe“ ist ein unterhaltsames und ereignisreiches Buch, das von einer psychologischen Spannung und einer dichten Atmosphäre getragen wird. Die Protagonistin Elle ist ohnehin schon im Stress, da sie in wenigen Wochen ihr Manuskript abgeben muss und jetzt ist sie auch noch kurz davor, verrückt zu werden. Ein flotter Psychothriller, den jeder lesen sollte, der sein Haus bei Airbnb vermietet.

Daten zum Buch 

Autor: Lucy Clarke
Titel: Das Haus am Rand der Klippe
Originaltitel: You let me in
Übersetzung: Claudia Franz
Seiten: 416
Erschienen am: 4. Juni 2019
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492061216
Preis Print: 15 Euro
Preis Digital: 12,99 Euro
(Preise können abweichen)

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