[Rezension] Linwood Barclay: Kenne deine Feinde

Cal Weaver ist eigentlich Privatermittler, doch nun soll er Leibwächter werden. Das verlangt die in Promise Fall mächtige Familie von Ms. Plimpton. Plimpton war Herausgeberin des Promise Fall Standard, der hiesigen Tageszeitung, die es mittlerweile nicht mehr gibt. Der Sohn von Plimptons Nichte, Jeremy, soll beschützt werden. Er hat ein Mädchen umgefahren und seitdem zieht er den Hass auf sich wie Scheiße Fliegen – der Hass findet vor allem im Internet statt, die Familie hat jedoch Angst, dass dieser auf das Leben außerhalb dessen überschwappt.
Währenddessen sitzt Barry Duckworth in seinem Büro in der Polizeistation und wird von seinem Kollegen vor einem Typen gewarnt, der behauptet, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Diese sollen ihm etlichen Tests unterzogen haben. Als Duckworth etwas nachbohrt, kommt er darauf, dass offensichtlich am Rücken des Klienten herumgedoktert worden sein soll – als sich der Detective den Rücken von Brian Gaffney ansieht, entdeckt er einen Schriftzug: ICH PSYCHO HABE SEAN UMGEBRACHT …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 5/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 3/5
Spannung: 5/5
Showdown: 4/5

Prolog: Meine Geschichte mit Linwood Barclay ist lang. Sein erstes Buch – „Ohne ein Wort“ –, welches 2008 auf Deutsch erschien, habe ich genau so gelesen wie alle danach. Zuletzt die Promise Fall Trilogie. „Kenne deine Feinde“ spielt zwar im Kosmos der Trilogie, ist aber ein eigenständiges Buch – mehr dazu aber später. Wie alle Bücher von Barclay habe ich auch dieses verschlungen – und ebenfalls wie alle Bücher davor, hat auch dieses Spaß gemacht.


„Kenne deine Feinde“ ist spannend, packend und macht obendrein auch noch Spaß


Barry Duckworth und Cal Weaver kennen wir noch aus der Promise Fall Trilogie. Barry Duckworth ist ein sympathischer Detective, der vor einem Jahr noch alles gefuttert hat, was ihm vor die Nase kam – Donuts, Muffins und alles andere, was ungesund ist. Das hat mittlerweile ein Ende, denn er hat 25 Kilo abgenommen und scheut ungesundes Essen wie der Teufel Weihwasser – zumindest versucht er es. Er muss sich also mit Brian Gaffney auseinandersetzen, der mitnichten von Aliens entführt worden ist, der aber auch keinen Sean umgebracht hat – das sagt er zumindest. Aber Gaffney ist ein naiver Mensch, vielleicht wurde er auch von irgendwem angestiftet, einen Sean zu töten – was weiß man.

Und Cal Weaver ist Privatermittler, der nun also auf Leibwächter umsatteln soll. Das gefällt ihm anfangs zwar nicht, aber er macht es dann doch – man muss ja seine Brötchen verdienen. Cal ist eigentlich eine tragische Figur, der Frau und Kind verloren hat und nun soll er quasi Babysitter für einen 18-jährigen Jungen spielen, der Recht nicht von Unrecht unterscheiden kann und von seiner Mutter in Watte gepackt wurde – und deshalb im Internet als „Riesenbaby“ verschrien ist. Jeremy hat – ähnlich wie Gaffney – nicht alle Lampen an, hat das Herz aber am rechten Fleck.

Linwood Barclay steht sicher nicht für Weltliteratur, aber er trifft mit seinen Themen den Nerv der Zeit. In „Kenne deine Feinde“ thematisiert er den Hass im Internet, kritisiert aber auch die Menschen, die ein so großes Geltungsbedürfnis haben, dass sie alles über sich preisgeben – dabei nimmt Barclay auch jene Plattformen in die Pflicht, die das unhinterfragt und ungestraft zulassen. Dieses Thema betrifft uns alle, und genau das ist die Stärke von Linwood Barclay, er weiß, was die Menschen bewegt – ach ja, und die Geschichte rund um das aktuelle Thema ist auch nicht zu verachten. Barclay versteht es, den Leser von Beginn an an die Geschichte zu fesseln. Das beginnt schon beim Einstieg, als Brian Gaffney behauptet, von Aliens entführt und getestet worden zu sein. Natürlich weiß man als Leser, dass das nicht sein kann – Linwood Barclay steht nicht gerade für Science Fiction – und gleichzeitig will man wissen, was dahintersteckt, wer dieser Sean, dessen Name auf Gaffneys Rücken steht, ist und ob ihn Gaffney wirklich getötet hat – und Schwupps, hat Linwood Barclay die Leser an der Angel. Er weiß einfach, wie man schreibt.

„Kenne deine Feinde“ ist sehr dialoglastig, was zwar die Kurzweiligkeit unterstreicht, aber zulasten der Tiefe – sowohl die der Charaktere, als auch der Geschichte – geht. Aber es ist spannend, packend und macht obendrein auch noch Spaß. Und was will man bei Temperaturen jenseits der 30 Grad? Exakt, Buch auf, Hirn aus. Wobei, so ganz ohne Hirn geht es dann doch nicht, denn irgendwann fängt man dann doch unweigerlich damit an, zu spekulieren, wer hinter dem ganzen Schlamassel steckt – und ich geb’s zu, ich bin daran gescheitert, es zu entschlüsseln.


Epilog: „Kenne deine Feinde“ von Linwood Barclay spielt im Kosmos der Promise Fall Trilogie, ist allerdings ein eigenständiges Buch, das spannend und packend ist und auch noch Spaß macht. Vor allem, weil Barclay Hass im Netz thematisiert und damit abermals ein Thema behandelt, das uns alle – mittel- oder unmittelbar – betrifft, dabei aber nicht schwer zu lesen ist.

Daten zum Buch 

Autor: Linwood Barclay
Titel: Kenne deine Feinde 
Originaltitel: Parting Shot
Übersetzung: Silvia Visintini
Seiten: 464
Erschienen am: 3. Juni 2019
Verlag: Knaur TB
ISBN:978-3426522004
Preis Print: 12,99Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

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