[Rezension] Claire Douglas: Still alive – Sie weiß, wo sie dich findet

Libby und Jamie brauchen eine Auszeit. Sie sind gerade einmal neun Monate verheiratet, aber es waren turbulente Zeiten, deshalb entschließen sie sich, einen Haustausch zu machen, nachdem sie eine dementsprechende Anfrage in ihrem Briefkasten finden. Sie ziehen in das luxuriöse Ferienhaus der Heywoods in Cornwall – die Heywoods wiederum ziehen nach Bath in die Wohnung der zwei Halls. Ihre Tochter wird einer lebensrettenden Operation unterzogen und sie wollen in der Nähe des Krankenhauses sein. Libby genießt anfangs den Luxus, den sie so nicht gewohnt ist, aber nach und nach findet sie es gruselig in dem viel zu großen Haus. Überall stehen ausgestopfte Tiere, im Kinderzimmer steht seltsames Spielzeug und der Garten wird täglich von einem Mann durchquert. Kurz bevor die zwei abreisen wollen, kommt ihr Hund Ziggy mit einem Stück Stoff aus dem Garten zurück – es sieht aus wie ein Stück Unterwäsche von Mrs. Heywood und ist blutgetränkt …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 5/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 5/5
Spannung: 5/5
Showdown: 2/5

Prolog: Haustausch-Thriller dürften der Shit sein. Immer wieder stößt man in den letzten Monaten auf dieses Setting – nun also auch einer von Claire Douglas, die mich mit „Missing“ zu begeistern wusste. Natürlich war es deshalb eine Selbstverständlichkeit für mich, „Still alive“ ebenfalls zu lesen, auch wenn das Thema für mich schon seit längerem durch ist, weil es meistens ohnehin dasselbe ist. Schafft Claire Douglas den Kniff, den das Buch etwas anders werden lässt? Tja, mal schauen.


Mutiert mit der Zeit zum absoluten PAgeturner 


Libby heißt eigentlich Elizabeth, wird von ihrem Mann Jamie aber auch liebevoll Libs genannt. Libs oder Libby ist Lehrerin in der Grundschule der englischen Stadt Bath. Das Ehepaar lebt ein typisches Mittelständlerleben ohne großen Luxus. Vor wenigen Monaten hatte Libby eine Fehlgeburt, die sie seelisch immer noch nicht verarbeitet hat. Dazu kommt, dass es in ihrer Schule kürzlich gebrannt hat; als sie ein Kind aus den Flammen gerettet hat, bricht sie sich die Hand. Insgesamt waren die letzten Monate also nicht die schönsten für Libby, da kommt ein kleiner Urlaub gerade recht – endlich von den Strapazen erholen, mit dem Golden Retriever Ziggy am Strand von Cornwall spazieren gehen und einfach eine schöne Zeit mit Jamie verbringen. Das war die Wunschvorstellung, die sich allerdings nie erfüllt. Stattdessen hat Libby rund um die Uhr Angst und wird immer paranoider – selbst Jamie weiß ihr irgendwann nicht mehr zu helfen, weshalb beide froh sind, wenige Tage nachdem sie in dem luxuriösen Haus der Heywoods angekommen sind, wieder zurück nach Bath in ihre Mittelständlerwohnung zu kommen – doch da fängt das Drama erst so richtig an.

Erster Satz „Still alive“

Laut Wikipedia war der erste Mensch, der einen Haustausch vollzogen hat, der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter. Er tauschte sein Haus mit einer Familie aus dem brasilianischen Recife. Tatsächlich gibt es die Haustausch-Szene also wesentlich länger als man denkt – nicht jedoch im deutschsprachigen Raum, wo das Phänomen des Haustauschs noch relativ neu ist. Ebenso in der Literatur, denn da fallen mir Haustausch-Thriller erst seit wenigen Jahren auf. Nun erschien eben auch einer von Claire Douglas, die mich mit „Missing“ bereits zu überzeugen wusste. Und auch wenn sich vom Cover und dem Titel „Missing“ und „Still alive“ ziemlich ähneln – es sind jeweils eigenständige Thriller.

Insgesamt ist „Still alive“ in drei Teile unterteilt, der erste mit dem Haustausch wirkt dabei eher wie ein Vehikel, weil das Thema eben gerade fancy ist. Dennoch wird es nie langweilig, wenngleich das Grundgerüst ein Bekanntes ist, wenn man schon mal einen Thriller mit diesem Setting gelesen hat. Und irgendwann hat mich Libby mit ihrer ängstlichen und paranoiden Art auch zu nerven begonnen. Jamie versucht zwar immer nachsichtig und geduldig mit seiner Frau zu sein, doch mit der Zeit wird es selbst ihm zu bunt.

Dann – nach circa der Hälfte – kommt Teil zwei, und der stellt alles auf den Kopf. Ab hier wird der Psychothriller zum Pageturner, der mich nicht mehr losgelassen hat, weil ich mit dieser Wendung so überhaupt nicht gerechnet habe. Der Kniff, den sich Douglas hier ausgedacht hat, ist ausgezeichnet gewählt. Und irgendwie kam ich zu dem Gedanken, dass das Buch eigentlich erst hier beginnt, dass Douglas das Buch hier beginnen lassen wollte. Aber da das Haustausch-Setting gerade en vogue ist, lässt sie das Buch eben damit beginnen – vielleicht nicht die glücklichste Wahl, aber dennoch nachvollziehbar, weil das Setting eine sichere Bank ist. Der Showdown verläuft ohne jegliche Gewalt, erscheint aber etwas lahm; das Ende ist offen. Hier darf der Leser dann selbst entscheiden, wie es ausgehen könnte. Auch das finde ich sehr smart.


Epilog: „Still alive“ von Claire Douglas folgt zunächst dem Haustausch-Setting, im zweiten von insgesamt drei Teilen des Buches wirft sie allerdings alles über den Haufen und stellt die Handlung auf den Kopf. Ein gut gewählter Kniff, denn ab dann mutiert der Thriller, der davor schon nicht langweilig war, zum Pageturner. Klare Leseempfehlung.

Daten zum Buch 

Autor: Claire Douglas
Titel: Still alive – Sie weiß, wo sie dich findet
Originaltitel: Last seen Alive
Übersetzung: Ivana Marinovic
Seiten: 464
Erschienen am: 8. Juli 2019
Verlag: Penguin
ISBN:  978-3-328-10170-3
Preis Print: 13 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

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