[Rezension] Yrsa Sigurðardóttir: R.I.P. (Huldar und Freyja – Band #3)

Via einer App werden Videoschnippsel verschickt. In der Toilette eines Kinos wird ein junges Mädchen brutal getötet, danach wird sie aus dem Kino gezerrt und mitten auf der Straße liegengelassen. Als Huldar mit seiner Truppe zum Fundort kommt, entdeckten sie unter der Leiche einen Zettel mit einer 2 darauf. Tage später wird nur ein Zettel gefunden – mit einer 3 darauf. Die Leiche ist nicht dort und keiner weiß, wo Leiche Nummer 1 ist – die Reykjaviker Polizei steht vor einem Rätsel. Sie zieht Freyja hinzu, die schnell auf den Trichter kommt, dass Mobbing ein Motiv des Mörders sein könnte, und wird mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 4/5

Prolog: Yrsa Sigurdardóttir hat sich vor Jahren schon in mein Herz geschrieben, erst mit dem ersten Teil der Huldar und Freyja Reihe, „DNA“, habe ich sie wiederentdeckt. Mir gefiel die unaufgeregte Erzählweise und das ungleiche Duo, das eine gemeinsame Vergangenheit hat, die etwas Spannung in die Geschichte bringt. Den zweiten Teil, „SOG“, habe ich ausgelassen, auch wenn ich recht schnell gemerkt habe, dass das vielleicht nicht die beste Idee war. „R.I.P.“ ist der dritte Teil und um es kurz zu sagen: Ich war überrascht.


„R.I.P.“ besticht durch einen flotten und abwechslungsreichen Schreibstil


Huldar würde in „R.I.P.“ gerne mehr tun, als nur herumzusitzen und in die Luft zu schauen, aber er wird von seiner Chefin Erla konstant übergangen. Früher waren sie befreundet – dann schliefen sie miteinander, und seitdem herrscht Eiszeit. Das dürfte ein gängiges Muster des Bad Boys sein, denn bei Freyja ist es ähnlich. Immerhin hat er Guðlaugur, den er unter seine Fittiche genommen hat. Der ist nicht nur blutjung, sondern auch schüchtern. Doch Huldar erkennt sein Potential, denn er ist ziemlich clever.

Freyja hingegen haust immer noch in der schäbigen Wohnung ihres Bruders, der im Gefängnis sitzt, aber bald rauskommen soll. Bis dahin darf sie seinen Hund hüten und zeitweise auch die kleine Saga. Um sich weiterzubilden, studiert sie BWL, dafür arbeitet sie nur halbtags im Kinderhaus – spätestens da merkte ich, dass die Lektüre von „SOG“ vielleicht nicht schlecht gewesen wäre. Auch mit dem Namen Guðlaugur konnte ich nichts anfangen – na ja, nichts, was man nicht nachholen könnte.

Erster Satz in „R.I.P.“

„R.I.P.“ besticht durch einen flotten und abwechslungsreichen Schreibstil – anders als „DNA“, wo es weitgehend ruhig zuging, aber dennoch nicht uninteressant. Sigurdardóttir thematisiert das Thema Mobbing sehr tiefgehend. Diesen Part übernimmt Freyja, die dazu sehr investigativ recherchiert. Auch wenn Sigurdardóttir hiermit auch Systemkritik betreibt, kommt mir dieses Thema etwas hineingequetscht vor. Gut finde ich in dem Kontext, dass die Autorin auch digital denkt und Cybermobbing thematisiert. Das hatten wir ja bei Linwood Barclays „Kenne deine Feinde“ ebenfalls, und ich finde gut, dass das immer wieder Thema für Autoren ist, denn Hass im Internet ist etwas, das man nicht unterschätzen darf und soll. Zwischendurch begegnen uns immer wieder kurze Kapitel in kursiver Schrift. Diese werden von Kapitel zu Kapitel immer heftiger.

Snapchat spielt eine der Hauptrollen in „R.I.P.“. Ich kenne die App nur vage, weiß, dass man damit kurze Videos machen kann, die nach einem Tag wieder verschwinden – also ähnlich wie Insta-Storys. Warum Sigurdardóttir ausgerechnet dieses Medium gewählt hat, war mir schleierhaft, denn bei ihrer Zielgruppe ist die App quasi tot – für die Protagonisten im Buch aber vermutlich nicht. Die sind 15 oder minimal älter. Dennoch halte ich die Wahl für unglücklich – neben Instagram wäre auch Tik Tok eine – vermeintlich bessere – Option gewesen. Aber ihr könnt ja in die Kommentare schreiben, ob ihr Snapchat nutzt, würde mich tatsächlich interessieren.

Das Ende fand ich ziemlich enttäuschend, es gibt – zumindest für mich – lose Enden, die bestimmt im nächsten Teil seine Fortsetzung finden, aber dennoch ließen sie mich ein bisschen unbefriedigt zurück . Auch ein Showdown findet nicht statt, aber das finde ich nicht so schlimm, der Fall wird gut abgeschlossen – zumindest weitestgehend.


Epilog: „R.I.P.“ von Yrsa Sigurdardóttir ist der dritte Teil der Huldar und Freyja Reihe, in dem die Autorin interessante Themen wie Mobbing und Cybermobbing tiefergehend behandelt und aufzeigt, wozu dies führen kann. Sie scheut dabei auch nicht vor Systemkritik zurück. So gut ich den Großteil des Buches fand – für mich stilistisch eine Steigerung zu „DNA“ –, so schwach fand ich das Ende. Dennoch, Teil Nummer vier ist bei mir vorprogrammiert.

Daten zum Buch 

Autor: Yrsa Sigurdardóttir
Titel: R.I.P.
Originaltitel: R.I.P./ Aflausn
Übersetzung: Anika Wolff
Seiten: 448
Erschienen am: 24. Juni 2019
Verlag: btb
ISBN: 978-3442756650
Preis Print: 20 Euro
Preis Digital: 14,99 Euro
(Preise können abweichen)

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