[Rezension] Harlan Coben: Honeymoon

Keiner soll wissen, dass Laura und David heiraten, noch weniger, wo sie ihre Flitterwochen verbringen. Laura ist das ehemalige Model, das den Job allerdings nach wenigen Jahren an den Nagel gehängt hat und jetzt erfolgreiche Geschäftsfrau des Modelabels Svengali ist. David hingegen ist das Aushängeschild der Boston Celtics und einer der besten Basketballspieler seiner Zeit. Die beiden sind glücklich – doch dieses Glück währt nicht lange, denn die beiden werden gewaltsam auseinandergerissen. David fällt den Fluten zum Opfer, Laura ist am Boden zerstört. Doch nach und nach beginnt sie zu hinterfragen, ob das alles wirklich stimmt – und dabei erfährt sie Dinge über ihre eigene Familie, die sie nie erfahren wollte …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 3/5
Showdown: 2/5

Prolog: Jeder Autor hat seine Wurzeln, seinen Ursprung, sein Erstlingswerk. Viele schreiben über das, was sie kennen, bauen ihre Leidenschaften ein oder sonst was. Auch Harlan Coben hat sein Erstlingswerk, hat seinen ersten Thriller, der aber gar nicht so thrillerhaft ist – zumindest auf den ersten Blick. In den letzten drei Monaten kamen gleich zwei neue Bücher von Coben heraus, im September kommt noch eines – ich hab mich vorerst mal für „Honeymoon“ entschieden. Nicht weil es sein erster Thriller war – das wusste ich bis zum Vorwort noch gar nicht –, sondern weil der Klappentext die vielversprechendste Geschichte versprach. Ich wurde nicht enttäuscht – auch wenn es bis dahin lange gedauert hat.


Es ist beeindruckend, wie sehr Coben die Techniken eines Thrillers bei seinem Debütroman schon beherrscht hat


Laura ist glücklich. Sie hat ihren Traummann David geheiratet, den berühmten Basketballspieler der Boston Celtics. Sie hat ihn nicht des Geldes wegen geheiratet, denn davon hat sie selbst mehr als genug gescheffelt. Früher als Model – eines der bekanntesten und bestbezahlten bis dahin – und jetzt als Modelabelbetreiberin ihrer Firma „Svengali“. Der Begriff Svengali hat sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag, und die ersten Zeilen erzählen etwas durchaus Interessantes: „Als Svengali bezeichnet man eine Person im Hintergrund, die eine andere Person stark beeinflusst oder sogar manipuliert, wie etwa ein einflussreicher Manager den von ihm betreuten Künstler. Besonders in angelsächsischen Ländern wird die Bezeichnung häufig für einen Strippenzieher mit bösen Absichten verwendet“ – ob das Rückschlüsse auf das Buch zulässt, müsst ihr aber selbst herausfinden.

Lange dachte ich, ich hätte „Honeymoon“ durchschaut, ein bisschen etwas von der Auflösung konnte ich auch herausfinden, aber das war das vermeintlich einfachste. Insgesamt muss ich Harlan Coben dann doch loben. Es ist beeindruckend, wie sehr Coben die Techniken eines Thrillers bei seinem Debütroman schon beherrscht hat. Es gibt Spannung – ja, es gibt auch Leerläufe, auf die ich später eingehe, ja, ein paar Sachen sind vorhersehbar –, es gibt Cliffhanger, Coben übertreibt es damit aber nicht. Er verleiht der Geschichte eine durchgängige Tiefe und eine glaubwürdige Dramaturgie, die ein anderer Autor mit 27 oder jünger womöglich nicht verschriftlicht bekommt. Dazu kommt, dass das Buch auch eine Hommage an den Basketballsport ist und als Leser merkt man, wie sehr Coben für diesen Sport und im speziellen für die Boston Celtics mit 27 gebrannt hat und dies vermutlich bis heute tut.

Erster Satz in „Honeymoon“

Tatsächlich gibt es aber auch Leerläufe, zwischendurch habe ich mich durch die Zeilen gequält; „Honeymoon“ ist für mich ein eher bruchstückhafter Thriller, denn der Großteil des Buches könnte auch als normaler Roman, einiges davon sogar als Liebesroman, in dem es nur so vor Schmalz trieft, durchgehen. Doch am Prolog und insbesondere am Ende und immer wieder zwischendurch erkennt man, dass man einen Thriller vor sich hat. Ein Thriller, dem Coben schon damals sein Thema, das in so gut wie in jedem seiner Bücher die Grundlage bildet, aufdrückt. Am Ende baut Coben einen Plot-Twist nach dem anderen ein, sodass einer wie der andere meine schön zusammengezimmerte Theorie ruiniert wie ein Windstoß ein Kartenhaus.

Das Einzige, das für mich überhaupt nicht nachvollziehbar war, war der Showdown. Der Aufbau ist zwar schön aufgebaut, aber warum Coben ihn dann so enden ließ – keine Ahnung. Und es wird eindeutig zu oft erwähnt, wie schön Laura und generell alle anderen Frauen im Buch sind – vielleicht fände ich sie ja gar nicht so schön, Herr Coben. Na ja, Schnee von gestern, das Buch spielt vor dreißig Jahren – das erkennt man spätestens dann, wenn die Stadt Leningrad erwähnt wird.


Epilog: „Honeymoon“ ist nicht nur das Erstlingswerk von Harlan Coben, sondern auch ein für mich eher bruchstückhafter Thriller, der auch als völlig normaler Roman durchgehen könnte, weil Coben mit der Spannung eher sparsam umgeht. Es gibt auch Leerläufe, die mich durch die Zeilen gequält haben. Dennoch: ein solides Debüt.

Daten zum Buch 

Autor: Harlan Coben
Titel: Honeymoon
Originaltitel: Play Dead
Übersetzung: Charlotte Breuer, Norbert Möllemann
Seiten: 640
Erschienen am: 15. Juli 2019
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-48464-5
Preis Print: 10 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

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