[Rezension] Chris Carter: Jagd auf die Bestie (Hunter & Garcia – Band #10)

Die Bestie ist wieder da. Über drei Jahre saß Lucien Folter in einem Hochsicherheitsgefängnis, in das ihn Robert Hunter gebracht hat, doch das ist Geschichte. Folter hat den Ausbruch geschafft und kann nun wieder das tun, was er am liebsten macht: töten – auf jede beliebige Art. Hunter hingegen ist es unbegreiflich, wie Folter aus dem Gefängnis kam und dabei fünf Aufseher und Pfleger töten konnte. Auch sein Kollege Garcia kann es nicht verstehen. Aber Hunter weiß, dass es Folter nicht auf Garcia abgesehen hat, sondern einzig und allein auf ihn, denn Hunter kennt Folter aus seiner Studienzeit. Und war mit ihm befreundet  … 

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 2/5
Spannung: 5/5
Showdown: 4/5

Prolog: Chris Carter sieht man auf den ersten Blick nicht an, dass er Schriftsteller ist, eher erinnert er an einen entfernten Verwandten von Ozzy Osbourne – und tatsächlich war er Musiker, bevor er sich vollends dem Schreiben gewidmet hat. Meine Erfahrungen mit seinen Büchern waren vor der Lektüre von „Jagd auf die Bestie“ bescheiden, denn den „Kruzifix-Killer“ – der erste Teil der Hunter-Garcia-Reihe – habe ich nach wenigen Seiten erfolgreich abgebrochen – warum, weiß ich nicht mehr, vielleicht war ich schlicht in der falschen Stimmung. Mit „Jagd auf die Bestie“ feiert Carter ein Jubiläum, denn es ist der zehnte Teil der Reihe – und ich war selten zuvor weiter davon entfernt, ein Buch abzubrechen.


zweifelsohne ein Pageturner


Robert Hunter wuchs ganz unten, in einen Brennpunktbezirk von Los Angeles, auf. Doch er tat sich in der Schule leicht, schaufelte sich innerhalb von zwei Monaten, den ganzen Schulstoff eines Jahres ins Hirn. Er war frustriert, weil er konstant unterfordert war in der Schule. Mit sechzehn schrieb er sich an der Uni ein und tat sich auch dort leicht. Ich fragte mich beim Lesen dieser Zeilen, warum er dann zur Polizei ging – die Antwort leuchtete mir ein und ich fand Hunter sofort sympathisch.

Die zweite relevante Figur in dem Buch ist Lucien Folter, den Hunter von der Uni kennt. Die beiden waren befreundet und Folter riet Hunter damals, dass er an seiner Statur arbeiten soll; aufgrund des jungen Alters und dadurch, dass er schmächtig war, wurde Hunter von den anderen Kommilitonen gehänselt – das geistige Alter solcher Studenten müsste also bei circa sieben liegen. Lucien Folters Lebenselixier ist das Töten, er soll in seinem bisherigen Leben über hundert Menschen getötet haben – manche Menschen haben in ihrem gesamten Leben nicht mal so oft Sex – und führt akribisch Buch über jeden Mord. Er hat eine ganze Mord-Enzyklopädie erstellt, diese wurde vor über drei Jahre versperrt – und Hunter hat Folter hinter Gitter gebracht. Jetzt ist Folter wieder draußen und will Rache an seinem ehemaligen Freund und Kommilitonen üben.

Das Buch beginnt mit einem Satz, der aus ge- oder verzählten 44 Wörtern besteht – jeder Autorenberater würde von so einer Wörterwurst abraten. Aber Chris Carter ist schließlich nicht irgendwer, zu ihm würde jeder Autorenberater vermutlich nur „Mach nur“ sagen – und Carter hat gemacht. Nicht nur, dass er den zehnten Teil der Hunter-Garcia-Reihe geschrieben hat, er hat auch innerhalb dieser Reihe eine Fortsetzung, einen zweiten Teil, geschrieben. „Jagd auf die Bestie“ ist nämlich die Fortsetzung von „Die stille Bestie“, dem sechsten Teil der Reihe. Kompliziert wird es deshalb aber nicht – obwohl ich keinen einzigen Teil der Reihe gelesen habe, hatte ich überhaupt keine Probleme damit, hier einzusteigen.

„Jagd auf die Bestie“ ist zweifelsohne ein Pageturner, den ich weit besser fand, als ich erwartet hätte. Nicht nur, dass das Buch ungemein spannend ist, Chris Carter demonstriert zwischendurch auch immer wieder sein psychologisches Wissen – das ging so weit, dass ich mir ein Buch über Kriminalpsychologie gekauft habe. Chris Carter weiß also zu begeistern – auch abseits von seinen Geschichten.

Allerdings – und nun komme ich zum weniger positiven – , obwohl einige Leute daran arbeiten, Folter wieder einzufangen und in seine Zelle zu verfrachten: Relevant sind nur zwei Charaktere in dem Buch – Folter und Hunter. Es ist ein Duell zwischen den zweien. Garcia wirkt bis zum Showdown mehr wie eine Nebenfigur in seiner eigenen Buchreihe. Einzig Tyler West – einer der Ermittler – hat mehr Relevanz. Er repräsentiert gewissermaßen den Leser, weil ihm viele Dinge erklärt werden müssen. Im Gegensatz zu den anderen Ermittlern wirkt er zwar einfacher gestrickt – für den Leser ist er aber immens wichtig, um gewisse Dinge besser nachzuvollziehen.


Epilog: „Jagd auf die Bestie“ ist besser, als ich erwartet hätte. Chris Carter feiert mit dem zehnten Band der Hunter-Garcia-Reihe nicht nur Jubiläum, er hat auch innerhalb der Reihe einen zweiten Teil verfasst (siehe oben). Mit dem Pageturner beweist er nicht nur, dass er Spannung kann, sondern demonstriert auch auf eindrucksvolle Art und Weise sein psychologisches Wissen. Bei den Charakteren muss man allerdings Abstriche machen, denn wirklich relevant sind nur Robert Hunter und Lucien Folter.

Daten zum Buch 

Autor: Chris Carter
Titel: Jagd auf die Bestie
Originaltitel: Hunting Evi
Übersetzung: Sybille Uplegger
Seiten: 416
Erschienen am: 26. Juli 2019
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548291918
Preis Print: 10,99 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

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