[Rezension] B.C. Schiller: Böse Tränen (Levi Kant – Band #2)

Am Donaukanal in Wien wird eine Kinderleiche gefunden, beziehungsweise die Knochen davon. Daneben liegt ein Halstuch, in dem „Juli“ eingestickt ist. Levi Kant ist zwar kein aktiver Polizist mehr, aber er kennt eine Person, deren Tochter Juli heißt. Olivia ist Psychiaterin und vermisst seit fünf Jahren ihren Mann und ihre Tochter – die Tochter heißt Juli. Ist das tote Mädchen Juli? Kant arbeitet sich in den Fall hinein, er lässt ihn nicht mehr los, er muss herausfinden, wer das Mädchen ist und wer es getötet hat – und vor allem: wieso. Er bohrt und bohrt also; solange, bis er auf blaues Blut stößt …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 2/5
Atmosphäre: 2/5
Charaktere: 2/5
Spannung: 2/5
Showdown: 1/5

Prolog: Ich bin vor zwei oder drei Jahren auf B.C. Schiller gestoßen und habe „Rattenkinder“ gelesen. Ich fand es ziemlich gut. Irgendwann schrieb mich Barbara Schiller an und fragte mich, ob ich den ersten Teil von „Targa“ vorablesen und rezensieren wolle – klar, dachte ich mir, „Rattenkinder“ war doch gut. Ich fand auch „Targa“ gut – zumindest damals. Denn heute würde ich es anders bewerten – schlechter. Ähnlich verhält es sich mit „Böse Tränen“.


 

wirkt großteils leider ziemlich billig


Levi Kant unterrichtet an der Polizeiakademie, seit er aus dem Dienst ausgeschieden ist. Nebenher bearbeitet er, wie sein dänischer Kollege, Carl Mørck, Cold Cases. Bei seinem Job als Lehrer macht er auch gerne Exkursionen, platziert Puppen im Gebüsch und schaut, wie seine Schüler auf vermeintliche Leichen reagieren. Mit Olivia Hofmann hat er schon im ersten Teil der Reihe zusammengearbeitet – dass sie ihre Familie vermisst, wurde auch damals schon thematisiert. Es dürfte also der rote Faden sein, der sich durch die Levi-Kant-Reihe zieht. Privat haben Levi und Olivia nichts oder nur wenig gemein. Levi ist glücklich mit seiner Frau Rebecca verheiratet und Olivia betreut ihren dementen Vater, zu dem sie jetzt wieder gezogen ist.

Erster Satz in „Böse Tränen“

Das Gute zuerst: „Böse Tränen“ ist nicht nur irrsinnig rasant, sondern auch sehr lebhaft. Es finden viele Dialoge statt, was die Rasanz zusätzlich befeuert. Rasanz können die Schillers definitiv, das haben sie mir in „Rattenkinder“ und „Targa“ schon gezeigt. Ich kenne mit „Böse Tränen“ mittlerweile drei verschiedene Reihen von B.C. Schiller – insgesamt betreut das Ehepaar fünf verschiedene Reihen – ich kenne keinen Autor, der ebenfalls so viele Reihen hat, die er nahezu parallel bearbeitet. Das ist bemerkenswert, aber eines muss ich auch sagen: Die Levi-Kant-Reihe war für mich bis jetzt die schwächste.

„Böse Tränen“ hat eine komplett flache Geschichte. Wer einfach zwischendurch ein Buch zum Hirnausschalten lesen will, oder vielleicht eine Strandlektüre sucht, für den ist „Böse Tränen“ das perfekte Buch. Für Puristen wie mich, der dann doch etwas mehr will als einen Thriller von der Stange, bei dem Olivias Suche nach ihrer Familie und Levis Judentum etwas Tiefe vermitteln – um nicht zu sagen: heucheln – ist das zu wenig. Hochwertig ist die Ware nicht. Das heißt nicht, dass ich nicht auch mal gerne seichte Bücher lese – ich liebe zum Beispiel Richard Laymon, aber selbst dessen Bücher wirken neben diesem hier wie Shakespeare.

Die Schillers produzieren viel, das artet teilweise in Massenproduktion aus – im Jahr 2018 erschienen gleich vier neue Bücher von ihnen. Wenn man so viel schreibt, bleibt wenig Zeit zum recherchieren – genau das fehlt „Böse Tränen“. Gleichzeitig versuchen die zwei den Spagat zwischen Ermittlungs- und Psychothriller zu schaffen – es bleibt beim Versuch, weder das eine noch das andere wirkt ausgereift. Im Gegenteil wirkt „Böse Tränen“ großteils ziemlich billig – als wäre das Buch nur darauf aus, verkauft zu werden. Inhalt egal, Hauptsache die Fangemeinschaft bekommt neuen Lesestoff.

Bestätigend kommt hinzu, dass die Dialoge teilweise sehr hölzern und gestellt wirken – selbst GZSZ bietet bessere Dialoge. Die größte Frechheit ist allerdings der Showdown, der dermaßen theatralisch und unglaubwürdig ist, dass ich mir gedacht habe: Was für ein Schwachsinn, und nur mehr die Seiten bis zum Ende gezählt habe. Am Ende gibt es noch einen Cliffhanger, der dem Leser den dritten Teil der Reihe schmackhaft machen soll, aber darauf verzichte ich sehr herzlich.


Epilog: „Böse Tränen“ von B.C. Schiller ist ein Thriller von der Stange. Wer ein Buch für zwischendurch sucht, eine anspruchslose Strandlektüre, der ist hiermit bestens bedient. Für mich lässt dieses Buch jegliche Tiefe vermissen – und auch, dass für dieses Buch, wenn überhaupt, nur wenig Recherchearbeit aufgewendet wurde, merkt man ihm leider an.

Daten zum Buch 

Autor: B.C. Schiller
Titel: Böse Tränen
Seiten: 301
Erschienen am: 24. September 2019
Verlag: Edition M
ISBN: 978-2919808397
Preis Print: 9,99 Euro
Preis Digital: 4,99 Euro
(Preise können abweichen)

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