[Rezension] Sam Eastland: Rote Ikone (Inspektor Pekkala – Band #6)

Der Hirte ist weg. Lange war Der Hirte die Stütze der russischen Bevölkerung, die man zwar selten sah, aber wenn, dann fühlten sich die Russen wohl und sicher. Der Hirte ist ein Gemälde, eine Ikone, die den Romanows, der Zarenfamilie, gehörte. Die Zarin gab ihn nach Beginn des Ersten Weltkriegs Grigori Rasputin, um ihn aufzubewahren. Kurze Zeit später war er weg, um dreißig Jahre später – kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs – in Deutschland wieder aufzutauchen. Doch wer hat die Ikone gestohlen – und wie kam sie nach Deutschland? Das soll der angesehene Inspektor Pekkala herausfinden. Doch er wird dabei von jemanden verfolgt, der den Hirten schon hatte und ihn jetzt zurückhaben will. Bei diesem Vorhaben schreckt derjenige nicht vor Mord zurück  …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 5/5
Charaktere: 3/5
Spannung: 4/5
Showdown: 3/5

Prolog: Sam Eastland ist mir nicht unbekannt. Ich habe den ersten Teil der Pekkala-Reihe gelesen und die Reihe danach eiskalt wie der sibirische Winter ignoriert. Warum, weiß ich nicht mehr. Zu lange ist es her. Den Namen Sam Eastland habe ich aber nie vergessen, zu eingängig ist er. Jetzt bin ich über sein neuestes Werk gestolpert und ich hab mir gedacht „Warum eigentlich nicht?“. Also habe ich die Vergangenheit im doppelten Sinne wieder aufleben lassen – der sechste Teil spielt nämlich im Zweiten Weltkrieg.


Eastland schafft es, den Leser in seinen Bann zu ziehen.


Einst hat Pekkala für den letzten Zaren Russlands gearbeitet, heute arbeitet er für Stalin. Tatsächlich spielen alle Teile der Reihe im Rahmen der Zeit unter Stalin. Pekkala arbeitet für dessen Geheimdienst, er muss nicht irgendwelche profanen Serienmörder finden, sondern bekommt verschiedenste Aufgaben von seinem Arbeitgeber gestellt. Schon unter dem Zaren wollte er das Rätsel um den „Hirten“, das gestohlene Bild, lösen, doch dieser zieht ihn vom Auftrag ab. Gerne würde ich euch Pekkalas Persönlichkeit näherbringen, aber mehr, als dass er gebürtiger Finne ist, weiß ich eigentlich nicht – und ich habe auch keine Ahnung, ob man in den restlichen vier Teilen, die ich nicht gelesen habe, mehr erfährt. Er ist ein sehr unnahbarer Charakter, der nur das Nötigste spricht und sehr versiert ist, in dem, was er tut.

Erster Satz in „Rote Ikone“

Was die Reihe ausmacht, ist die irrsinnig dichte Atmosphäre. Man glaubt fast, dass man in der Zeit zurückgeschleudert wird. Dazu kommt, dass Eastland – der eigentlich Paul Watkins heißt – die Geschichte so akkurat wiedergibt, dass ich nicht nur einmal Google bemüht habe, um zu hinterfragen, ob das wirklich stimmt – seid euch sicher, es stimmt vermutlich alles. Oftmals musste ich mich vom Googeln abhalten, weil es meinen Lesefluss nachhaltig unterbrochen hat. Einmal mit dem Googeln angefangen, kann ich manchmal nur schwer aufhören damit, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Geschichte springt in der Zeit immer wieder vor und zurück – vom Zweiten Weltkrieg in den Ersten, in die Zwischenkriegszeit und zurück – und Pekkala ist immer dabei, weshalb man immer aufpassen muss, wo man gerade ist, sonst ist man verwirrt. „Rote Ikone“ ist definitiv kein Buch, bei dem es heißt „Hirn ausschalten und los gehts“ – viel mehr muss man sich auf die Geschichte einlassen; wird dann aber auch belohnt, wenn man eine Affinität für Geschichte hat.

Nicht nur, dass man viel über die Geschichtsschreibung lernt, schweift Eastland auch gerne aus. Das war mir persönlich zeitweise etwas zu viel, zeitweise ist er etwas zu verliebt im Detailgrad seiner Erzählung. Das tut zwar der Ausstaffierung der Atmosphäre gut – aber nicht dem Lesevergnügen. Am Ende war ich aber wirklich froh, dass ich mich zum Lesen dieses Buches entschieden habe, denn die positiven Dinge überwiegen klar. Und so wurde am Ende aus dem „Warum eigentlich nicht?“ ein „Gerne wieder“.


Epilog: „Rote Ikone“ von Sam Eastland ist der sechste Teil der Inspektor-Pekkala-Reihe und eine schöne Reise in die Vergangenheit. Eastland schafft es mit einer dichten Atmosphäre und einer akkuraten Wiedergabe und Implementierung der Geschichtsschreibung, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Ich freue mich auf Teil Nummer sieben.

Daten zum Buch 

Autor: Sam Eastland
Titel: Rote Ikone
Originaltitel: Red Icon
Übersetzung: Karl-Heinz Ebnet
Seiten: 368
Erschienen am: 1. Oktober 2019
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426522110
Preis Print: 10,99 Euro
Preis Digital: 4,99 Euro
(Preise können abweichen)

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