[Rezension] Jenny Blackhurst: Mein Herz so schwarz

Warum stürzt sich Evelyn am Tag ihrer Hochzeit die Klippen hinunter? Wieso stürzt sie ihren Ehemann Richard in ein tiefes Dilemma? Ihr Freund, um den sich jetzt ihre beste Freundin kümmert. Rebecca hat Evelyn bewundert, hat zu ihr aufgesehen. Mit ihr war Rebecca endlich wer, nicht das mittelständische Mädchen, das gerade mal so über die Runden kam. Mit Evelyn hatte sie den Eintritt in eine höhere Gesellschaft, denn Evelyns Familie war reich, sie hatten Haushälterinnen, Kindermädchen, Butler. Aber Evelyn machte das nicht glücklich – im Gegenteil. Sie fühlte sich unter Druck gesetzt von ihrem Vater, ihre Mutter war psychisch krank und hing an der Flasche. Brachte sie sich deshalb um? Rebecca weiß mehr – mehr als sie zugeben will …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 5/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 4/5
Showdown: 5/5

Prolog: Jenny Blackhurst ist eine jener Autoren, die Eindruck bei mir hinterlassen hatten, nachdem ich „Die stille Kammer“ gelesen hatte – auch wenn ich nicht mehr sagen kann, warum, denn so gut fand ich das Buch gar nicht. Dennoch habe ich mir ihren Namen gemerkt und mir jetzt ihr neuestes Buch, „Mein Herz so schwarz“, besorgt. Und auch danach hatte ich ein gutes Gefühl – und wieder weiß ich nicht genau wieso. Ich begebe mich jetzt mal auf Ursachenforschung.


ein Psychothriller, der zum umblättern einlädt


Rebecca ist die beste Freundin von Evelyn, und weiß mehr, als sie zugibt. Das merkt man eigentlich von Anfang an. Sie kümmert sich rührend um den trauernden Ehemann und nunmehrigen Witwer. Über die Person der Rebecca erfährt man eigentlich kaum etwas, außer dass sie am Rockzipfel von Evelyn gehangen ist – dem besten Menschen, den sie kannte. Lange hatte ich den Eindruck, dass Rebecca Evelyn gar geliebt hat, aber richtig manifest wird das eigentlich nicht.

Wesentlich mehr erfährt man über Evelyn, jene Frau, die eine Zeit lang den Nachnamen Rosseau trug. Ein Name, der mich bei jeder Erwähnung an mein Studium denken ließ. Evelyn kommt ursprünglich aus Frankreich, ihr Vater Dominic hat bis heute einen starken Akzent. Evelyn studierte Fotografie, weil ihr Vater ihr einst sagte, sie solle den Leuten die Welt durch ihre Augen zeigen – gesagt getan. Doch Evelyn ist nicht glücklich, war sie nie. Nur einmal war sie kurze Zeit glücklich – als sie mit James Abblington zusammen war. Bis es ihr verboten wurde.

Erster Satz in „Mein Herz so schwarz“

„Mein Herz so schwarz“ hat schon etwas von Romeo und Julia, eine Liebe, die mit aller Macht verhindert wird. Warum, erfährt der Leser erst spät – und das ist gut so. „Mein Herz so schwarz“ ist im Prinzip ein Liebesroman, darüber kann man nicht hinwegtäuschen. Aber Jenny Blackhurst schafft es, daraus einen Psychothriller zu machen, der zum Umblättern einlädt – dafür sind nicht nur die kurzen Kapitel verantwortlich, sondern auch der Plot, der interessant, aber vor allem packend ist. Denn natürlich will man als Leser nicht nur wissen, warum Evelyn gestorben ist, sondern was Rebecca weiß und warum sie mehr weiß, als alle anderen. Dazu kommt, dass die Atmosphäre so dicht ist, dass ich teilweise gar nicht mehr aufhören wollte zu lesen. Mehr dazu weiter unten.

Dabei lesen wir immer abwechselnd die Geschichte von Rebecca in der Gegenwart und jene von Evelyn, die weit zurück in ihre Kindheit reicht. Und so wird die Geschichte aufgedröselt bis dann der Plot-Twist kommt, der einen „Honeymoon“-Moment hat. Nein, wir gehen nicht auf Flitterwochen – mit einer Leiche lässt es sich schlecht flittern. Aber der Plot-Twist hat mich an jenen aus Harlan Cobens Erstlingswerk erinnert und ebenso umgehauen. Ein klassischer WTF-Moment ohne Ansage. Nicht nur dahingehend hat mich das Buch an Coben erinnert; Blackhurst hat sich auch dessen Stilmittels bedient. Blöderweise habe ich direkt zu Beginn daran denken müssen und habe mir damit gleich mal das Buch etwas versaut. Es ist aber leider auch zu offensichtlich.

Auch wenn mir kurze Kapitel normalerweise lieber sind als lange – kurze lassen sich besser einteilen, man kann jederzeit aufhören zu lesen –, hat mich das hier etwas gestört. Ich wollte in die Geschichte vor allem von Evelyn eintauchen, weil ich sie irrsinnig interessant fand – wenn dann nach kurzer Zeit schon wieder Schluss ist und man sich wieder mit der Gegenwart der farblosen Rebecca auseinandersetzen muss, ist das schade. Nichtsdestotrotz hat mir „Mein Herz so schwarz“ sehr gut gefallen, und ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Blackhurst.


Epilog: „Mein Herz so schwarz“ von Jenny Blackhurst ist ein packender Psychothriller über eine Braut, die sich am Abend ihrer Heirat umbringt und damit nicht nur ihren Ehemann in ein Dilemma stürzt. Ein Buch wie Romeo und Julia in Gestalt eines Psychothrillers. Mit kurzen, knackigen Kapiteln, deren Kürze mich diesmal aber etwas gestört haben.

Daten zum Buch 

Autor: Jenny Blackhurst
Titel: Mein Herz so schwarz
Seiten: 397
Erschienen am: 31. Juli 2019
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-17842-1
Preis Print: 11 Euro
Preis Digital: 8,99 Euro
(Preise können abweichen)

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