[Rezension] Rob Hart: Der Store

Cloud ist der Store, der alles hat und alles liefert. Paxton und Zinnia wollen und werden dort arbeiten. Zinnia nicht ganz ohne Hintergedanken, denn sie soll das Shoppingmonopol ausspionieren und herausfinden, ob das Unternehmen des reichsten Menschen der Welt, der an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte Gibson Wells, tatsächlich so „grün“ arbeitet, wie es offiziell ausgibt. Und so begibt sie sich in die Höhle des Löwen, unterwirft sich und lässt sich fast 24/7 mit einem sogenannten CloudBand überwachen. Dabei lernt sie Paxton kennen und nützt seine Position für ihre Zwecke aus. Doch dieser hat eine ganz eigene Agenda, denn Cloud hat seine Existenz zerstört … 

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 5/5
Charaktere: 3/5
Spannung: 4/5
Showdown: 3/5

Prolog: Ich habe den Namen Rob Hart noch nie gehört, geschweige denn etwas von ihm gelesen, aber Settings wie das in „Der Store“ ziehen mich magisch an, weil mich diese Thematik interessiert. Überwacht werden, dystopische Visionen. Solche Sachen eben. „Der Store“ vereint das und bietet darüber hinaus noch wesentlich mehr.


eine exzellent erzählte Dystopie

 


Es sind harte Zeiten. Wer nicht bei Cloud oder einem ihrer Tochterunternehmen arbeitet, arbeitet vermutlich gar nicht. Cloud hat die Arbeitslosenquote von 25 auf drei Prozent gedrückt, etwaige oder potenzielle Konkurrenten kauft es einfach auf. Paxton war Unternehmer. Er hat eine Vorrichtung erfunden, die dir ein perfekt gekochtes Ei zubereitet – Cloud hat dieses Unternehmen zerstört, weil es immer höhere Rabatte verlangt hat. Danach war er Gefängniswärter. Und jetzt ist er bei Cloud und arbeitet als Securitymensch. Zinnia hingegen ist so etwas wie eine Doppelagentin. Sie arbeitet bei Cloud und spioniert sie gleichzeitig aus. Paxton und Zinnia lernen sich kennen und schätzen, gehen nach der Arbeit einen trinken und danach landen sie im Bett – eine angenehme Abwechslung für beide. Während Paxton eine zusätzliche Aufgabe aufgehalst wird – er soll Dealer einer bestimmten Droge dingfest machen – muss sich Zinnia mit ganz anderen Dingen herumschlagen: Machtmissbrauch. Damit ihr Ranking nicht in den Keller fällt, muss sie sich regelmäßig vor dem Manager Rick ausziehen. Sonnenlicht sehen die Cloud-Mitarbeiter nicht viel, denn dort wo sie arbeiten, wohnen sie auch. Fuck their lifes.

Erster Satz in „Der Store“

Das erste Wort, das mir beim Lesen von „Der Store“ durch den Kopf gegangen ist, war: Amazon. Amazon hat wie Cloud auch fast ein Monopol beim Internethandel. Und die Hallen, durch die Zinnia tagtäglich rennt – sie sucht die Waren zusammen, die die Leute bestellen – sind so weitläufig, dass man zur nächsten Toilette gut und gerne zwanzig Minuten braucht. Auch so stelle ich mir das Baby von Jeff Bezos vor. Und ja, die erste Seite, auf die ich schaue, wenn ich irgendetwas benötige, ist Amazon und mir ist sogar bewusst, dass das nicht das intelligenteste ist, aber es ist einfach am bequemsten. Immerhin Bücher kaufe ich mittlerweile nicht mehr bei Amazon, weil ich Kindle nicht mag.

Das Buch beginnt allerdings mit etwas komplett anderem, nämlich mit einem Blogeintrag von Gibson Wells, seines Zeichens CEO von Cloud und reichster Mann der Welt – er ist das Pendant zum Amazon-Gründer. Der offenbart, dass er Bauchspeicheldrüsenkrebs hat und nur mehr ein Jahr zu leben hat. Ein gut gewählter Start ins Buch, denn solche Storys über schicksalsgebeutelte Menschen ziehen bekanntlich nicht nur beim „Supertalent“. Immer wieder lesen wir solche Blogeinträge und immer sind sie in der ersten Person erzählt. Das lässt den CEO, der die Mitarbeiter nahezu rund um die Uhr ein sogenanntes CloudBand tragen lässt, ohne dem man nicht weit kommt und mit dem jede Bewegung getrackt wird, sympathisch aussehen. Skeptische Menschen finden den aber gar nicht so sympathisch, auch wenn es selbst mir schwer gefallen ist, ihn unsympathisch zu finden, weil – na ja – er stirbt bald! Gibson Wells ist mit Abstand der am besten gezeichnetste Charakter. Paxton traut man nicht mal im Ansatz etwas zu, das autoritär ist und Zinnia denkt sich „Männer haben einen Schwanz, also kann ich sie ausnutzen“ – ist die Welt echt so einfach?

Das Buch besteht insgesamt aus elf Teilen und einige davon gehen schon mal dafür drauf, um die Infrastruktur von Cloud zu erklären, denn die ist komplex. Das Buch bleibt dabei aber immer leichtfüßig und auf Augenhöhe mit dem Leser. In ein Genre lässt sich der Roman nicht zwängen, ich kann nur eines sagen: Es macht einiges richtig und regt dabei mindestens zum Denken an. Darüber wie unsere Welt tickt und über unser Konsumverhalten. Ausgezeichnete Arbeit.

Dennoch habe ich ein paar negative Kritiken, denn den Titel finde ich recht unglücklich gewählt. Man hätte den Originaltitel – „The Warehouse“ – einfach eins zu eins ins Deutsche übersetzen können – stattdessen packt man einen deutsch-englischen Hybrid aufs Cover. Übrigens ein Cover, das trotz oder gerade wegen seiner Schlichtheit genial ist. Bei den Hauptcharakteren, Paxton und Zinnia, hätte etwas mehr Backstory nicht schlecht getan. Über Zinnia erfährt man nichts, außer dass sie eine Wirtschaftsspionin mit einem fragwürdigen Männerbild ist. Und warum Paxton so ein Lappen ist, wurde mir auch nie wirklich klar.


Epilog: „Der Store“ von Rob Hart ist eine exzellent erzählte Dystopie, die ein Bild der Zukunft zeigt, die nicht komplett an den Haaren herbeigezogen ist, die Rob Hart aber auch nicht von vornherein verurteilt. Vielmehr schildert er, wie es sein könnte, wenn man die Global Player so weitermachen lässt, wie sie es jetzt tun, und überlässt es dem Leser, selbst ein Urteil zu fällen. Die Charaktere Paxton und Zinnia hätten etwas mehr Backstory vertragen und der deutsche Titel hätte besser gewählt sein können.

Daten zum Buch 

Autor: Rob Hart
Titel: Der Store
Originaltitel: The Warehouse
Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt
Seiten: 592
Erschienen am: 2. September 2019
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-27230-9
Preis Print: 22 Euro
Preis Digital: 12,99 Euro
(Preise können abweichen)

Ein Gedanke zu „[Rezension] Rob Hart: Der Store

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.