[Rezension] Arno Strobel: Offline – Du wolltest nicht erreichbar sein. Jetzt sitzt du in der Falle.

Zehn Menschen wollen abschalten. Offline gehen. Sie geben ihr Smartphone ab und verschanzen sich auf einer Skihütte. Das klingt idyllisch. Vielleicht ein Abend vor einem Kaminfeuer, ein gutes Buch in der Hand und ein Gläschen Wein am Tisch. Oder ein paar Schwünge auf Skiern unter blauem Himmel und Sonnenschein. Richtig abschalten eben. Doch die zehn haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn der hat die Worte „nicht erreichbar sein“ offenbar anders interpretiert, denn an einem Morgen erscheint Thomas plötzlich nicht mehr beim Frühstück. Ausgerechnet Thomas, der sich am Abend davor noch gefragt hat, wie er es ohne Smartphone aushalten soll. Als er schließlich von seinen Mitreisenden gefunden wird, ist er tatsächlich offline – im wahrstem Sinne nicht erreichbar. Und er wird nicht der einzige bleiben, denn die Hütte ist zugeschneit – es gibt kein rein und kein raus …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 5/5
Charaktere: 2/5
Spannung: 4/5
Showdown: 2/5

Prolog: Arno Strobel ist einer jener Autoren, über die ich immer wieder stolpere, aber nur selten lese. Bei „Offline“ waren es Titel, Thematik und Cover, die mich überzeugt haben, zu dem Buch zu greifen. Von Strobel habe ich davor nur ein Buch gelesen – „Skriptum“ –, und das fand ich eher semi. Bei „Offline“ gilt das Motto „Don’t judge a book by its cover“, wobei der Großteil … lest ihr unten.


 

treibt zum Umblättern an


Ich bin normalerweise kein besonderer Freund von Prologen, aber dieser hier ist fulminant. Wir erleben Katrin, die gedanklich von Florian schwärmt. Er ist ihr Schwarm und sie hofft, dass er sie bald wieder mal anruft. Als er es nicht tut, versucht sie ihrerseits, ihn anzurufen, doch die Nummer, die sie wählt, ist nicht vergeben – was ist da denn los? Sie hat doch schon häufiger mit ihm telefoniert, und er mag sie genau so wie sie ihn mag – das weiß sie. Plötzlich meldet sich mitten in der Nacht ihr Smart Speaker – ihre Alexa, die im Buch Ella heißt – und droht ihr, sie zu töten. Tatsächlich gibt es die Theorie, die besagt, dass #Kis – künstliche Intelligenzen – irgendwann schlauer als die Menschheit werden und zurückschlagen. Vom Dominierten zum Dominierenden. Die Szene im Prolog ließ mich daran denken, weshalb ich diesen so großartig fand.

Im weiteren Verlauf spielt Katrin keine Rolle mehr, dafür Florian, der Schwarm von Katrin. Er ist Systemprogrammierer und entwickelt Apps. Er ist gemeinsam mit drei Kollegen bei einer Digital Detox Reise. Digital Detox – digitale Entgiftung. Etwas, was in unserer digitalisierten Welt in aller Munde ist. Das hat auch etwas mit Achtsamkeit zu tun, wie man bei Karsten Dusses „Achtsam morden“ lernt. Einfach mal abschalten, das Handy abdrehen, offline gehen und nicht erreichbar sein. Etwas was heute unmöglich scheint, wo man in zig Whatsapp-Gruppen ist und an FOMO – Fear of missing out – leidet. Man könnte ja was verpassen. Na und? Die Welt geht davon ja nicht unter.

Nicht so bei Strobels „Offline“, wo die Menschen systematisch und wortwörtlich vom Netz genommen werden. So wie Thomas – einer der Mitreisenden – der nach einem Tag bewegungs- aber nicht leblos gefunden wird. Er lebt, kann aber weder hören, sehen, fühlen noch sprechen. Forciertes Locked-In-Syndrom. Der Verstand funktioniert noch, alles andere nicht mehr. Ewige Einsamkeit. Irgendwann lesen wir kursiv gehaltene Kapitel, wo wir über das zweite Opfer lesen, und hier wird es noch gruseliger, denn wir bekommen die Gedanken und die Verzweiflung hautnah mit.

„Offline“ reiht sich in Thriller wie „Murder Park“ und „Die Party“ von Jonas Winner oder „Das Inselhaus“ von Leonora Christina Skov ein, wobei das Konzept um einiges perfider ist, denn quasi im Wachkoma zu verharren fände ich wesentlich schlimmer als tot zu sein. Dennoch ist es ein weiterer verthrillter Abzählreim, von denen es schon zuhauf gibt – aber einer der besseren.

Bis wir zum Showdown kommen, denn die Auflösung ist leider fürchterlich vorhersehbar. Sowohl die Art, wie sich das zweite Opfer mitteilen zu versucht, als auch, wer hinter all diesen Gräueltaten steckt. Das hat mir das Buch, das ansonsten sehr flott zu lesen ist, vermiest. Auch etwas gestört haben mich die ein oder anderen Kapitelbeginne, die nicht selten nahtlos an die Enden der vorherigen Kapitel anschließen. Wenn da lediglich ein schockiertes „Nein!“ steht, hab ich dann doch öfter zurückblättern müssen, um mich an den Kontext zu erinnern. Die Intention dahinter verstehe ich – man soll das Buch möglichst in einem Rutsch lesen –, aber wer von uns hat die Zeit dafür?


Epilog: „Offline“ von Arno Strobel ist ein Abzählthriller, der in einer Reihe mit „Murder Park“, „Die Party“ oder „Das Inselhaus“ einreihen. Die aktuelle Thematik – zunehmende Digitalisierung bzw. die Entgiftung davon – macht das Buch besonders. Die Schreibweise ist sehr flüssig und treibt zum Umblättern an – mit manchen Cliffhangern übertreibt es Strobel aber, denn oft muss man zurückblättern, um sich wieder ins Bild zu setzen. Vor allem hintenraus zeigt das Buch Schwächen, denn die Auflösung kommt wenig überraschend.

Daten zum Buch 

Autor: Arno Strobel
Titel: Offline – Du wolltest nicht erreichbar sein. Jetzt sitzt du in der Falle.
Seiten: 368
Erschienen am: 25. September 2019
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3596703944
Preis Print: 14,99 Euro
Preis Digital: 12,99 Euro
(Preise können abweichen)

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