[Rezension] Tom Bradby: Secret Service – Du kannst keinem trauen

Kate Henderson spioniert. Sie arbeitet beim britischen MI6 und spioniert hier die Russen aus – und die haben großes vor. Denn als Kate mit ihrer Crew in Istanbul ist und einen russischen Oligarchen observiert, erfährt sie durch Zufall, dass der aktuelle Premierminister Großbritanniens an Krebs erkrankt ist. In der Tat tritt er deshalb tags darauf vor die Presse und anschließend zurück. Aber wer wird sein Nachfolger? Eben da kommen die Russen ins Spiel, denn die wollen einen von ihm instruierten Kandidaten an der Spitze sehen. Auch ein gewisser „Viper“ spielt hier eine Rolle – er ist der Mittelsmann zwischen Russland und dem neuen Premier. Da Kate Kontakte nach Russland, wo sie studiert hat, hat, fällt der Verdacht irgendwann auch auf sie  … 

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 4/5
Showdown: 3/5

Prolog: Spionagethriller waren eigentlich noch nie meines, die Atmosphäre hat mir nie behagt und die wenigsten, die ich angefangen habe zu lesen, habe ich auch nicht beendet. Dennoch habe ich mir „Secret Service“ schon vor einigen Monaten vorgemerkt. Nicht nur, weil ich ein Freund britischer Autoren bin, sondern nicht zuletzt wegen Tom Bradbys Hintergrund – Bradby ist politischer Journalist und hat eine eigene Talkshow im britischen Fernsehen. Das versprach einen hohen Grad an Authentizität und Hintergrundwissen. Mal sehen, ob er diese auch verschriftlicht bekommt.


 

wesentlich mehr als nur einen Spionagethriller


Kate Henderson arbeitet beim MI6, dem britischen Geheimdienst im Ausland. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Beim MI6 leitet sie die Russlandgruppe, welche immer ein Auge auf die Machenschaften der Russen hat. Das riecht nach Kaltem Krieg, und das macht auch einen Gutteil der Atmosphäre aus. Beruflich wie privat hat Kate ihre Konfliktherde – privat schlägt sie sich mit ihrer dementen Mutter herum, die sie am liebsten Tod sähe, weil sie jahrelang eine außereheliche Affäre hatte. Beruflich traut Kate niemanden, aber dieser Umstand setzt ihr auch privat zu.

Erster Satz in „Secret Service“

Ein Spionagethriller also. Kein altbackener mit Taschenspielertricks und Schießmichtot, sondern ein Neuzeitiger mit fancy Mikrofonen und so Zeugs – ich gebe es zu, Spionage ist jetzt nicht gerade mein Steckenpferd und das merkt man vermutlich gerade auch daran, wie ich durch diesen Absatz stolpere.

„Secret Service“ ist aber auch kein reiner Spionagethriller, denn ein Gutteil der Story spielt auch in Kates Privatleben. Über ihren Sohn Gus, der gerade aus dem A-Team seiner Rugbymannschaft geflogen ist, oder ihre Tochter Fiona, die einen neuen Freund hat, den Kate nicht leiden kann. Und auch Vertrauen spielt eine große Rolle, denn Kate vertraut niemandem – und das liegt nicht nur an ihrem Beruf, wo Misstrauen quasi zur Job Description gehört, sondern primär an ihrer Mutter.

Und genau das, diese Zwischentöne, machen „Secret Service“ so interessant und lesenswert, weil sich das Private und Berufliche gut ergänzen und sich nicht gegenseitig ausbremsen. Dazu kommt, dass die Geschichte hoch-aktuell und alles andere als unrealistisch ist. Es ist nicht nur Spionagethriller, sondern auch viel Politik, unter anderem deshalb, weil am Rande der Handlung ein parteiinterner Wahlkampf zwischen einer Frau und einem Mann entbrennt, der nicht skandalfrei abläuft.

Bis man zum Grundsetting kommt, dauert es aber rund fünfzig Seiten, in denen ein junges Mädchen von Kate dazu angestiftet wird, für sie zu spionieren. Warum und weshalb erschließt sich erst später, doch bis dahin tappt man im Dunkeln. Der Showdown ist sehr ruhig und gemächlich, wenn auch nicht ganz friktionsfrei. Hintenraus werden leider nicht alle Fragen vollends geklärt – man kann sich die Antworten aber erschließen –, dennoch hätte ich mir da etwas mehr Substanz gewünscht.

Was ich eher unrealistisch fand, ist, dass Kate mit ihren Kollegen via Whatsapp kommuniziert. Als Spion würde ich zu einem abhörsichereren Messenger greifen – aber gut, das ist eine Marginalität, grundsätzlich ist „Secret Service“ spannend und gut zu lesen. Darüber hinaus bietet es wesentlich mehr als nur einen Spionagethriller.


Epilog: „Secret Service“ von Tom Bradby ist ein aktueller Spionagethriller mit einem altbekannten Thema: Ost gegen West. Der Thriller besticht vor allem dadurch, dass er sich nicht nur ums Spionieren dreht, sondern Kates Privatleben nimmt auch einen Großteil der Handlung ein, was sich gut ins Grundsetting einfügt.

Daten zum Buch 

Autor: Tom Bradby
Titel: Secret Service – Du kannst keinem trauen
Originaltitel: Secret Service
Übersetzung: Andrea Brandl
Seiten: 448
Erschienen am: 21. Oktober 2019
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442489763
Preis Print: 9,99 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

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