[Rezension] Alex Beer: Unter Wölfen (Isaak Rubinstein – Band #1]

In der Burg Nürnberg wird die berühmte Schauspielerin Lotte Lanner tot aufgefunden, und eigentlich kommt nur ein Täter infrage: Obersturmbannführer Nosske. Denn er ist bis dato der Einzige, der in der Burg, in der künftig hochrangige Nazis residieren sollen, wohnt. Er hatte ein Verhältnis mit Lanner und er hat Blut an den Händen, als er von seinen Untergebenen gefunden wird. Den Fall lösen soll Adolf Weissmann, ein enger Vertrauter von Heinrich Himmler, der extra von Berlin nach Nürnberg geschickt – doch er erreicht den Tatort nie.
Isaak Rubinstein soll indes samt seiner Familie nach Polen deportiert werden. Der Jude sucht verzweifelt nach einer Lösung, um dem zu entgehen, und hält Ausschau nach seiner ehemaligen Freundin. Die hilft ihm auch – aber nicht so, wie er erwartet hat  …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 5/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 4/5
Showdown: 4/5

Prolog: Alex Beer ist mittlerweile eine feste Größe im Autorengeschäft, sucht man nach historischen Kriminalromanen, kommt man an ihr nicht vorbei. Mit der August Emmerich Reihe behandelt sie eine Zeit, die bis dato vernachlässigt wurde – nämlich jene direkt nach dem Ersten Weltkrieg. Nun also eine zweite Reihe, die mitten im Zweiten Weltkrieg spielt – ungleich schwierigeres Terrain.


 

herausragend recherchiert 


Isaak Rubinstein ist eigentlich Antiquar, er kennt sich mit alten Sachen, allen voran Bücher, aus. Aber sein Antiquariat ist nicht mehr, seit die Nazis es arisiert haben. Jetzt haust er mit seinen Eltern, seiner Schwester und deren zwei Kinder in einer mickrigen Wohnung in einem Judenhaus – bis Dienstag, dann geht es ins polnische Izbica – was sie dort genau erwartet, wissen weder er noch seine Familie. Das Paradies wird es aber nicht sein.

Doch seine Ex-Freundin Clara hilft ihm – und wie, denn Isaak schlüpft einfach in die Rolle des – schwuppdiwupp – plötzlich verschollenen Ermittler Adolf Weissmann. Dass Isaak gar keine Ahnung vom Ermitteln hat, macht nichts – einfach klug dreinschauen und sich Phrasen von Holmes, Poirot und Dupin bedienen, und schon ist das Schauspiel perfekt.

Erster Satz in „Unter Wölfen“

Ich habe Alex Beer vor ein paar Jahren gefragt, ob sie ihren August Emmerich auch bis in die Nazizeit hinein ermitteln lassen würde, weil ich die Vorstellung damals ziemlich reizvoll fand. Daran, dass Beer einfach eine weitere Reihe starten könnte, habe ich nicht gedacht. Wobei es sicherlich nicht so einfach war, denn es bedurfte schon des Erfolges von Emmerich um Rubinstein zum Leben zu erwecken. „Unter Wölfen“ spielt vermutlich nicht umsonst in Nürnberg, war die Stadt zur damaligen Zeit – wir befinden uns im Jahr 1942 – ein immens wichtiger Standort des Deutschen Reiches.

Beer schafft es auch bei dieser Reihe, den Leser innerhalb kürzester Zeit in den Bann zu ziehen, wenngleich der Kern der Geschichte erst nach etwa hundert Seiten beginnt – aber selbst bis dahin ist das Buch interessant; ein Prädikat, das man dem gesamten Buch anheften kann, so nah wie die Handlung an die Realität geknüpft ist. Abermals hat sich Beer in das Thema hineingefuchst und herausragend recherchiert und uns aufgezeigt, zu welch Mitteln Juden zur damaligen Zeit greifen mussten, um dem sicheren Tod zu entgehen.


Epilog: „Unter Wölfen“ von Alex Beer ist ein weiteres Meisterstück der Bestseller-Autorin. Abermals hat sich Beer in eine schwierige Zeit hineingefuchst und uns mit herausragender Recherche eine Welt gezeigt, die wir nicht sehen wollen, in die wir uns politisch aber immer weiter hinbewegen.

Daten zum Buch 

Autor: Alex Beer
Titel: Unter Wölfen
Seiten: 368
Erschienen am: 4. November 2019
Verlag: Limes
ISBN: 978-3-8090-2711-9
Preis Print: 16 Euro
Preis Digital: 11,99 Euro
(Preise können abweichen)

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