[Rezension] Lilja Sigurðardóttir: Das Netz (Island-Trilogie – Band #1)

Sonja reist durch halb Europa und hofft, dass sie ihren Sohn Tómas bald zu sich holen kann – oder dass sie ihn zumindest öfter als alle zwei Wochen für ein Wochenende bei sich hat. Aber dazu braucht sie Geld, das sie jetzt als Drogendealerin verdient. Und dann ist da auch noch Agla, mit der sie so etwas wie eine Beziehung hat. Das weiß auch ihr Ex-Mann Adam spätestens seit er die zwei in flagranti erwischt hat. Agla hingegen hat nicht nur das Problem, dass sie nicht zu ihrer lesbischen Seite steht, sondern, dass sie kurz vor einer Anklage wegen Marktmissbrauch steht – Agla ist Top-Managerin einer Bank und mitverantwortlich für den Bankencrash.
Bragi ist Zollbeamter am Flughafen in Reykjavík und ihm fällt Sonja schon länger etwas sonderbar auf. Sie ist etwas zu perfekt – da stimmt doch etwas nicht. Also recherchiert er und beschattet sie irgendwann sogar …


Könnt ihr euch noch an den Bankencrash 2008 erinnern? Lächerlich, angesichts der Corona-Krise. Aber ja, die gabs auch noch, und Lilja Sigurdardottier hat ihr ein Buch gewidmet. Also zumindest hat sie ihr ein paar Kapitel geschenkt, denn es gibt noch ein paar andere Themen in diesem Kleinod von Thriller. „Das Netz“ ist der Auftakt zur Island-Trilogie.

Sonja ist in eine Falle geraten. Eigentlich sollte sie nur einen Botengang nach Dänemark für ihren Scheidungsanwalt þorgeir machen, doch durch ein abgekartetes Spiel von þorgeir wurde sie zur Drogenlieferantin und versucht jetzt verzweifelt, sich aus dieser Falle zu befreien. Sie ist allerdings nicht die einzige Protagonistin, Agla und der Zollbeamte Bragi, der kurz vor seiner Pensionierung steht, bekommen ebenfalls ausreichend Platz in dem Noir-Thriller.

125 Kapitel auf 360 Seiten, das verspricht knackig-kurze Kapitel. Nicht unbedingt immer war es angebracht, ein neues Kapitel zu beginnen, manchmal hätte ein neuer Absatz genügt, denn manchmal schließt das nächste Kapitel nahtlos an das Vorherige an. Aber ich mag so eine enge Kapitelstruktur, denn das verspricht Kurzlebigkeit – und damit kann „Das Netz“ aufwarten, auch wenn die Tiefe zeitweise auf der Strecke bleibt.

Reichlich Platz eingeräumt wird der LGBTQ-Thematik. Während Sonja genau weiß, was sie will und klar zu ihrer neu entdeckten Homosexualität steht, ist Agla unschlüssig und prüde, Sex gibt mit Sonja es nur im Dunklen – und trotzdem fragt sie Sonja immer wieder, ob sie ihr ein Lesbengeheimnis verraten kann. Das ist mitunter einer der interessantesten Aspekte des Buches. Man muss sich dabei auch auf Explizitheit einstellen.

Insgesamt kommt man sehr flott durch „Das Netz“ und es gibt keinerlei Längen – allerdings finde ich das Ende etwas unglücklich, weil nur wenig darauf hindeutet, dass da noch zwei weitere Teile kommen. Weshalb sich meine Motivation auf Teil zwei in Grenzen hält, auch wenn ich das Buch eigentlich ziemlich gut fand. Wer den zweiten Teil dennoch lesen will, kann dies ab dem 13. Oktober 2020 tun. Der Titel lautet „Die Schlinge“.

Daten zum Buch 

Autor: Lilja Sigurðardóttir
Titel: Das Netz
Originaltitel: Gildran
Übersetzung: Anika Wolff
Seiten: 360
Kapitel: 125
Erschienen am: 16. Juni 2020
Verlag: DuMont Buchverlag
ISBN: 978-3832165192
Preis Print: 10 Euro
Preis Digital: 4,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

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2 Gedanken zu „[Rezension] Lilja Sigurðardóttir: Das Netz (Island-Trilogie – Band #1)

  1. Tintenhain sagt:

    Witzig, mir ging das mit dem Ende ganz anders. Für mich war das überhaupt nicht abgeschlossen. Dabei hatte ich gehofft, dass der erste band für sich stehen könnte. Aber so war das sehr unbefriedigend.

    • Krimisofa sagt:

      Dass es eine Trilogie ist, hab ich schnell heraus gehabt, aber irgendwie reizt mich nicht viel, um die weiterzuverfolgen. Sicher wird da noch einiges kommen, allein Aglas Geschichte ist tatsächlich alles andere als auserzählt, aber bei Sonja seh‘ ich ehrlich gesagt nicht mehr viel Potenzial (ich kann mich aber auch nicht mehr an alles erinnern, is‘ doch schon einige Wochen her, dass ich es gelesen hab).

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