[Rezension] Karsten Dusse: Das Kind in mir will achtsam morden (Achtsamkeitsreihe – Band #2)

Björn Diemel wurde von seiner Frau ein weiteres Mal zum Achtsamkeits-Coach geschickt, weil er seine Gefühle nicht im Griff hat und dies auch regelmäßig signalisiert. Der Coach legt bei den Sitzungen Björns inneres Kind frei, dessen er sich noch gar nicht bewusst war. Nun ist es halt da und muss gezähmt werden. Dass Björn seit einem halben Jahr Boris, den Chef eines Mafia-Clan in seinem Keller sitzen hat, macht die Sache nicht unbedingt leichter. Dass dieser eines Tages plötzlich nicht mehr in seinem Verlies hockt, ebenfalls nicht. Doch das ist nur die Spitze des Eisberges, denn Björn wird von einem Unbekannten erpresst – und dafür benötigt er Boris …


246x0w

DAS KRIMISOFA IST JETZT AUCH AUF INSTAGRAM.

Mit „Achtsam morden“ hat Karsten Dusse nicht nur ein innovatives Genre erschlossen, sondern auch einen Überraschungserfolg gefeiert. Nun kam „Das Kind in mir will achtsam morden“ heraus und setzt fort, wo der erste Teil geendet hat. Ich habe mich riesig auf den neuen Dusse gefreut – und wurde nicht enttäuscht.

Ja, der Blutfleck, der sich am Cover des ersten Teils der Achtsamkeitsreihe befindet, findet sich auch auf dem Kind, das die Reihe nun in die Welt gesetzt hat, wieder. Allerdings ergänzt durch ein paar weitere kindliche Farbkleckse. In „Achtsam morden“ hat uns Karsten Dusse das Achtsamkeitsthema im Allgemeinen näher gebracht, jetzt spezialisiert er sich auf das innere Kind. Und man merkt, dass Dusse selber achtsam lebt, denn dem neueste Spross merkt man die Hingabe seines Autors an, die er beim Schreiben an den Tag gelegt hat. So eine Leichtigkeit, Kreativität und vor allem diese Gewitztheit, in Kombination mit diesem schweren Thema, findet man nicht oft.

Gleich zu Beginn blicken wir zurück, denn so ganz hatte ich „Achtsam morden“ nicht mehr auf dem Schirm. Danach wird es hoch psychologisch, aber auch hoch interessant. Das Großartige ist, dass sich der Protagonist, der sich zu Beginn des Buches abermals bei seinem Achtsamkeits-Coach findet, nie direkt, sondern eher indirekt tötet – so auch in den Alpen, in denen er mit seiner Frau Katharina und seiner Tochter Emily war. Bis auf Dragan, den er im ersten Teil ziemlich direkt zerstückelt und in den Häcksler geworfen hat – aber da war er schon tot, von der Hitze im Kofferraum, in den Dragan aus freien Stücken gestiegen ist, würde der gelernte Strafverteidiger wohl argumentieren.

„Das Kind in mir will achtsam morden“ spielt ein halbes Jahr nach dem ersten Teil, ist noch besser als sein Vorgänger und dabei nicht nur interessant, sondern auch rasant. Es macht Spaß, Björn Diemel ein weiteres Mal zuzusehen, wie er die Achtsamkeit auf seine ganz eigene Weise interpretiert. Dabei kommuniziert er immer wieder mit seinem inneren Kind, welches wirkt wie irgendwas zwischen einem zusätzlichen Protagonisten und einer gespaltenen Persönlichkeit.

Was weniger Spaß macht, ist das Wort „Assis“, das Dusse regelmäßig benutzt. Ich weiß, dass diese Abkürzung von „Asoziale“ weit verbreitet ist – für mich ist „Assis“ die Abkürzung von „Assistenten“, welche ich als Student mit Behinderung zuhauf gehabt habe. Und die haben weder im Park randaliert, wie sie es in Dusses neuestem Buch tun, noch waren es Asoziale – ganz im Gegenteil. Auch die Interpunktion war für mich nicht zu hundert Prozent zufriedenstellend (siehe Grafik unten), aber weit weniger schwerwiegend als die „Assis“ (wo kommt eigentlich das doppel-S her?).

Daten zum Buch 

Autor: Karsten Dusse
Titel: Das Kind in mir will achtsam morden
Seiten: 480
Kapitel: 50
Erschienen am: 11. Mai 2020
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453424449
Preis Print: 10,99 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

Ein Gedanke zu „[Rezension] Karsten Dusse: Das Kind in mir will achtsam morden (Achtsamkeitsreihe – Band #2)

  1. Tintenhain sagt:

    Eine Freundin vom Bücherstammtisch findet die beiden Krimis von Karsten Dusse so richtig gut. Ich habe mich bisher noch nicht so richtig dran gewagt. Das mit den Assis würde mich allerdings auch stören, weniger, weil ich an Assis an der Uni denke (ich kenne das als Studentenjob bei Profs), sondern weil ich die Verwendung des Begriffs als stigmatisierend und nicht angebracht empfinde.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.