[Rezension] Chris Carter: Bluthölle (Hunter & Garcia – Band #11)

Angela lebt seit fünf Jahren in Los Angeles. Sie war dorthin geflüchtet, nachdem sie ihren Bruder auf tragische Weise verloren hat – die Schuld dafür gibt sie sich selbst. Jetzt arbeitet sie als Taschendiebin. Sie behauptet von sich, die Beste zu sein – aber auch die Ehrenhafteste. Das will sie auch beweisen, als sie eines Tages in einem Café sitzt und einem Mann, der sich unfreundlich verhält, seine Tasche klaut – doch mit so einem Inhalt hat sie nicht gerechnet. In der Tasche befindet sich ein Tagebuch, in dem detailliert Morde beschrieben werden. Sie schickt das Buch ans LAPD, doch sie hat die Rechnung ohne den Mörder gemacht – denn der jagt sie jetzt …


Unmittelbar bevor ich begonnen habe, „Bluthölle“ zu lesen, habe ich den allerersten Teil der Hunter-Garcia-Reihe gelesen. „Der Kruzifix-Killer“. Ich wollte die Faszination dieser erfolgreichen Reihe verstehen – und bin gescheitert. Jetzt also der neueste Teil von Chris Carter; und was soll ich sagen – Euphorie hat „Bluthölle“ bei mir keine ausgelöst. Warum, erfährt ihr weiter unten.

Robert Hunter ist nach wie vor ein Ausnahmeagent beim LAPD, bla, geschenkt – sind es nicht immer Ausnahmeerscheinungen? Eben. Wesentlich faszinierender war für mich Angela, die blitzgescheite und sympathische Profi-Taschendiebin, die vor fünf Jahren nach Los Angeles kam. Damals hat sie ihren elfjährigen Bruder verloren – bis heute gibt sie sich die Schuld, dass er einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel. Nun also Taschendiebin, obwohl sie das Zeug für etwas wesentlich Legaleres hätte. Dass Carter eine junge Frau von der Täterin zum Opfer macht – und man muss wahrlich kein Hellseher sein, um das kommen zu sehen – kann man hinterfragen. Andererseits hätte man es ihm auch vorgeworfen, wenn er eine Würstchenparty – sprich: nur Männer an vorderster Protagonistenfront – veranstaltet hätte. Wie man‘s macht, macht man‘s falsch. Und Garcia, Hunters Partner? Der ist auch da, Hunter steht aber, wie schon in „Jagd auf die Bestie“, im Fokus.

Chris Carters anhaltender Erfolg als Autor ist für mich ebenso bemerkenswert wie überraschend. Denn weder der erste, noch der dritte Teil seiner Reihe, den ich 2012 angefangen, aber nie beendet habe, haben mir die Frage des Wieso beantworten können. Dann kam letztes Jahr „Jagd auf die Bestie“, welcher tatsächlich interessant und spannend war – fast hatte mich Carter am Haken –, aber „Bluthölle“ hat tatsächlich nichts, was mich reizt, weitere Teile der Reihe zu lesen. Ich gehe sogar soweit, zu behaupten, dass „Bluthölle“ einer der schlechtesten Serienmörder-Thriller war, den ich je gelesen habe. Gut zu lesen ist das Ding allemal, daran scheitert es nicht, aber den Mörder und sein Handeln zu durchschauen, ist dermaßen einfach, dass vermutlich jeder, der ein paar Thriller gelesen hat, beim LAPD anheuern könnte – dazu bräuchte es weder einen Hunter noch einen Garcia. Mit Spannung brilliert „Bluthölle“ definitiv nicht.

Was allerdings durchaus nett ist, ist die Schnitzeljagd, die uns Carter gegen Ende bietet – auch wenn sie irgendwann im Sand verläuft. Den Showdown zieht Carter für meinen Geschmack etwas in die Länge, auch wenn die Systemkritik, die dem vorausgeht, durchaus ihre Berechtigung hat.

Dass das Buch alles andere als gut ist, mag vielleicht auch daran liegen, dass der Schreibprozess von einem Verlust in Carters engerem Umfeld überschattet wurde. Mag sein. Aber bevor ich dann so ein Buch abliefere, lass ich es lieber bleiben und warte, bis bessere Gedanken kommen. Schade um das Geld der Carter-Fans.

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Daten zum Buch 

Autor: Chris Carter
Titel: Bluthölle
Originaltitel: Written in Blood
Übersetzung: Sybille Uplegger
Seiten: 416
Kapitel: 99
Erschienen am: 3. August 2020
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548291925
Preis Print: 10,99 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

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